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In Krisen reichte es nur für Holzlöffel

Lütjenburger Schützen-Totengilde In Krisen reichte es nur für Holzlöffel

Wenn die erste Majestät Peter Pappenheim nächste Woche forsch zum Gildefest schreitet, dann klimpert er. Die Teile seiner Königskette schlagen aneinander. Sie gehört zum Silberschatz der Lütjenburger Schützen-Totengilde von 1719, der im Rathaus ruht. Jedes Stück erzählt eine Geschichte.

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Ein silberner Vogel schmückte einst die Königskette. Dieter Frank hält den ältesten Besitz der Schützen-Totengilde in der Hand, der bereits bei der Erneuerung der Gilde 1719 dabei war.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Gildebruder Dieter Frank möchte nicht von einem Schatz sprechen. Nein, die Gilden in Preetz oder Plön hätten mit dem Klosterpröbsten oder den Herzögen großzügige Sponsoren gehabt. Lütjenburg unter dänischer Herrschaft war in der Vergangenheit kein Gönner zugetan, der die Gilde mit Silber ausstattete. Aber die Lütjenburger Gildebrüder wissen ihre Sammlung zu schätzen. Das älteste Stück ist ein Vogel, der ursprünglich an der Königskette hing. Das genaue Alter ist unbekannt. Frank weiß nur, dass es schon im Jahr 1719 im Gildebesitz war.

Bild: Das sind die Aushängeschilder der Lütjenburger Schützen-Totengilde (von links): Die erste Majestät Peter Pappenheim mit der Königskette aus den 60er-Jahrern, Gildeoberst Dirk Timmermann mit Plakette von 1967 und die zweite Majestät Ralf Schmudlach mit der "Bullenkette" von 1965.

Das sind die Aushängeschilder der Lütjenburger Schützen-Totengilde (von links): Die erste Majestät Peter Pappenheim mit der Königskette aus den 60er-Jahrern, Gildeoberst Dirk Timmermann mit Plakette von 1967 und die zweite Majestät Ralf Schmudlach mit der "Bullenkette" von 1965.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Jede Majestät ließ von Anbeginn der Gilde eine silberne Plakette mit seinem Namenszug herstellen. In den Schauvitrinen fehlen allerdings Jahrgänge. Das hat mehrere Gründe. 1791 stürmte es beim Vogelschießen so sehr, dass die Vogelstange abbrach. Eine neue musste her. Schweren Herzen verkaufte die Gilde die Plaketten ihrer Ex-Majestäten an einen Goldschmied, der sie großen Teils einschmelzen ließ. Zudem fiel in Kriegszeiten oder während der Weltwirtschaftskrise das Lütjenburger Schützenfest aus, also gab es keine neue Majestät. Die Ehrenschilde haben eine Besonderheit. Auf der Rückseite darf die jeweilige Majestät das Ereignis eingravieren lassen, das für ihn in dem Jahr das wichtigste war. Das kann die Geburt seines Kindes oder der Ausbruch eines Kriegs sein. Bis Mitte der 60er-Jahre war es für jede Majestät üblich, alle Plaketten um den Hals zu tragen. Zuletzt waren es so viele, das kaum jemand noch den ausufernden Schmuck mehr tragen konnte. Frank: „Ein fürchterliches Geschleppe.“ Es gab eine neue Königskette, die heute noch in Gebrauch und verehrt ist.

Der Begriff „Löffel abgeben“ hat in der Lütjenburger Gilde eine besondere Bedeutung. Für jedes Teil, dass die Schützen vom Vogel abschießen, gibt es einen Löffel zur Belohnung. Für den Rumpf ist das eine erlesene Suppenkelle. Einige der guten Stücke sind von Angehörigen der Gilde vermacht worden und bringen einen Hauch von Küche in den Silberschatz. Gleich daneben findet sich ein schlichter Holzlöffel aus dem Jahr 1922. Wirtschaftskrise in Deutschland. In schlechten Zeiten habe sich die Gilde einfach kein Silber leisten können, so Frank.

Neben der Königskette ist das Zeichen, das Gildeoberst Dirk Timmermann trägt, das am meisten verehrte Stück. 1967 spendierte der damalige Ministerpräsident Helmut Lemke allen Älterleuten im Land die Plakette mit der Aufschrift „Op ewig ungedeelt“. Die zweite Majestät darf sich mit einer Kette schmücken, die einen Spitznamen trägt. Schlachtermeister Friedrich Horstmann stiftete sie 1965. Und weil Humor in der Gilde nicht zu kurz kommt, taufte man sie daher „Bullenkette“.

Das Festprogramm der Lütjenburger Gilde

Die Lütjenburger Schützen-Totengilde feiert am Montag und Dienstag, 16. und 17. Mai, ihr Schützenfest. Am Montag erklingt ab 15.30 Uhr auf dem Markt ein Platzkonzert. Anschließend geht es zum Aufrichten des Vogels in die Tannenschlucht. Der Dienstag beginnt für die Gildebrüder bereits um 5.45 Uhr mit Trommelschlag und drei Böllerschüssen auf dem Vogelsberg. Einem Platzkonzert um 7.30 Uhr auf dem Markt folgt um 8 Uhr das Antreten vor dem Gildebrunnen und das Abholen des Bürgermeisters aus dem Rathaus. Um 9 Uhr beginnt der Umzug durch die Stadt. Das Schießen um die Königswürde startet um 15 Uhr. Gegen 19 Uhr steht fest, wer die neue Majestät in Lütjenburg ist.

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Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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