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Mit Orla gegen die Sprachlosigkeit

Deutsch-dänische Verständigung Mit Orla gegen die Sprachlosigkeit

Wie lässt sich Kindern in der Fehmarnbelt-Region auf deutscher und dänischer Seite frühzeitig die Nachbarsprache vermitteln? Diese Frage stellten sich 22 junge Erwachsene der Fachschulen für Sozialpädagogik in Preetz und Lensahn. In einem Wahlpflichtkursus über drei Jahre im Rahmen des Interreg IV-A-Projekts Kult.Kom (Kultur und Kommunikation) entwickelten sie einen Koffer mit Materialien, die spielerisch beide Sprachen vermitteln.

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Die angehenden Erzieher Sven Meyer (links), Gyde Otzen und Jan Gültzow, hier mit Lehrerin Denise Jonas (Zweite von links), entwickelten Materialien zum spielerischen Erlernen der deutschen und dänischen Sprache. Der rote Koffer enthält Spiele für drinnen und draußen, Rätsel und Lieder, ein Bilderbuch, in dem ein Teddy durch die Zimmer eines Hauses führt, Fingerspiele und ein Körperbuch zum Ertasten selbstgenähter Materialien sowie die Wikinger-Puppe Orla.

Quelle: Orly Röhlk

Preetz/Eutin. Der Koffer hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Spiele für drinnen und draußen, Rätsel und Lieder, ein Bilderbuch, in dem ein Teddy durch die Zimmer eines Hauses führt, Fingerspiele und ein Körperbuch zum Ertasten selbstgenähter Materialien. All das erprobten die angehenden Erzieher in deutschen und dänischen Kindergärten und Vorschulen. Fritz Reuter und Natalie Ard von der Beruflichen Schule des Kreises Ostholstein in Eutin sowie die Lehrerinnen Denise Jonas und Nicola Borck vom Berufsbildungszentrum Plön und Birga Wendland (Lensahn) betreuten das Vorhaben.

 Hauptperson in dem roten Koffer ist eine Puppe mit dem geschlechterneutralen Namen Orla. Alle Inhalte wurden von den angehenden Erziehern selbst gebastelt und gestaltet. „Das Projekt war sehr zielführend für unsere Ausbildung, wir konnten uns austesten und haben erfahren, wie wir mit zweisprachig aufwachsenden Kindern umgehen können“, zog Gyde Otzen Bilanz. Die 25-jährige Erzieherin stammt aus Fargau-Pratjau und hat sich vorgenommen, richtig Dänisch zu lernen, weil es in Schleswig-Holstein mehrere deutsch-dänische Kindergärten gibt, in denen man die Sprache anwenden kann.

 Vergangene Woche war die Gruppe in Dänemark, um den Koffer vorzustellen. Dort verständigte man sich mit den fünfjährigen Vorschülern auf Englisch. Wo dies nicht möglich war, habe die Kommunikation dennoch mit Händen und Füßen gut geklappt, erklärte Sven Meyer (31). Mitschülerin Jasmina Holst, die gut Dänisch spricht, habe geholfen, berichtete der Eutiner. Freiheiten und die Möglichkeit, selbstständig zu planen, trieben nach seinen Worten das Vorhaben voran.

 „Als wir das Material erarbeitet haben, war es leicht, zu einer Gruppe zusammenzuwachsen“, findet auch Jan Gültzow (26) aus Lütjenburg. Jeder habe sich mit seinen Fähigkeiten einbringen können. Er und Gyde Otzen entwickelten das Teddy-Bilderbuch, in dem unter aufklappbaren Feldern Vokabeln für Gegenstände des Alltags stehen. Beide haben zuvor eine Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten durchlaufen. Sven Meyer hingegen ist gelernter Gas-Wasser-Installateur und war lange bei der Bundeswehr. Alle Mitstreiter sind jetzt mit der Schule fertig und staatlich anerkannte Erzieher.

 Ein kleiner Wermutstropfen bleibt ihnen: „Die deutsche Erzieherausbildung ist in Dänemark leider nicht anerkannt, dort wäre nur eine Anstellung als sozialpädagogischer Assistent möglich, weil es in Dänemark eine Fachhochschulausbildung ist“, erklärt Denise Jonas.

 Als neues Vorhaben möchte die Berufliche Schule Eutin mit dem ZBC Vordingborg mit Förderung des Nachfolgeprogramms Interreg 5a eine grenzüberschreitende Schülerfirma etablieren und Praktika ermöglichen. Die Genehmigung des Antrags steht nach Angaben von Natalie Ard noch aus. Denise Jonas wünscht sich eine Fortsetzung des Orla-Projekts in einer neuen Klasse, um als Multiplikatoren zu wirken und den bilingualen Koffer bekannter zu machen.

 Bisher gibt es sieben Koffer auf deutscher und dänischer Seite, die in Einrichtungen verblieben, unter anderem bei der Preetzer Elterninitiative „Die Wühlmäuse“, im Kindergarten „Die Wurzelkinder“ (Krummbek) und im DRK-Kindergarten Selent.

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