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Geheimschloss im Rathaus endlich offen

Lütjenburg Geheimschloss im Rathaus endlich offen

Das letzte Geheimnis im Lütjenburger Rathaus ist gelüftet. Die historische Eisentruhe vor dem Bürgermeisterzimmer, die jahrelang nicht geöffnet werden konnte, gab ihren Inhalt preis. Statt der erhofften Gold- und Silberbarren fand Bürgermeister Dirk Sohn allerdings nur Pflastersteine.

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Lütjenburgs Bürgermeister ist etwas enttäuscht über den Inhalt der alten Truhe, die im Rathaus steht. Keine historischen Dokumente oder Silberbarren fanden sich darin, sondern nur schnöde Pflastersteine.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Die Truhe ist ein Mysterium. Selbst frühere Rathaus-Mitarbeiter wissen nicht, auf welchem Weg sie nach Lütjenburg gekommen ist, oder ob sie schon immer hier stand. Bürgermeister Sohn erzählt die Geschichte, dass sie in früheren Jahrhunderten als mobiler Geldtresor in Postkutschen unterwegs war. Darin sollen sich die Löhne für Staatsbedienstete zwischen Kiel und Fehmarn befunden haben. Er schätzt das Alter der Eisentruhe auf mindestens 200 Jahre.

Die Truhe gab den Lütjenburgern schon lange Rätsel auf. Kein Schlüssel passte ins Schloss auf der Vorderseite. Versuche, sie zu öffnen, scheiterten immer wieder. Hinzu kam ihr enormes Gewicht. Vier Mann waren nötig, um das relativ kleine Behältnis vom Foyer in den ersten Stock des Rathauses zu tragen. So stand sie Jahr um Jahr nutzlos herum, diente als Tischchen für Prospekte und Flyer.

Der Einbruch ins Rathaus brachte letztendlich die Lösung. Schlüsselexperte Klaus Wichelmann vom Landmarkt Bandholz sollte sich die zerstörten Türschlösser anschauen. Nebenbei fragte ihn Bürgermeister Sohn, ob er auch die Eisentruhe auf bekomme. Und Wichelmann bewies Geschick. Er wusste sofort, dass das Schloss auf der Vorderseite nur zur Ablenkung diente, um Diebe zu täuschen. Es hatte keinerlei Funktion. Wichelmann fand das richtige Schlüsselloch versteckt unter einer kleinen drehbaren Klappe auf der Oberseite der Truhe. Sie blieb jahrzehntelang unentdeckt, weil sie wie ein normaler Eisenbeschlag wirkt. Und für dieses Geheimschloss fand sich im Schlüsselkasten des Bürgermeisters tatsächlich auch der richtige Schlüssel. Ein Glücksfall: Der wurde nur nicht entsorgt, weil er so schön alt und verschnörkelt aussieht.

Beim Blick in den Kasten machte sich bei Sohn allerdings Ernüchterung breit: Pflastersteine sind nicht gerade eine spannende Entdeckung. Wenn nicht auf Edelmetall, so habe er doch auf historische Dokumente zur Stadtgeschichte gehofft.

Zumindest weiß man im Lütjenburger Rathaus nun, warum die Kiste so unverschämt schwer war. Auch eine Erklärung, warum die Steine in der Truhe lagen, hat Sohn. Sie dürften eine einfache, aber wirksame Diebstahlsicherung gewesen sein. Selbst zu zweit kann man die „Schatztruhe“ nicht weit tragen.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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