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Auch Luthers Angst gezeigt

Luther-Code-Premiere in Wittmoldt Auch Luthers Angst gezeigt

Der Schauspieler Daniel Arthur Fischer legte ein überraschendes Geständnis ab. In der Schule fand er den Unterricht über Martin Luther „super-langweilig“. Nun verkörpert er selbst den Reformator in der Dokumentationsreihe Der Luther-Code. Das Publikum feierte die Reihe bei der Premiere auf Gut Wittmoldt.

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Schauspieler Daniel Arthur Fischer (links) und Filmemacher Wilfried Hauke erhielten auf Gut Wittmoldt viel Beifall für den Film-Serie „Der Luther-Code“.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Wittmoldt. Der Luther-Code ist keine Nacherzählung der Lebensgeschichte Luthers. Die Filmemacher Wilfried Hauke und Alexandra Hardorf zeigen nur in wenigen, aber prägnanten Szenen, was um das Jahr 1517 geschah, als die 95 Thesen Luthers die katholische Kirche ins Wanken brachte. In ihrer sechsteiligen Serie lassen sie vor allem Menschen von heute zu Wort kommen, die sich Gedanken über das Leben und die Probleme der Welt machen machen. Auf diesem Umwege kommen sie der Welt Luthers, seinen Ideen und seinem Charakter näher.

 Landesbischof Gerd Ulrich war voll des Lobes über das opulente Filmwerk. „Herzlich Glückwunsch. Sehr schön gemacht“, sagte er vor den 110 Gästen im historischen Gutsgebäude. Der Film zeige wunderbar auf, dass die heutige Welt nicht viel weiter gekommen sei als zu Luthers Zeiten. Damals fürchteten die Menschen den Teufel und das Fegefeuer, die für sie real waren. Luther selbst sei ein angstgetriebener Mensch gewesen, ein Grobian, der sich vor eigenen sündhaften Gedanken und zunächst vor einem strafenden Gott fürchtete. Heute hätten Menschen Angst vor Flüchtlingen, vor Fremden, Religionen würden missbraucht. Wenig Unterschied zum Leben vor 500 Jahren.

 Eine Szene gefiel dem Landesbischof besonders. Der Sage nach warf Luther auf der Wartburg mit einem Tintenfass nach einem Teufel, den er gesehen haben will. Im Luther-Code lassen die Filmemacher den Junker Jörg, wie Luther auf der Flucht hieß, die Tinte über eine Glasscheibe schmieren, hinter der eine Überwachungskamera steckt. Früher die allgegenwärtigen Teufel, heute das allgegenwärtige Netz mit seinen Augen. Die Angst Luthers 500 Jahre später anders übersetzt.

 Drei Jahre arbeitete Wilfried Hauke mit seiner Mitautorin Alexandra Hardorf an der Verfilmung. Das Schwierigste daran: Das Lutherbild, dass sich über Jahrhunderte gebildet hatte und ihn als einen strahlenden Held zeigt, hinter sich zu lassen. „Wir mussten das Bild von Luther zunächst dekonstruieren.“ Angefangen bei dem Bild, dass den Reformator in Wittenberg zeigt, wie er den Hammer schwingend eigenhändig die Thesen an das Tor der Schlosskirche nagelt bis hin zu den „Propaganda-Gemälden“ aus der Feder von Lucas Caranach, der Luther nahezu einen Heldenstatus verlieh. „Das war ein spannendes Projekt.“ Auch Daniel Arthur Fischer sah sich mit der Frage konfrontiert, wie er den Martin Luther spielen will. Er, der in einer katholischen Familie groß geworden ist. Er wisse, dass er als Schauspieler nicht jeden zufrieden stellen könne, wie er die Rolle angelegt habe. Einiges habe er sich bei anderen Schauspielern abgeguckt, die bereits schon Luther verkörperten. Das, was ihm gefiel, habe er übernommen. Aber er sei frech genug gewesen, sich nicht zu ehrfürchtig an anderen zu orientieren, denn: „Luther war auch frech.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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