23 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Leidenschaft für Filme

Videothek in Plön Leidenschaft für Filme

Die Konkurrenz ist riesengroß: DVDs als Dreingabe zur Zeitschrift, Watchever, Netflix, Maxdome, Amazon Prime, die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender, Pay-TV, die Angebote der Elektronik-Fachmärkte und nicht zuletzt illegale Downloads. Und trotzdem gibt es sie noch: Videotheken. Eine auch in Plön.

Voriger Artikel
Sprachpaten fehlt es an Reservekräften
Nächster Artikel
Freitag ist Premiere

Seit 33 Jahren am Gänsemarkt in Plön, seit 2013 geleitet von Kathleen Bönig und Manuel Gumz: die Videothek Video-Welle, die zwar ein treues Stammpublikum hat, aber mit sinkenden Umsatzzahlen leben muss.

Quelle: Peter Thoms

Plön. Seit mittlerweile 33 Jahren prangt über dem Haus am Gänsemarkt das (ursprünglich von Fernseh-Hemmen montierte) Schild mit der Aufschrift Video-Welle. Nach mehreren Besitzerwechseln ist Manuel Gumz seit 2013 Besitzer des Ladens, seine „rechte Hand“ Kathleen Bönig ist einige Monate jünger als das Schild über der Tür. So gesehen hat die Videothek in Plön am Standort Gänsemarkt echte Tradition, auch wenn Gumz die Videothek von vornherein nur als zweites Standbein betreibt, sein Hauptgeschäft sind Dienstleistungen rund um das Haus.

 Als die Geschäftsübernahme 2013 anstand, war das schleichende Aussterben von Videotheken in Deutschland schon lange im Gange. Kreditinstitute sahen schon damals keine rechte Perspektive mehr, der von Kathleen Bönig ausgearbeitete Business-Plan war keiner Bank einen Kredit wert. Die Idee von der eigenen Videothek wurde dennoch umgesetzt. Mit Hilfe der Familien und vor allem „just for Fun“ wie die beiden sagen.

 „Just for Fun“ beschreibt auch am besten die Leidenschaft für Filme, die besonders Kathleen Bönig ihren Kunden vermittelt. Drinnen beherrscht – natürlich – das nahezu unübersehbare Angebot mit 2600 Verleih- und 800 Kauf-Filmen die Szenerie. Aber Gumz und Bönig bemühen sich um Wohnzimmeratmosphäre, in der sie mit Stammkunden ins Gespräch kommen. Wer filmtechnisch nicht auf dem Laufenden ist, erwartet – und bekommt – eine fundierte Beratung. Spätestens dann wird deutlich, dass die Leidenschaft für Filme Grundvoraussetzung ist, um eine Videothek zu betreiben.

 Neben der Leidenschaft bestimmen natürlich die Gesetze des Marktes das Geschäft: Jeden Monat kommen bis zu 25 neue Filme hinzu. Die Videotheken werden idealerweise einige Tage vor den Elektronikmärkten mit den Verleih-DVDs oder -Blu-Rays beliefert. Nur dann rechnet sich die Sache mit der Lizenzgebühr: Videotheken kaufen nicht zum handelsüblichen Kurs, sondern legen zwischen 40 und 50 Euro auf den Tisch. Pro Film! Dafür gibt’s keine bessere Qualität oder edlere Verpackung, sondern lediglich die Erlaubnis, den Film zu verleihen. Das honoriert die Kundschaft mit 3 Euro pro Film. Neue Streifen müssen tags darauf wieder zurückgegeben werden, bei älteren Filmen darf man sich zum gleichen Preis einen Tag mehr Zeit lassen.

 Das Internet ist für die Video-Welle Fluch und Segen zugleich: Fluch, weil vor allem schnelle Verbindungen immer mehr Kunden zu den Streaming-Diensten abwandern lassen, aber ein Segen, weil online die beste Möglichkeit ist, den Kunden den DVD-Verleih schmackhaft zu machen. Auf der Homepage www.video-welle-plön.de gibt es nahezu täglich aktualisierte Infos über das Filmangebot, eine Verlinkung führt direkt zu den Trailern, damit der Kunde einen kurzen Vorgeschmack auf den Film erhält und niemand die „Katze im Sack“ leihen muss.

 „Es macht uns immer noch großen Spaß – trotz sinkender Umsatzzahlen“, so Kathleen Bönig und Manuel Gumz unisono, aber sie wissen auch, „dass wir mit Freundlichkeit und Kompetenz um jeden Kunden kämpfen müssen.“

 Rund 3500 Videotheken gab es im Jahr 2008 in Deutschland, 2014 nur noch 1500. Rein statistisch hat also jeden Tag ein Geschäft aufgegeben. Laut Statistik-Portal Statista sind Umsätze beim DVD- und Blu-Ray-Verleih im gleichen Zeitraum bundesweit von 335 auf 188 Millionen Euro zurückgegangen. Die Kundenzahl sank bundesweit von 6,2 Millionen (2012) über 5,7 Millionen (2013) auf 5,3 Millionen (2014).

 Eine eher ländlich strukturierte Umgebung bietet gegenüber Großstädten einen gewissen Standortvorteil: Langsame Internetverbindungen in vielen Ortschaften rund um Plön machen das Streamen von großen Filmdateien zu einer ruckeligen und pixeligen Angelegenheit. Da greifen Filmliebhaber lieber zur DVD.

 Auch der Tourismus ist in gewisser Weise ein Videotheken-Förderprogramm: An verregneten Tagen decken sich viele Feriengäste in der Video-Welle mit Filmen ein – DVD-Player gehören in Ferienwohnungen und Wohnwagen inzwischen zur Standardausstattung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3