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Büffeln für den Lebenstraum

Lütjenburg Büffeln für den Lebenstraum

„Die Sprache ist das A und O“, sagte unlängst Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eingliederung von Flüchtlingen. Diese Einstellung teilt sie mit Ahmad Amini (26), der seit knapp sechs Monaten in Deutschland lebt. Der Flüchtling aus dem Iran ist der beste Sprachschüler des Deutschkurses von Ursula Wehking in Lütjenburg. Er lernt mit Begeisterung und Engagement.

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Deutschlehrerin Ursula Wehking ist stolz auf ihren Schüler Ahmad Amini. Der junge Afghane hat innerhalb kurzer Zeit gelernt, ganz passabel Deutsch zu sprechen.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Das Schicksal Aminis, der sehr bescheiden auftritt, gleicht dem vieler Flüchtlinge aus arabischen Staaten. Seine Eltern stammen aus Kandahar in Afghanistan. Als sein Vater, ein Maurer, an dem Bau einer Schule mitarbeitet, schalten sich lokale Talibanvertreter ein. Sie setzen den Handwerker unter Druck. Die Familie flüchtet in den Iran. Kein Geld, keine Zukunft. „Wir waren dort nur Flüchtlinge“, beschreibt er seine dortige Lebenssituation. Amini rüstet sich für seinen Weg nach Europa, nach Deutschland. Das rät ihm seine Familie. Er schlägt sich durch bis in die Türkei und arbeitet ohne Papiere als Schneider, bis er genug Geld für seine lange Reise zusammen hat. 1400 Dollar verlangt der Schleuser dafür, ihn nach Griechenland zu schmuggeln. 1500 Dollar kostet der Weg von Griechenland über Mazedonien und Serbien bis nach Ungarn. Von dort reist er weiter nach Deutschland. Amini ist mit dem Schiff unterwegs, zu Fuß und per Lkw. Flucht ist eine komplizierte und unbequeme Sache.

 In Lütjenburg fühlt er sich sehr wohl. „Die Menschen sind alle nett.“ Nur wenn er die deutsche Sprache beherrscht, wird er auch in Deutschland Fuß fassen können. Das sagt er zu sich selbst. Dabei kann er neben seiner Muttersprache Dari auch perfekt Persisch, ein bisschen Arabisch, ein bisschen Türkisch und ein bisschen Englisch. Nach den wenigen Monaten, die er in Lütjenburg lebt, kann er sich ganz passabel unterhalten. Er lese und schreibe auch sehr gut. Das Sprechen selbst falle ihm etwas schwerer. Er büffelt nicht nur im Kursus von Wehking. Auch im Café International im kirchlichen Gemeindehaus lernt er bei den wöchentlichen Treffen. Wenn ihm eine Vokabel fehlt, sucht er im Übersetzungsprogramm seines Handys danach. In Sekundenschnelle hat er das Wort. Er vergesse leider viel, sagt der schüchterne, junge Mann. Er müsse einfach mehr Kontakte zu Deutschen haben, urteilt er über seine Situation.

 Seine Lehrerin Ursula Wehking ist voll des Lobes über ihren Schüler. „Der ist sehr gut. Der lernt ständig.“ Den Abschlusstest habe er mit Abstand als Bester bestanden. Doch ihr Sprachkursus, der vom Land finanziert wird, geht nur über 100 Stunden. Zu wenig, um wirklich das Deutsche zu beherrschen. Sie will sich dafür einsetzen, dass er weiteren Unterricht bekommt. Wehking schätzt, dass Amini schon im nächsten Jahr das Niveau einer B1-Prüfung schaffen könnte. Das ist der Test für eine Einbürgerung und eine gute sprachliche Voraussetzung, um eine Lehre anfangen zu können. Eine Ausbildung zu beginnen, vielleicht in Richtung Elektriker, ist nämlich Aminis Traum. Wehking: „Er hat das Zeug dazu.“

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