3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Alte Scheune ohne Zukunft

Lütjenburg Alte Scheune ohne Zukunft

„Alte Scheune soll Schmuckstück werden“ hieß es vor 18 Jahren, als Lütjenburg noch voller Elan die Auffahrtscheune im Nienthal erworben hatte. Seitdem gab es so viele Ideen für das Gebäude aus dem Jahr 1922 wie heute Löcher im Mauerwerk. Bürgermeister Dirk Sohn schlägt nun den Abriss vor.

Voriger Artikel
Herbert Sätje erstes Ehrenmitglied
Nächster Artikel
Schlosskonzerte sind zurück

Die große Auffahrtscheune steht seit 18 Jahren leer. Der Lütjenburger Bürgermeister Sohn schlägt den Abriss vor.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Auffahrtscheunen bauten sich eigentlich die Bauern im Gebirge. Sie erlauben eine Zufahrt ins Gebäude auf verschiedenen Ebenen. Der ehemalige Gutsbesitzer Wyneken fand in der steilen Endmoräne im Nienthal vergleichbare Verhältnisse vor. Seine Scheune besitzt vier Tore, jeweils zwei auf jeder Giebelseite, die zum Teil über eine Brücke verfügten. In der Scheune fanden Pferde und Kühe ihren Platz. Sie diente als Heu- und Strohlager. Bis 1996 wurde sie noch landwirtschaftlich genutzt.

Die Euphorie im Juli 1998 war groß. Die Stadt Lütjenburg war frischgebackener Besitzer der Scheune und schickte 15 junge Arbeitslose zum Aufräumen ins Gebäude, um es für eine Sanierung vorzubereiten. Die Ziele waren damals hoch gesteckt: ein umweltpädagogisches Zentrum sollte hier einziehen, Erlebnis-Gastronomie, ein Kommunikationszentrum für Ausbildung in den neuen Medien und drumherum ein lebendiges Hofleben mit bäuerlichem Handwerk. So die Traumwelt von 1998, die von ersten Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkten und Konzerten zunächst am Leben gehalten wurde. Der Punkt nur: Es tat sich nichts Wesentliches am kaputten Gemäuer.

Viele Jahre später konzentrierten sich die Pläne auf ein Erlebniszentrum Mensch-Energie-Natur (MEN-Projekt), das 2013 allerdings endgültig zu Grabe getragen wurde. Die veranschlagten Investitionen von acht Millionen Euro wollten weder das Land noch die EU mit Zuschüssen abfedern.

„Das Gebäude ist nur mit einem Millionenaufwand wieder herzurichten, für den es aber keine Förderungen gibt“, beurteilt Bürgermeister Dirk Sohn die Situation. Er hat die Scheune wegen Einsturzgefahr mittlerweile sperren lassen, weil die Statik nicht mehr in Ordnung ist, wie ein großer Riss an einer Giebelseite zeigt, der sich gleich über mehrere Stockwerke zieht. Aus seiner Sicht müsste das Gebäude daher abgerissen werden, auch weil es nicht mehr „hübsch“ aussieht. Selbst wenn Lütjenburg Millionen von Euro in der Kasse erübrigen könnte, würde er der Stadtvertretung eher Investitionen in der Stadt vorschlagen. „Das Geld ist dort besser angelegt.“

Ein Kostenvoranschlag liegt bereits im Rathaus: 101000 Euro kostet der Abriss. Am liebsten hätte Sohn die Stadtvertretung gebeten, die Mittel bereits 2016 bereit zu stellen. Weil der Haushalt eng geplant ist, verzichtete er darauf. Wenn die Finanzlage der Stadt es erlaubt, wird er es auf die Tagesordnung setzen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3