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Darum sah der Bauer in Ascheberg rot

Nach Amokfahrt Darum sah der Bauer in Ascheberg rot

Ein aufgeschlitzter Polizeibus, ein frontal gerammter Streifenwagen, ein umgeworfener und zerstörter Mannschaftstransporter: Ein 53-jähriger Landwirt aus Ascheberg hinterließ am Mittwoch ab 12.05 Uhr eine Spur der Verwüstung. Jetzt wurden die Hintergründe zur Amokfahrt bekannt.

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20 Minuten dauerte die Amokfahrt eines Landwirts in Ascheberg.

Quelle: Dirk Schneider

Ascheberg. In einer 20-minütigen Amokfahrt in Ascheberg (Kreis Plön) hatte ein Bauer am Mittwoch mit seinem Traktor insgesamt zehn Autos beschädigt. Gestoppt wurde er durch drei Beamte, die sechs Schüsse auf die Reifen des Schleppers abgegeben haben. Bei der Festnahme erlitten ein Beamter und der Landwirt Verletzungen, dass beide ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Hintergrund der Geschichte: Bereits ab 7.40 Uhr waren vier Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes Plön und weitere Arbeiter einer landwirtschaftlichen Fachfirma auf dem Bauernhof unter Polizeischutz damit beschäftigt, 22 Rinder des Betriebs im Rahmen einer Ersatzvornahme tierärztlich zu untersuchen und teilweise mit Ohrmarken zu registrieren. Der Tierhalter hatte entsprechende behördliche Aufforderungen, dies selbst zu tun oder zu veranlassen, mehrfach ignoriert. Da der Landwirt bereits „durch gewalttätige Übergriffe bei vorangegangenen ähnlichen Einsätzen“ bekannt gewesen sei, habe man „mit einigen Schwierigkeiten gerechnet und die Maßnahme im Vorwege geplant und mit der Polizei abgestimmt“, sagte der Sprecher des Kreises Plön, Hendrik Schwinghammer, auf KN-Nachfrage. So seien die Veterinäre von neun Polizeibeamten begleitet worden.

Was dann folgte, habe aber niemand voraussehen können, sagte Schwinghammer nach der Amokfahrt des Bauern. „Gegen 12.05 Uhr kam der Landwirt, der den ganzen Vormittag abwesend war, mit seinem Trecker auf dem Hof“, schilderte Hauptkommissar Oliver Pohl die Entwicklung der Ereignisse. Ohne zu zögern habe er mit dem Frontlader, auf dem ein Silageballen transportiert wurde, drei auf der Zufahrt parkende Autos gerammt und ineinander geschoben. Danach habe der Landwirt zurückgesetzt und weitere Fahrzeuge attackiert. Dabei sei der Ballen verloren gegangen.

Auch ein privater Pkw wurde mit dem Trecker gerammt.

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Einen zur Verstärkung heraneilenden Polizeibus, in dem zwei Beamte saßen, schlitzte der Landwirt mit den langen Stahlzinken der Schaufel der Länge nach auf. Danach habe der Landwirt einen weiteren Streifenwagen angegriffen. „Insgesamt wurden vier Dienstfahrzeuge der Landespolizei, ein Bus der Bundespolizei, zwei Fahrzeuge des Veterinäramtes, zwei Firmenwagen und ein Privatwagen angegriffen – teilweise sind das Totalschäden“, bilanziert Pohl. Mit sechs gezielten Schüssen auf die Reifen konnte der Traktor schließlich zum Stillstand gebracht werden.

Derzeit würden Sachverständige das Geschehen dokumentieren. Die Staatsanwaltschaft prüft, welche Straftaten vorliegen. Dass auch wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt werde, bestätigte Pohl nicht.

Die Mitarbeiter des Kreises Plön kamen mit dem Schrecken davon, müssen die Situation aber erst einmal verarbeiten. Ein irres Detail: „Die Maßnahme war eigentlich schon abgeschlossen. Die Fahrzeuge waren wieder beladen“, erklärte ein Kreismitarbeiter. Man habe schon gedacht und gehofft, dass der Landwirt das Feld geräumt habe, um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen. „Wir wollten gerade abfahren, als der Bauer unvermittelt auftauchte und derart ausrastete.“ Laut Informationen der Kieler Nachrichten lehnt der Landwirt, der von Bekannten als eigentlich ganz umgänglich und sehr tierlieb beschrieben wird, die Entnahme von Proben und das Setzen von Ohrmarken ab, weil den Rindern damit Schmerzen zugeführt würden.

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Foto: Ein Landwirt hat am Mittwoch für einen großen Polizeieinsatz gesorgt. Nachdem das Veterinäramt und die Polizei auf seinem Hof in Ascheberg für eine Kontrolle angerückt waren, drehte der 53 Jahre alte Mann offenbar durch.

Ein aufgeschlitzter Polizeibus, ein frontal gerammter Streifenwagen, ein umgeworfener und zerstörter Mannschaftstransporter – eine Spur der Verwüstung hinterließ ein 53-jähriger Landwirt aus Ascheberg am Mittwoch ab 12.05 Uhr. In einer 20-minütigen Amokfahrt beschädigte der Bauer mit seinem Traktor insgesamt zehn Autos.

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