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Naturschutz bleibt sein Thema

NABU-Umweltberater Naturschutz bleibt sein Thema

Jedes Kind in Lütjenburg kennt Konrad Olexik. Der Umweltberater wird immer wieder von Passanten angesprochen, denen er einmal die Natur erklärt hat. Nach fast 25 Jahren in der Beratungsstelle des Naturschutzbundes (Nabu) in Lütjenburg geht Olexik nun in den Ruhestand.

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Konrad Olexik im Einsatz: Mit ein paar Streicheleinheiten verabschiedete er im Frühjahr 2015 einem Waldkauz, der verletzt aufgefunden und wieder gesund gepflegt wurde.

Quelle: Dirk Schneider (Archiv)

Lütjenburg. Konrad Olexik kennt nicht die Zahl der Kinder, denen er beigebracht hat, dass Wölfe keine Menschen fressen, Hornissen eigentlich ganz friedlich sind und Müllvermeiden eine leichte Sache ist. Es sind einfach zu viele.

Zwei Umzüge hat er mit seinem Büro in der Stadt mitgemacht, das heute im historischen Backhaus in der Oberstraße untergebracht ist. Er betreute in seiner Zeit 24 junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Lütjenburg absolvierten. Ungezählte aus dem Nest gefallene Mauersegler und Schwalben verdanken ihm sein Leben, weil er sie fütterte und großzog. In den Kreis der Geretteten gehören weiterhin Uhus, Waldkäuze, Gänse oder Enten, die von aufmerksamen Naturfreunden aufgelesen und bei Olexik abgegeben wurden.

Hornissennest mitten in der Wohnung

Erlebt hat er viel. Einmal wurde Olexik zu einem alten Ehepaar gerufen. In einem Zimmer der Wohnung hatten Hornissen ein großes Nest gebaut. Die Senioren störten sich nicht daran, weil sie genügend Platz in den anderen Räumen hatten. Doch der Vermieter bestand auf einer Entfernung des Nests. Der Wespenexperte Olexik entfernte das kunstvolle Gebilde samt der Brummer und setzte es in der Natur wieder aus.

Vor Jahren fand er einen Bussard, der seinen rechten Flügel gebrochen hatte. Er brachte den schwer verletzten Vogel zum Wildtierheim nach Preetz. Anhand der Nummer auf dem Ring am Fuß stellten die Mitarbeiter der Einrichtung etwas Erstaunliches fest: Der Bussard war schon zwei Jahre zuvor im Wildtierheim in Behandlung. Damals hatte er sich allerdings den linken Flügel gebrochen.

Er erfuhr von der finanziellen Bedrohung aus der Zeitung

Auch nach 25 Jahren Aufklärungsarbeit kommt Olexik zu dem Schluss: Die Menschen wissen einfach zu wenig über Biologie. Ein einschneidendes Erlebnis für ihn war eine Fortbildung mit Lehrern. Sie berichteten ihm, wie viele Schüler in regelrechte Panik verfielen, wenn durch ein offenes Fenster irgendein Insekt ins Klassenzimmer flog. Und nun wollten sie von Olexik alles über Hornissen, Wespen und Bienen wissen, um beruhigend auf die Kinder einwirken zu können. Ein Tag in seinem Berufsleben ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. 2004 holte seine Tochter die Zeitung herein und entdeckte einen Artikel, in dem es um die Streichung der Kreismittel bei den Beratungsstellen ging. Die Schließung der Einrichtungen drohte. „Das ist ein ganz komisches Gefühl, wenn man das erst aus der Zeitung erfährt.“ Doch die Beratungsstellen kämpften und existieren heute noch, auch wenn Olexik seitdem deutlich weniger Geld am Ende des Monats auf seinem Konto hat.

Der gebürtige Rheinländer studierte Landschaftsplanung in Berlin. In der damals noch geteilten Stadt arbeitete er zwölf Jahre als Technischer Referent beim Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz. Auf die freie Stelle beim Nabu in Lütjenburg wurde er durch den Chef des Plöner Arbeitsamtes aufmerksam. Der war nämlich ein Naturfreund und riet Olexik 1991, sich dort zu melden. Er bewarb sich und wurde genommen, auch wenn er dem Nabu erst ein Jahr später beitrat.

Der 67-Jährige wird seine Nachfolgerin Julia Steigleder aus Kiel bis März noch stundenweise einarbeiten. „Dann lasse ich für drei Wochen die Beine baumeln.“ Im Ruhestand hat er dennoch genug zu tun. Er wird weiterhin das Naturschutzgebiet am Großen Binnensee betreuen, sich um seine Schafe, Gänse und Bienenvölker kümmern.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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