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Ein Stück Heimat

Lütjenburger Kleingarten Ein Stück Heimat

Kräuter und Gemüse gedeihen prächtig, Blumen setzen bunte Farbtupfer und auf den Wegen dazwischen kurven Mohammed und Arizoo mit ihren Spielzeugautos herum. Eine typische Kleingartenidylle, über die sich Mirafghan Ali, Ameneh und Ahmad freuen, doch sie kommt ihnen noch immer unwirklich vor.

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Mirafghan Ali (links) fühlt sich mit seiner Familie und seinem Landsmann Ahmad Amini sehr wohl im Schrebergarten. Dirk Baumann (Zweiter von links) und Christel Seick (rechts), die das Gartenprojekt unterstützen, sind begeistert davon, was die jungen Leute aus der ziemlich verwilderten Parzelle in der kurzen Zeit gemacht haben.

Quelle: Anne Gothsch

Lütjenburg. Bis vor wenigen Monaten kannten sie so etwas überhaupt nicht, hatten sattes Grün und blühende Gärten wohl schon viele Jahre nicht mehr gesehen. Denn alle drei kommen aus Afghanistan. Mirafghan Ali, seine Frau Ameneh sowie die Kinder Mohammed und Arizoo stammen aus Kabul, der gemeinsame Freund Ahmad Amini aus Kandahar. Die junge Familie, deren jüngster Sohn Hauke in Deutschland geboren wurde, lebt bereits seit rund anderthalb Jahren hier, Ahmad erst seit sechs Monaten.

 Den Garten, den sie vom Kleingärtnerverein Lütjenburg zur Verfügung gestellt bekamen, bewirtschaften sie gemeinsam mit einer weiteren Flüchtlingsfamilie seit Mai. Sie haben „ordentlich geackert, um ihn wieder auf Vordermann zu bringen“, kann Christel Seick bestätigen. Sie betreut die jungen Afghanen und hat gemeinsam mit ihrem Mann das Kleingartenprojekt initiiert. „Immer wieder klagten vor allem die jungen Männer, dass sie das tatenlose Herumsitzen krank und traurig mache. Zwar besuchen sie alle die Deutschkurse bei unseren Sprachpaten und sind auch bei Veranstaltungen der Flüchtlingsinitiative dabei, doch das füllt ja den Alltag nicht aus“, berichtet Christel Seick. Deshalb die Idee mit dem Garten – dort können sie Sinnvolles tun, das Ergebnis ihrer Arbeit sehen und vielleicht ein wenig Spaß daran haben.

 Der Vorstand des Kleingärtnervereins ließ sich auf das Experiment ein, das nun im wahren Wortsinn Früchte trägt. Denn neben dem Spaß, der den neuen Hobbygärtnern anzumerken ist, füllt der Ertrag ihrer Arbeit mittlerweile regelmäßig Töpfe und Salatschüsseln mit frisch geernteten Karotten, Bohnen, Paprika, Zucchini, Gurken und Radieschen. Auch Dill, Minze und andere Kräuter gedeihen prächtig. Dirk Baumann, Leiter des SOS-Kinderdorfes, der für dieses Projekt die Trägerschaft übernommen hat, ist ganz begeistert von den grünen Halmen, die in Aussehen und Geschmack dem Schnittlauch ähneln. Ameneh erzählt, dass die Pflanze Tara heißt und in der afghanischen Küche für Salate, Suppen und vieles mehr verwendet wird. „Die Samen haben wir uns extra aus Afghanistan schicken lassen“, berichtet Mirafghan Ali und lächelt zufrieden über das üppige Wachstum. In seiner Heimat führte er ein kleines Gemüsegeschäft, vom Pflanzen, Säen und Unkrautjäten hatte er bis vor kurzem jedoch keine Ahnung.

 Dem 26-jährigen Ahmad scheint das Gärtnern ebenfalls gut zu tun. „Ich bin total erstaunt, was die Leute hier in der kurzen Zeit auf der stark verwilderten Parzelle gezaubert und wie sie sich entwickelt haben“, sagt Dirk Baumann. „Ahmad habe ich kurz nach seiner Ankunft in Lütjenburg kennengelernt. Er wirkte sehr traurig, fast verzweifelt, konnte sich kaum verständigen. Heute kann man sich mit ihm unterhalten, er lacht, spielt mit den Kindern und geht offen auf andere Menschen zu – ich bin begeistert.“

 Die Laube haben sich die Asylsuchenden mithilfe von Nachbarn und anderen Lütjenburgern hergerichtet. Bei Regen bietet sie jetzt wieder Unterschlupf. Das nachbarschaftliche Verhältnis bezeichnet Klaus Wellendorf, zweiter Vorsitzender des Kleingärtnervereins, als gut. Es gebe Unterstützung von Vereinsmitgliedern, auch ein Grill sei schon gespendet worden. „Toll wäre es, wenn jemand noch einen Geräteschuppen zu verschenken hätte, denn jetzt stehen Gartengeräte, Rasenmäher und Benzinkanister für Kinderhände ungesichert mit in der Laube“, meint Christel Seick.

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