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War die Messerattacke Notwehr?

Lütjenburg War die Messerattacke Notwehr?

Ein albanischer Asylbewerber starb im Februar an Messerstichen in einer Wohnung in Lütjenburg. Sein 29-jähriger Landsmann räumte am Mittwoch vor dem Landgericht Kiel die tödliche Attacke ein. Er sei aber zuvor massiv von seinem Freund mit Faustschlägen traktiert worden.

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Im Haus Auberg 10 in Lütjenburg starb ein Albaner nach einer Messerattacke seines Freundes.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg/Kiel. Der Angeklagte ließ seinen Verteidiger eine ausführliche Schilderung seines Lebens und der Tatnacht verlesen. Der Mann verfolgte die Verhandlung zumeist in sich gesunken und still. Nur als der Richter die Tatwaffe, ein Küchenmesser mit einer 17 Zentimeter langen Klinge, hochhob, zeigte er heftige Emotionen, drehte sich weg und kniff die Augen zu. Nichts in seinem Lebenslauf deutete darauf hin, dass er einmal gewalttätig werden könnte. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Schweißer, eine weitere als Lkw-Mechaniker. Sein Geld verdiente er jahrelang in einer Kfz-Werkstatt. Nebenbei holte er sein Abitur an einem Abendgymnasium nach. Ein anschließendes Studium blieb ihm verwehrt, weil seine Familie dafür kein Geld hatte. Im August 2015 nutzte er die Flüchtlingswelle, um über Italien nach Deutschland zu kommen. Er habe hier Geld für seinen Vater, seine Mutter und die zwei Schwestern verdienen wollen.

 Sein Asylverfahren spülte ihn nach Lütjenburg in einen Mietsblock im Auberg. Dort trafen sich am Abend des 10. Februar der Angeklagte, sein 34 Jahre altes Opfer, das er ausdrücklich als „Freund“ bezeichnete, und ein weiterer 24-jähriger Albaner. Sie tranken sehr viel Rotwein und Bier, aßen zusammen, hörten Musik, schauten Fernsehen. „Eigentlich alles wie immer und friedlich“, sagte der unbeteiligte Dritte vor Gericht aus. Gegen 3 Uhr morgens kam es überraschend zum Streit. Der Angeklagte berichtete, dass sein Kontrahent schwermütig gewirkt und dummes Zeug geredet habe. Der habe einen Dealer in Lütjenburg überfallen wollen, um an dessen Geld heranzukommen. Geld, das ihm fehlte, weil er seine Sozialhilfe nach wenigen Tagen schon in einer Lütjenburger Spielhalle verloren hatte. Nachdem der Angeklagte in dieser Situation sein Gegenüber mit dem Schimpfwort „Schwanz“ belegte, revanchierte der sich mit einem mächtigen Fausthieb. Der Geschlagene floh in die Küche und griff sich aus Angst ein Messer.

 Der dritte Mann in der Wohnung versuchte verzweifelt alles, um die Gemüter zu beruhigen. Er umklammerte seinen Kumpel, der das Messer trug, und redete auf ihn ein. In diesem Augenblick schlug das spätere Opfer seinen Kontrahenten zweimal so stark mit der Faust, dass der einen Nasenbeinbruch erlitt und bewusstlos zu Boden ging. Der verhinderte Friedensstifter wollte den anderen nun aus der Wohnung schicken. Das scheiterte jedoch daran, dass die Haustür abgeschlossen war. Als endlich der Schlüssel zur Hand war, kam es zu den tödlichen Stichen. 13 Mal stach der Angeklagte zu und zerfetzte dabei Schlagadern in der Brust und die Halsvene des Opfers. Er will selbst dann noch Schläge des anderen abbekommen haben. Der Verwundete verblutete, bevor die Sanitäter eintrafen. Der dritte Mann floh angesichts der Masse Blut aus der Wohnung und kehrte erst zurück, als die Polizei vor Ort war.

 Am Ende des ersten Prozesstages beantragte der Verteidiger, den Haftbefehl gegen seinen Mandanten außer Kraft zu setzen. Vom Getöteten seien schwere Schläge während des Geschehens ausgegangen. Der 29-Jährige habe in Notwehr zum Messer gegriffen. „Mein Mandant durfte sich zur Wehr setzen. Und er hat sich zur Wehr gesetzt.“ Das Gericht entscheidet bis zur Fortsetzung des Prozesses am Montag über den Antrag.

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Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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Tödliche Messerstiche in Lütjenburg
Foto: Im Haus Auberg 10 in Lütjenburg starb ein Albaner nach mehreren Messerstichen. Vor dem Landgericht Kiel ist nun eine mehrjährige Haftstrafe gefordert worden.

Dem 29-Jährigen, der im Februar einen Mann in Lütjenburg erstochen hat, droht eine lange Haftstrafe. Der Staatsanwalt forderte am zweiten Prozesstag, ihn zu fünf Jahren Gefängnis zu verurteilen. Die Rechtsanwältin der Schwester des Opfers plädierte sogar auf sieben Jahre.

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