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Der alte Mann vom Meer

Lütjenburger Original Der alte Mann vom Meer

Eigentlich wollte Rolf-Dieter Peters Kfz-Mechaniker werden. Mit eigener Tankstelle und Werkstatt an der Fehmarnsund-Brücke. Alles schon geregelt. Doch es kam anders. Sein Vater wurde schwer krank und er musste das Geschäft übernehmen. Seit 55 Jahren vermietet Peters nun Strandkörbe.

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111 Strandkörbe stehen im Strandabschnitt von Rolf-Dieter Peters. In Spitzenzeiten waren es einmal 250.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Hohwacht. Seine Mutter gab ihm die drei wichtigsten Ratschläge für einen Strandkorbvermieter auf den Weg. „Freundlich sein, freundlich sein, freundlich sein“, sagt Peters mit seiner dunklen, rauchigen Stimme. Das beherzigt er in seiner blauen Bude mit Eis- und Getränkeverkauf. Als ein Ehepaar aus Schwaben ihn fragt, wie das Wetter wird, muss Peters nicht lange nachdenken. „Vor und nach dem Regen ist es trocken und abends ist mit wachsender Dunkelheit zu rechnen.“ Die Badegäste lachen und bedanken sich. Der Hohwachter Wetterbericht von Peters – sicher schon tausendmal erzählt – kommt immer gut an.

Ein junges dänisches Paar fragt nach einem Strandkorb. Sie haben schon öfter in Hohwacht vorbeigeschaut. Eigentlich müssten sie 5,50 Euro für den Nachmittag bezahlen. Peters begnügt sich mit fünf Euro. „Ach, die Sonne strahlt“, sagt er über seinen spontanen Rabatt. Auch die junge Dänin fängt nun an zu strahlen.

111 Strandkörbe stehen im Strandabschnitt des 73-Jährigen. Zentral gelegen am großen Parkplatz. In Spitzenzeiten waren es einmal 250. Doch wegen seines Alters will er nicht mehr so viele haben. Er ist glücklich über seinen Arbeitsplatz. Von 9 bis 20 Uhr in der Hauptsaison täglich am Ostseestrand. „Wenn die Sonne scheint auch bis 22 Uhr.“ Und immer die gute Seeluft.

Auf seiner Bude ist ein Spruch angebracht: Der alte Mann vom Meer. Diesen Titel verdankt er einem kleinen Mädchen, das mit seinen Eltern Urlaub machte. Als sie ihn auf der Straße sah, grüßte sie den „alten Mann“. Auf die Frage ihrer Mutter, woher sie ihn den kenne, sagte die Kleine: „Na, vom Meer“. Schon war der Spitzname für Peters geboren.

Die Strandkörbe sind für ihn nicht nur der Lebensunterhalt, in der Nacht vom 27. auf den 28. August 1989 waren sie fast sein Tod. Ein Orkan peitschte die Ostsee hinaus bis an die Dünen am Hohwachter Ufer. Strandkorb um Strandkorb verschwand in der See. Peters und die Feuerwehr versuchten zu retten, was zu retten ist. Als er einen Strandkorb auf seinen Schultern davon trug, erwischte ihn eine heftige Welle und warf ihn um. Peters lag nun unter dem Strandkorb in der Brandung und konnte sich nicht aus eigener Kraft befreien. Zwei Feuerwehrleute befreiten ihn aus seiner misslichen Situation. Nach der Sturmnacht blieben Peters nur 43 von 250 Strandkörben. Der Rest zerstört oder abgesoffen. Eine Versicherung für solche Fälle gibt es bis heute nicht. „Das ist Geschäftsrisiko.“

Überhaupt. Reich wird man als Strandkorbvermieter nicht. Um über die Runden zu kommen, arbeitete Peters außerhalb der Feriensaison früher auf dem Bau in ganz Deutschland. Und auch heute hat er Tage, an denen er ganz allein am Strand sitzt und kein Gast kommt. Dann löst er Sudoku und zieht genüsslich an einer Zigarette. „Manchmal sitze ich hier für 50 Cent am Tag.“ Gegen Regen und Kälte helfen auch nicht die Freundlichkeit und ein witziger Wetterbericht.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
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