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Flüchtlingsunterkunft nimmt Betrieb auf

Lütjenburg Flüchtlingsunterkunft nimmt Betrieb auf

Die ersten 45 Flüchtlinge sind am Montag in der früheren Schill-Kaserne in Lütjenburg eingetroffen. Bis zu 1000 Menschen sollen in fünf Mannschaftsunterkünften Platz finden. Zum Vergleich: Als die Kaserne noch militärisch genutzt war, kamen auf demselben Raum 400 Soldaten unter.

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Jan Kruse (links) und Michael Duus werfen sich Kartons mit Bettwäsche zu. Sie sind Mitglieder des DRK Neustadt und helfen ehrenamtlich bei der Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft in Lütjenburg.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Lütjenburgs Bürgermeister Dirk Sohn und Bürgervorsteher Siegfried Klaus verteilten noch vor der Ankunft der Flüchtlinge Schoko-Weihnachtsmänner an die vielen Helfer, die die Unterkunft herrichteten. „Herzlich willkommen in Lütjenburg“, lautete ihre Botschaft. Schätzungsweise 150 Handwerker, Bauarbeiter, DRK-Freiwillige, Bundeswehrsoldaten, Ordner und Mitarbeiter verschiedener Behörden arbeiteten gestern in und an den Gebäuden. Alle loben das gute Zusammenspiel. Ein Vertreter der Landespolizei sprach vom Team Lütjenburg, das es geschafft habe, die Kaserne bezugsfertig zu machen. Am Nachmittag machte sich Innenminister Studt ein Bild von der Lage.

 Jan Kruse vom DRK Neustadt gehört mit zum Team. Er kümmert sich ehrenamtlich zum Beispiel um die Verteilung von Bettwäsche auf die Zimmer. „Aus Liebe zum Menschen“ sei er hier. Er hofft, nicht selbst einmal in die Rolle eines Flüchtlings zu kommen. Und wenn doch, so wünscht er sich Helfer wie jetzt, die ihn freundlich aufnehmen.

 Der Brandschutz gibt strenge Regeln vor. An jedem Gebäude sind neue Fluchttreppen installiert worden. Elektrische Geräte wie Kaffeemaschinen oder Wasserkocher sind auf den Zimmern streng verboten. Ein Ordner wacht 24 Stunden in jedem Haus, ob Feuer ausbricht. Zweibeinige Brandmelder, die sich auch um die Alltagssorgen der Bewohner kümmern sollen. Viele der Ordner haben selbst einen Migrationshintergrund, eine Reihe von ihnen spricht arabisch. Das ist so gewollt und soll bei der Bewältigung von Konflikten helfen.

 Die medizinische Versorgung liegt in der Hand der Firma Notarztbörse. Inhaber André Kröncke schickt bis zu zwei Mediziner gleichzeitig in die Praxis auf dem Gelände. Er strebt zudem eine enge Zusammenarbeit mit den lokalen Arztpraxen an. Kröncke, der auch andere Unterkünfte betreut, rechnet nicht mit großen Problemen. 85 Prozent der Flüchtlinge seien gesund. Durchfallerkrankungen und Erkältungen seien die häufigsten Diagnosen bei den Kranken. „Das haben wir bisher gut gestemmt bekommen.“ Im Falle zum Beispiel von Windpocken gibt es in der Kaserne eine Isolierstation.

 Bis zu acht Menschen müssen sich ein Zimmer teilen, bis zu zehn Menschen ein Bad und WC. „Das ist kein Hotelbetrieb“, sagt Jürgen Willenbrecht vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten. Im Vergleich zu anderen Containerdörfern sei die Lütjenburger Unterkunft noch ein „Himmelreich auf Erden“. Die Menschen könnten sich auf dem großen Gelände gut verteilen. In den nächsten Tagen treffen jeweils etwa 100 Flüchtlinge in Lütjenburg ein. Sie stammen aus der Erstaufnahme in Neumünster, die extrem überbelegt ist. Der Platz in Lütjenburg soll die Situation dort entspannen. Bis Jahresende kommen insgesamt 600 Flüchtlinge nach Lütjenburg.

 Eine wichtige Rolle spielt auf dem Gelände das DRK Ostholstein, das die Betreuung der Menschen übernimmt. Bis zu 60 Helfer stehen dafür täglich bereit. Sie bieten unter anderem Deutschkurse an, spielen mit den Kindern, helfen bei Behördengängen und kümmern sich um Freizeitangebote. Sechs Polizeibeamte versehen ihren Dienst in einer Wache im früheren Stabsgebäude. Gegessen wird in der Kantine, in der bis zu 350 Menschen gleichzeitig eine Mahlzeit einnehmen können.

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Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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Die Bauarbeiten auf dem Kasernengelände in Lütjenburg laufen auf Hochtouren.

Die ersten Flüchtlinge treffen am Montag in der früheren Schill-Kaserne in Lütjenburg ein. Das bestätigte Magdalena Drywa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten. In einer ersten Phase sollen in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes 600 Menschen untergebracht werden.

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