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Nach Amokfahrt: Bauer muss in Psychiatrie

Ascheberg Nach Amokfahrt: Bauer muss in Psychiatrie

Der Landwirt, der am Mittwoch bei einer Amokfahrt zehn Autos – darunter fünf Einsatzfahrzeuge der Polizei – mit seinem Traktor gerammt hat, wurde aus einem allgemeinen Krankenhaus in eine geschlossene Fachklinik eingeliefert.

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Erst nach 20 Minuten konnte die Amokfahrt des Landwirts in Ascheberg gestoppt werden.

Quelle: Dirk Schneider

Ascheberg. „Die Einweisung durch den Kreis Plön erfolgte auf Basis des Psych-KG (Gesetz zur Hilfe und Unterbringung psychisch kranker Menschen. Anmerkung der Redaktion)“, erklärte der stellvertretende Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel, Michael Bimler, auf KN-Nachfrage. Die Staatsanwaltschaft selbst erstelle gerade eine Liste der zu anzuklagenden  Straftaten. „Wir gehen davon aus, dass der Tatverdacht eines versuchten Tötungsdeliktes bejaht wird“, so Bimler. Hinzu kommen der Widerstand gegen Vollzugsbeamte sowie zahlreiche Verstöße gegen das Straßenverkehrsrecht, fasst der Jurist die strafrechtlichen Konsequenzen zusammen. Außerdem wurden Schadensersatzansprüche für die beschädigten Fahrzeuge im sechsstelligen Bereich festgestellt.

In einer 20-minütigen Amokfahrt in Ascheberg (Kreis Plön) hatte ein Bauer am Mittwoch mit seinem Traktor insgesamt zehn Autos beschädigt. Gestoppt wurde er durch drei Beamte, die sechs Schüsse auf die Reifen des Schleppers abgegeben haben. Bei der Festnahme erlitten ein Beamter und der Landwirt Verletzungen, dass beide ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Die beiden zerstörten Streifenwagen des Plöner Polizeireviers seien mit Blick auf die Einsatzfähigkeit am Himmelfahrtstag kurzfristig aus dem Fuhrpark der Landespolizei ersetzt worden, erläuterte deren Sprecher Jürgen Börner. Das beschädigte Zivilfahrzeug der Kriminalpolizei werde in den kommenden Tagen erneuert. Über das Gruppenfahrzeug der Bereitschaftspolizei und den Bus der Bundespolizei könne er keine Aussagen machen. Hinzu kommen die beiden beschädigten Autos der Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes, zwei Fahrzeuge einer landwirtschaftlichen Fachfirma sowie ein Privatwagen, die ersetzt beziehungsweise repariert werden müssen.

Auslöser der Amokfahrt: Die Mitarbeiter der Veterinäraufsicht des Kreises Plön und weitere Arbeiter einer Fachfirma hatten im Rahmen einer Ersatzvornahme zum Schutz der Rinder vor einer Infektion mit dem Bovinen Herpesvirus Typ 1 auf dem Bauernhof unter Polizeischutz 22 Rinder des Betriebs untersucht und teilweise mit Ohrmarken registriert. Der von Nachbarn und Bekannten als sehr tierlieb beschriebene Bauer, habe die Maßnahme mit der Begründung „das tut den Tieren doch weh“ mehrfach abgelehnt. Zudem sei der Landwirt bei einem Ortstermin derart ausgerastet, dass er schon damals kurzfristig festgenommen wurde.

Da der Landwirt bereits durch gewalttätige Übergriffe bei vorangegangenen ähnlichen Einsätzen bekannt gewesen sei, habe man "mit einigen Schwierigkeiten gerechnet und die Maßnahme im Vorwege geplant und mit der Polizei abgestimmt", sagte der Sprecher des Kreises Plön, Hendrik Schwinghammer. Die Veterinäre seien von neun Polizeibeamten begleitet worden.

Auch ein privater Pkw wurde mit dem Trecker gerammt.

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Die Mitarbeiter des Kreises Plön kamen mit dem Schrecken davon, müssen die Situation aber erst einmal verarbeiten. Ein irres Detail: „Die Maßnahme war eigentlich schon abgeschlossen. Die Fahrzeuge waren wieder beladen“, erklärte ein Kreismitarbeiter. Man habe schon gedacht und gehofft, dass der Landwirt das Feld geräumt habe, um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen. „Wir wollten gerade abfahren, als der Bauer unvermittelt auftauchte und derart ausrastete.“

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Nach Amokfahrt
Foto: 20 Minuten dauerte die Amokfahrt eines Landwirts in Ascheberg.

Ein aufgeschlitzter Polizeibus, ein frontal gerammter Streifenwagen, ein umgeworfener und zerstörter Mannschaftstransporter: Ein 53-jähriger Landwirt aus Ascheberg hinterließ am Mittwoch ab 12.05 Uhr eine Spur der Verwüstung. Jetzt wurden die Hintergründe zur Amokfahrt bekannt.

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