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St. George's Chapel droht der Abriss

Marineunteroffizierschule St. George's Chapel droht der Abriss

Erst aus der Vogelperspektive wird deutlich, welch architektonisches Kleinod sich auf dem Gelände der Marineunteroffizierschule (MUS) befindet – die ehemalige Kapelle. Wie lange der Kreuzbau dort noch steht, ist jedoch fraglich: Ein Abriss ist nicht ausgeschlossen.

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Pfarrhelfer Frank Fischer und Militärseelsorger Gerrit Degenhardt setzen sich für den Erhalt der ehemaligen Kirche ein, in der immer noch die Standortgottesdienste gefeiert werden.

Quelle: Peter Thoms

Plön. Die kurz nach dem Krieg von den Briten gebaute St. George's Chapel wurde im Laufe der Jahrzehnte stiefmütterlich behandelt: Als die Engländer aus Plön abzogen, wurde der damals 300 Personen fassende Bau für 80000 Mark an die Bundeswehr verkauft. Die vernachlässigte ihn jedoch so sehr, dass er Mitte der 70er-Jahre abgerissen werden sollte. Der Widerstand der Kirchengemeinde Plön und der Militärseelsorge wirkte, die Kirchengemeinde Plön übernahm 1977 die Trägerschaft – und die dringend notwendige Renovierung. An den erforderlichen 500000 Mark beteiligten sich der Bund (60000 Mark) , die Evangelische Kirche Deutschland (250000 Mark) und das katholische Militärbischofsamt (100000 Mark), sodass die Plöner nur 90000 Mark aufbringen mussten, um 1978 ein renoviertes „ökumenisches Seelsorgezentrum“ einweihen zu können.

Das ging gut bis zum Jahr 2001. Dann trennte sich die Kirchengemeinde aus Kostengründen von ihrer „Filiale“ in der Kaserne. Sie wurde 2010 schließlich entwidmet, und dient seitdem als „provisorische Aula“, in der jedoch auch weiterhin Gottesdienste gefeiert werden. Aus Feuerschutzgründen dürfen sich jedoch nur noch 199 Personen gleichzeitig in der ehemaligen Kirche aufhalten. Und da kommen die praktischen Erwägungen ins Spiel, die die Abrisspläne befeuern: Ralf Zielinski ist für die Organisation in der MUS verantwortlich und weiß: „Wir brauchen eine Aula, in der 400 Personen Platz finden – ein Neubau ist bereits genehmigt.“

Die Bedarfsforderung nach einer neuen Aula nimmt keine Rücksicht auf Emotionen, die vor allem die Militärseelsorger zeigen. Pastoralreferent Michael Veldboer: „Wir feiern dort sehr gerne Gottesdienst. Es wäre schade, wenn ich dort in einigen Jahren nicht meinen Abschied feiern kann. Wenn die Abrissbagger anrollen, werde ich mir das nicht ansehen.“ Es gehe ein Unikat verloren, so einen Bau gebe es in den 95 evangelischen und 75 katholischen Standorten in Deutschland kein zweites Mal, fügt der katholische Militärseelsorger hinzu.

Dem protestantischen Kollegen von Veldboer, Gerrit Degenhardt, ist die Kapelle in seinen sechs Dienstjahren in Plön ebenfalls sehr ans Herz gewachsen: „Hier haben wir bei den allmonatlichen Standortgottesdiensten sofort eine kirchliche Atmosphäre“, fügt er ganz pragmatisch hinzu. „Und die Soldaten müssen nicht gefahren werden.“ Auch er, sowie sein Pfarrhelfer Frank Fischer betonen, dass ein Bau in dieser Form eine „in Deutschland einmalige Notkirche“ sei.

Eine Einschätzung, der sich auch Militärbischof Sigurd Rink anschließt, der den Wunsch nach einem Erhalt der Kirche unterstützt: „Einen solchen Kirchennotbau sieht man nur noch ganz selten“, sagte er vor wenigen Tagen bei einem Besuch in Plön.

Bis das letzte Stündchen für das Gotteshaus geschlagen hat, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen: Zielinski rechnet mit einem Neubau nicht vor Anfang 2018. Bis 2019 ist die Nutzung der Nissenhüttenkirche als provisorische Aula genehmigt, es ist also noch ein bisschen Luft für die Planung eines Neubaus – oder doch noch für eine grundlegende Sanierung?

Die Denkmalpflege hat nämlich auch noch ein gewichtiges Wort mitzureden: Landeskonservator Michael Paarmann sieht nach einem Ortstermin zwar keine Chance, die gesamte MUS als ein „Kulturdenkmal von besonderem Wert“ zu bewerten, aber einzelne Teile – darunter die ehemalige St. George's Chapel, die er als „ein Gebäude mit besonderem geschichtlichen Wert“ eingestuft hat. Auch Paarmann sieht die Schwierigkeiten für eine wirtschaftliche Sanierung des asbesthaltigen Baus, und weiß, dass es einen „Erhalt um jeden Preis“ nicht geben kann. Bei einem Denkmalpfleger schwingen aber deutlich mehr Emotionen mit, als bei Verantwortlichen der Bundeswehr: „Ich spüre, ob ein Gebäude Geschichten erzählen kann!“ Paarmann nennt das „die Botschaftsfähigkeit eines Denkmals“. Und da scheint das ehemalige Gotteshaus beredt genug, dass Paarmann dafür kämpft: Grundsätzlich sei es möglich, einen Neubau anzugliedern und mit einem Erhalt der Kapelle zu kombinieren. Das sei im Denkmalschutz inzwischen Tagesgeschäft, um unterschiedliche Interessen in Einklang zu bringen, weiß er aus langer Erfahrung, bleibt aber skeptisch: „Eine Rettung der Kirche ist nur mit viel Überzeugungsarbeit und noch mehr Bereitschaft aller Beteiligten möglich.“

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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