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Stadtansichten eines Flüchtlings

Lütjenburg Stadtansichten eines Flüchtlings

Über ein Jahr dauerte seine Flucht von Eritrea über den Sudan, Libyen und das Mittelmeer bis nach Italien. Robel Amanuel (23) lebt nun in Lütjenburg und widmet sich wieder seinem Hobby: dem Malen. Ein Bild vom Lütjenburger Rathaus hat er der Stadt geschenkt.

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Robel Amanuel malte das Lütjenburger Rathaus und schenkte das Bild Bürgermeister Dirk Sohn. Ruth Ehlers-Hensch betreut den jungen Mann aus Eritrea.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Ruth Ehlers-Hensch kümmert sich in Lütjenburg um den jungen Mann, vermittelt ihm Kontakte, gibt Tipps für den Alltag und hilft bei Behördenfragen. Sie erfuhr, dass er bereits in seiner Heimat malte. Der Katholik Amanuel wählte dort als Motiv Figuren wie Maria und Josef oder Kirchen. Warum also nicht auch in Lütjenburg Gemälde anfertigen? So sind Bilder vom Färberhaus am Markt, von der Turmhügelburg und Hein Lüth, dem kaiserlichen Stadtausrufer und heutigen Maskottchen Lütjenburgs. Es sind einfache Bilder, die fast an die Stilrichtung der naiven Kunst gehen. Ein besonderes Geschenk machte er der Gärtnerei Langfeldt zu ihrem 85. Jubiläum. Der Neubürger aus fernen Landen malte eine Firmenansicht des alteingesessenen Unternehmens und überreichte sie dem Chef.

Bürgermeister schlägt Ausstellung im Rathaus vor

Bürgermeister Dirk Sohn erhielt auch ein Geschenk: eine Ansicht des Rathauses. Er schlug dem jungen Mann vor, noch mehr Bilder der Stadt anzufertigen und sie nach der Renovierung des Rathauses in einer Ausstellung zu präsentieren. Sohn wünscht sich, dass dazu auch Motive aus der Heimat von Amanuel und seiner Flucht kommen. Der 23-Jährige kam mit einem Boot über das Mittelmeer, bevor ein Schiff die Flüchtlinge vor der italienischen Küste aufnahm.

Seine Zukunft sieht Amanuel in Deutschland und nicht in Eritrea, wo er nach der Schule zur Armee eingezogen wurde. Internationale Menschenrechtsorganisationen stufen das Land als brutale Diktatur ein.

Der 23-Jährige besucht montags bis donnerstags eine Sprachschule in Kiel. Bis September will er seinen Abschlus auf B1-Niveau machen. Wenn er nicht Hausaufgaben büffelt oder malt, trainiert er in der Fußballabteilung des TSV Lütjenburg. Einen Berufswunsch, der seinem Hobby zumindest verwandt ist, hat er auch: Er möchte in einem Betrieb das Malerhandwerk erlernen.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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