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Randalierer im Visier von Kameras

Lütjenburg Randalierer im Visier von Kameras

Sie sind metallgrau, erinnern an einen Wandhalter für eine Fahne und sind auch nachts aktiv: In Lütjenburg überwachen seit zwei Wochen sieben Kameras öffentliche Plätze. Die Stadt will damit Randalierer abschrecken – oder sie nach getaner Untat identifizieren.

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Schilder weisen auf dem Lütjenburger Marktplatz auf die Überwachung durch Kameras hin, die den Bereich rund um die Stromtankstelle im Blick haben.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Zumeist unbekannte3 Täter richten pro Jahr 20000 Euro Schaden in Lütjenburg an. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Besonders oft traf es die öffentlichen Toiletten am Rathaus, die schwer einsehbar über den Hof zu erreichen sind. Am Gildenteich steigen regelmäßig Partys, deren Gäste im besten Fall nur Müll und Dreck hinterlassen. Wenn es schlecht läuft, muss auch schon einmal der Abfallkorb oder die Wasserfontäne dran glauben. Im Blick haben die Kameras auch den ZOB auf dem Gildenplatz, dessen Bushäuschen regelmäßig mit Graffiti überzogen werden. Ärger gab es auf dem Marktplatz rund um die E-Bike-Station. Die Freizeitfläche auf dem früheren Kasernengelände leidet unter illegaler Müllentsorgung. Umweltsünder fahren mit ihren Fahrzeugen auf das Gelände und laden alte Autoreifen oder anderen Unrat ab.

Damit soll nun Schluss sein, hofft Bürgermeister Dirk Sohn. Die ersten 14 Tage geben ihm schon einmal Recht. Seitdem die Kameras hängen, ist nichts mehr passiert. 10000 Euro investierte die Stadt in die moderne Technik. Sie verfügt über eine hohe Auflösung und liefert auch in der Nacht gute Bilder. Die Kameras sind hoch an Häuserwänden angebracht oder auf einem Mast installiert. Sohn: „Man muss schon mit einer Leiter oder einem Hubwagen kommen, um sie kaputt zu machen.“ Außerdem würde ein Dieb sich selbst vor die Linse begeben. Nicht gerade schlau.

Wer glaubt, ein Mitarbeiter im Rathaus schaue jetzt rund um die Uhr auf sieben Bildschirme und überwache die Stadt, der täuscht sich. Die Bilder werden nur gespeichert, nicht fortlaufend angeschaut. Erst bei einem Vorfall und nach einer Anzeige liest allein die Polizei die Computerdaten aus und macht sie sichtbar. Bürger, die einfach nur mal schauen wollen, haben natürlich keinen Zugang zu den Aufnahmen, so Bürgermeister Sohn. Es sei denn, sie gingen zum Beispiel nach einem Diebstahl zur Polizei und die Bilder könnten zum Täter führen. Lange warten darf man auch nicht. Die Aufnahmen werden nach 72 Stunden automatisch gelöscht.

Es hat gedauert, bis die Kameras aufgestellt werden durften. Die Stadt hält natürlich die Spielregeln des Datenschutzes ein. Und die sind umfangreich. Dazu gehören auch Schilder, die auf die Überwachungskameras hinweisen. Wer nicht mit ins Bild will, kann an dieser Stelle einfach umkehren.

Strenge Spielregeln bei Kameraüberwachung

Die Überwachung von öffentlichen Plätzen im Kreis Plön ist nicht weit verbreitet. Lütjenburg nimmt eine Sonderrolle ein. Städte wie Preetz oder Plön haben keine Kameras an Plätze angebracht und planen das auch nicht. Eine Ausnahme ist dabei das Kreishaus in Plön. Um Einbrecher abzuschrecken, ließ die Verwaltung Kameras installieren, die den Außenbereich des Gebäudes im Blick haben. Privatleute müssen vorsichtig sein, wenn sie Kameras auf ihren Grundstücken installieren. Verboten ist zum Beispiel, die Linse ungefragt auf Nachbargrundstücke oder öffentliche Wege zu richten. In Tschechien hatte ein Randalierer erfolgreich gegen einen Hausbesitzer geklagt, dessen Scheiben er eingeschlagen hatte. Anhand von Kamerabildern war der Mann identifiziert worden. Der Hausbesitzer musste eine Geldbuße zahlen, weil seine Kamera auf eine Straße gerichtet war. Der Europäische Gerichtshof bestätigte die Strafe.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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