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Zum Abschied Wiener Würstchen

Lütjenburger Original Zum Abschied Wiener Würstchen

Sie diente unter vier Rektoren. Und erlebte (und überlebte) noch viel mehr Schulreformen. Ursula Plotzki, Sekretärin am Lütjenburger Gymnasium, geht nach rekordverdächtigen 43 Jahren an der Schule in den Ruhestand. „Ich habe fertig“, sagte sie am Ende ihrer Rede vor dem Lehrerkollegium.

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Ein Schokoladenherz und vier Wiener Würstchen: Die Rektorin des Lütjenburger Gymnasiums, Wolfgard Bock (links) überreichte Ulla Plotzki viele Dinge, die symbolisch für eine Eigenschaft der angehenden Rentnerin stehen.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Als 21-jährige kam die gelernte Bürokauffrau im Mai 1973 ans Gymnasium, das selbst erst acht Jahre alt war. Seitdem zogen ungefähr 4300 Schüler an ihr vorbei. Sie kamen als kleine Sextaner weinend zu ihr ins Büro, um getröstet zu werden oder sich ein Pflaster abzuholen, und verabschiedeten sich später gelassen mit dem Abitur in der Tasche von der beliebten Anlaufstelle im Schulsekretariat. Eine Episode ist ihr besonders in Erinnerung geblieben. Ein kleiner Junge kam einmal zu ihr gerast, weil er Angst vor einer Klassenarbeit hatte. Sie gab ihm den Tipp mit auf den Weg in die Klasse, doch einmal tief durchzuatmen. Nach der Stunde kam er wieder und jubelte: „Frau Plotzki, es hat geklappt.“

Plotzki: „Es war eine schöne Zeit. Wer kann das schon sagen?“ Sie werde die netten Gespräche mit den Lehrern und Schülern nicht vergessen. Die besondere Luft im Lütjenburger Schulzentrum werde sie ebenfalls vermissen. Nun habe sie die Zeit, mit ihrem Mann auch außerhalb der Ferienzeiten zu reisen und müsse nicht mehr die Urlaubstage zählen.

Mit kleinen symbolischen Geschenken umriss Schulleiterin Wolfgard Bock bei der Verabschiedung humorvoll die Persönlichkeit Plotzkis. Als sie dabei auch vier Wiener Würstchen überreichte, stutzte zunächst das Publikum. Doch Wochen vor der Verabschiedung hatte Plotzki zu ihrer Chefin gesagt, sie sei doch nur ein „kleines Würstchen“ und das mit der Abschiedsfeier sei doch zu viel. An diese bescheidene Geste wollte Bock mit der Fleischgruß aus Wien erinnern. Ein Bergkristall gab es, weil sie immer der „Fels in der Brandung“ war, wenn es rund um das Sekretariat hoch her ging. Eine Serviette stand dafür, dass Plotzki die Tische immer so wunderbar und fantasievoll gedeckt hat. Ein Schoko-Herz symbolisierte, „dass sie immer alles von Herzen“ gemacht hat. Ein Stempel erinnerte daran, dass die Schulsekretärin besonders gern und aufwendig die Weihnachtspost mit Figuren gestempelt hat. Mit einem Stück Kuchen revanchierte sich die Schulleiterin dafür, dass sie in ihrer Zeit so fürsorglich von ihrer Sekretärin umsorgt wurde. Bock: „Wir werden sie vermissen.“

Hinrich Hering von der Gemeinschaftsschule im Schulzentrum steuerte eine besondere Erinnerung an Plotzki bei, die sehr viel wert auf ihre Kleidung legt. „Wir hatten hier jeden Tag eine Modenschau. Und im Frühling mit Hut.“ Beeindruckt habe ihn auch ihr Umgang mit Kindern. Einmal stand ein Junge vor ihr und stammelte, dass es ihm nicht gut gehe. Das könne sie verstehe. Er sehe ja ganz blass aus, habe Plotzki darauf gesagt. Nun aber soll er die Hände aus den Taschen nehmen, sich grade machen und auf dem Schulhof frische Luft schnappen. Das helfe.

Marianne Schreier vom Schulamt des Kreises arbeitete fast 40 Jahr mit Plotzki zusammen. Sie lobte, das ihr Beruf auch ihre Passion war. „Sie haben das richtig gelebt.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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