14 ° / 10 ° Regen

Navigation:
Letzte Feier in Wieses Gasthof

Gödersdorf Letzte Feier in Wieses Gasthof

Wieses Gasthof in Gödersdorf, zuletzt Ruschers Gasthof, ist nun Geschichte. Jan Stoltenberg kaufte das Grundstück mit dem seit zwei Jahren leer stehenden Gebäude samt Nebenanlagen und will dort Einfamilienhäuser bauen.

Voriger Artikel
Flüchtlingself an der Tabellenspitze
Nächster Artikel
Sternwarte fürs Schulzentrum

Jan Stoltenberg hat das Gelände mit Wieses Gasthof in der Ortschaft Gödersdorf gekauft. Das alte Gebäude soll für den Neubau von Einfamilienhäusern abgerissen werden.

Quelle: Astrid Schmidt

Höhndorf. Bevor der Bagger anrollt, hat er für Sonnabend, 26. November, noch einmal all diejenigen eingeladen, die viele Jahrzehnte lang in Wieses Gasthof einen festen Treffpunkt hatten. Dazu zählen der Freitagsclub, die Feuerwehr, die Jagdhornbläser und die Schweinegilde.

 Zu dem Gelände sei er gekommen „wie die Jungfrau zum Kind“, erzählt Stoltenberg. Ein Makler habe ihn angesprochen, und so hatte er schließlich Nägel mit Köpfen gemacht und ein weiteres kleines Baugebiet geplant. Gegenüber entstehen bereits Häuser in seiner Regie. Das Grundstück des Gasthauses gelte als „Baulücke“ und biete Platz für den Neubau vier weiterer Einfamilienhäusern.

 Am Sonnabend wird es mit Sicherheit in den Gesprächen auch um die Geschichte des Hauses gehen. 1867 hatten Claus und Wiebke Göttsch es gebaut: mit Krug, Kegelbahn, Backhaus und Scheune, wie in der Dorfchronik zu lesen ist. Sie verpachteten die Gastwirtschaft an Hinrich Steffen, der neben dem Krug auch eine Seltersfabrik betrieb und die Gaststätten in der Region mit Mineralwasser belieferte. 1913 kauften Gastwirt Josias Hamann und Ehefrau Wilhelmine den Betrieb und vererbten alles an ihre Tochter Bertha, die wiederum Gastwirt Max Wiese aus Laboe heiratete. Die beiden machten 1914 daraus Wieses Gasthof. Das Paar hatte fünf Kinder. „Tochter Hilde führte nach Max Wieses Tod mit viel Umsicht und großem Geschick die elterliche Gastwirtschaft weiter“, ist in der Chronik festgehalten.

 Noch heute könnten sich viele Menschen in der Region an „Tante Hilde“ erinnern, berichtet Jan Stoltenberg. So auch Thea Karstens, die als Nichte nach dem Tod von Hilde Wiese den Betrieb in der Dorfstraße 103 und die Ländereien erbte. „Ich bin dort als Kind groß geworden und habe als junge Frau viel mitgeholfen. Tante Hilde war eine Institution und weit über die Region hinaus bekannt. Aber ich konnte den Krug damals nicht übernehmen. Ich hatte mein Leben in Kiel“, erzählt Karstens auf Nachfrage. Sie verpachtete die Gastwirtschaft an Thomas Neven und verkaufte schließlich 1998 an Karsten und Marlene Rusch. Fremdenzimmer, sanitäre Anlagen und die Küche wurden renoviert, das Stallgebäude abgerissen, der Parkplatz vor dem Haus gebaut. 2005 renovierte Rusch den Saal. Doch die Kneipenkultur veränderte sich, und es kamen immer weniger Gäste.

 Für die Abschieds- und Abrissparty mit den Gruppen, die sich damals im Gasthof trafen, hat Jan Stoltenberg eigens den ursprünglichen Schriftzug am Gebäude erneuern lassen. Das habe er sich gegönnt, so der Unternehmer, der verwandtschaftlich mit Familie Wiese und Thea Karstens verbunden ist. Sie habe lange überlegt, aber sich letztlich doch entschlossen, dabei zu sein, wenn sich ein letztes Mal in Wieses Gasthof die Tür öffnet.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3