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Vom Lernenden zum Lehrer

Lütjenburg Vom Lernenden zum Lehrer

„Ohne Deutsch haben wir hier keine Chance“, sagt Ahmad Amini. Der 26-jährige Afghane kam vor einem Jahr nach Deutschland und büffelte von Anfang an Vokabeln und Grammatik. Aus dem Lernenden ist jetzt ein Lehrer geworden. Er bringt rund 20 seiner Landsleute die deutsche Sprache bei.

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Ahmad Amini (rechts) gibt seit wenigen Wochen ehrenamtlich Deutschunterricht für seine Landsleute aus Afghanistan. Seine Schüler sind erst drei Monate in Deutschland.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Vor drei Monaten erreichten viele Flüchtlinge aus Afghanistan das Amt Lütjenburg –zumeist junge alleinstehende Männer. Langeweile ist für sie eines der größten Probleme in ihren Unterkünften. Amini konnte ihnen das nachfühlen und kam auf die Idee, ihnen Sprachunterricht anzubieten. In der ersten Stunde nahmen vier junge Afghanen vor ihm Platz. Mittlerweile sind es rund 20, die sich einmal in der Woche in einer privaten Runde in Lütjenburg treffen.

 Sie kommen in die einfach eingerichtete Wohnung, in der drei Afghanen leben, mit Plastiktüten in der Hand, aus der sie Hefte, Lernzettel und Stifte ziehen. Da es nicht genügend Stühle gibt, sitzen die meisten im Schneidersitz auf dem Teppich und einer Decke. Ihre Sitzhaltung für die nächsten drei Stunden. In einer ersten Runde stellt sich jeder auf Deutsch noch einmal vor. „Ich heiße Essar. Ich bin 18 Jahre alt. Ich komme aus Afghanistan. Ich bin seit drei Monaten in Deutschland.“ Bei den meisten klingen die Sätze schon einigermaßen. Bei anderen korrigiert Amini so lange, bis es halbwegs klappt. Besonderen Wert legt er darauf, dass es „Ich“ heißt und nicht „Isch“. Amini ist dabei streng. Er erklärt seinen Landsleuten, dass die Deutschen bei „Isch heiße“ an etwas anderes denken könnten. Die jungen Menschen vor ihm verstehen und lächeln. Amini ist im Vergleich zu deutschen Sprachpaten im Vorteil. Er beantwortet die Fragen der Afghanen, die allesamt Dari sprechen, in ihrer Muttersprache. Da gibt es keine Missverständnisse. Da fällt das Nachfragen leicht. Wenn ihnen jemand ausschließlich auf Deutsch erkläre, was ein Verb ist, hätten es die Schüler schwer, so Amini. „Sie können es einfach nicht verstehen, weil sie die Sprache nicht sprechen.“ Man stelle sich als Deutscher vor: Man müsste Dari lernen von jemandem, der nur Dari spricht.

 Hinzu kommt, dass einige wenige der Flüchtlinge fast Analphabeten sind und selbst in ihrer Muttersprache nur schlecht schreiben können. Einer von ihnen ist 19 Jahre alt und hat in den Monaten, in denen er im Land ist, zumindest einiges gelernt. Ganz langsam liest er schon einfache Sätze vor. Schaut immer wieder fast ängstlich zu Amini hoch, ob er auch alles richtig ausspricht. Mangelndem Lernwillen kann ihm keiner absprechen trotz seiner schlechten Vorbildung.

 Auch nach 90 Minuten ohne Pause lehnt sich kaum jemand zurück. Die allermeisten lauschen, wenn Amini ihnen etwas erzählt. Die Aufmerksamkeit ist hoch. Der junge Afghane erklärt seinen Landsleuten nicht nur die deutsche Sprache, sondern ebenso das Leben hier in Deutschland. „Wir sprechen auch über das Grundgesetz.“

 Amini ist selbst noch Schüler. Er fährt jeden Tag nach Oldenburg, wo er einen Deutschkursus auf dem relativ hohen B2-Niveau besucht. Im April ist seine Prüfung. Danach hofft er, beruflich in Deutschland seinen Platz zu finden. In seiner vom Krieg geplagten Heimat war er Schneider, bevor er über die Türkei und die Balkanroute nach Deutschland kam. Nun hat er ein Praktikum bei einer Firma für Heizungs- und Sanitärtechnik in Lütjenburg in Aussicht.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
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