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Lernen, wie Deutschland tickt

Flüchtling in Schönberg Lernen, wie Deutschland tickt

Der 17-Jährige Ismet Kassim Ismail aus Aleppo in Syrien besucht die 11. Klasse der Gemeinschaftsschule Probstei. Seit einem Jahr lebt der Flüchtling, der unbegleitet nach Deutschland kam, in Schönberg. Betreut wird er, wie in solchen Fällen üblich, von einem Vormund des Jugendamtes Kreis Plön.

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Anselm Brößkamp, Landrätin Stephanie Ladwig, Ismet Kassim Ismail und Vormund Matthias Treu trafen sich zum Start der Kampagne „Das Jugendamt – Unterstützung, die ankommt“.

Quelle: Sandra Brinkmann

Plön. Das startete gestern seine Imagekampagne „Das Jugendamt – Unterstützung, die ankommt“, eine Initiative der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter. Mit 60 Mitarbeitern ist das Jugendamt die größte Fachabteilung des Kreises. Die Aufgaben seien vielfältig. „Ziel unserer Kampagne ist, dass wir in der Bevölkerung als Dienstleister und Unterstützer wahrgenommen werden und nicht als Bedrohung“, so Landrätin Stephanie Ladwig im Pressegespräch. Bisweilen sei es immer noch so, dass Menschen mit diesem Amt nur Negativschlagzeilen verbinden wie Entziehung des Sorgerechts oder vermeintlich zu spätes Einschreiten zum Beispiel bei vernachlässigten Kindern, weiß auch Amtsleiter Anselm Brößkamp aus der Praxis. Seine Botschaft: „Keine Angst vor uns haben. Wir helfen.“

 Das Jugendamt wirkt unter anderem unterstützend in Familien. Es ist auch zur Stelle, wenn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wie Ismet nach Deutschland kommen. In diesen Fällen übernimmt ein hauptamtlicher Mitarbeiter der Verwaltung die Vormundschaft. Bei 25 jugendlichen Flüchtlingen in Zuständigkeit des Kreises Plön ist das derzeit der Fall. Mit rund 100 rechnet Anselm Brößkamp aber in den nächsten Monaten. Bundesweit steht eine Regelung ins Haus, die diese Gruppe gleichmäßig auf die Länder verteilt. Wie man das managen wird, wird sich auch im Kreis Plön noch zeigen müssen. „Denkbar wäre, dass die Vormundschaft über das Jugendamt läuft und durch Patenschaften aus der Bevölkerung ergänzt wird“, so Brößkamp.

 Ismet Kassim Ismail war zu Fuß, per Bus und Schiff durch die Türkei, Algerien, Tunesien, Libyen und Italien unterwegs, bevor er in Deutschland ankam. Alleine. Seine Mutter und zwei jüngere Geschwister sind noch in der Türkei. Und so wurde Matthias Treu vom Jugendamt sein Vormund, unterstützt von einer sozialpädagogischen Kraft vor Ort in Schönberg. Ismet lernt in der Schule Deutsch, lebt mit einem anderen jungen Mann in einer Wohnung in Schönberg und „meistert das alles sehr gut“, wie Treu unterstreicht. Begleitung zu Ämtern, Anträge stellen, Schulwahl, Aufnahme im Sportverein, Hilfe in Alltagsdingen – das Aktionsfeld von Vormund und Hilfskraft ist weit. Netzwerke sind hilfreich. Wenn man die jungen Flüchtlinge frage, was sie am meisten bräuchten, kämen immer zwei Dinge: „Sicherheit. Und jemanden, der mir sagt, wie Deutschland tickt“, gibt Anselm Brößkamp wieder.

 Wie Deutschland tickt, weiß Ismet mittlerweile ganz gut. Und: „Er hat reelle Chancen, hier Abitur zu machen“, versichert der Jugendamtsleiter. Danach möchte der Syrer „Erdöl-Ingenieur“ werden.

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Ein Artikel von
Sandra Brinkmann
Redaktion Ostholsteiner Zeitung

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