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Max-Planck-Institut öffnete die Türen

Nacht der Wissenschaft Max-Planck-Institut öffnete die Türen

„Das ist eine gute Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen des Max-Planck-Instituts (MPI) zu blicken“, sagte Dennis Heidmann. Wie zahlreiche andere Besucher nutzte der Plöner die Nacht der Wissenschaft, um die renommierte Forschungseinrichtung unter die Lupe zu nehmen. Auch in Preetz wurde fleißig geforscht.

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Unterstützt von der Biologisch Technischen Angestellen Gunda Dechow-Seligmann extrahiert Alexander etwas Flüssigkeit aus einer zerquetschten Tomate um deren DNA-Stränge sichtbar zu machen.

Quelle: Dirk Schneider

Plön/Preetz. Als weiterer zentraler Ort in der Kreisstadt lockte das Kulturforum mit unterhaltsamen Infoständen und Mitmachaktionen die Forscher von heute und morgen.

Wobei die Lupe meist gegen ein Mikroskop ausgetauscht wurde. So konnten die Schaulustigen in der mobilen Kieler Forschungswerkstatt, dem Schülerlabor der Christian-Albrechts-Universität (CAU) und des Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN), die wunderbare Welt des Lebens im Boden aus nächster Nähe erleben. In den unterschiedlichen Proben krabbelten urtümliche Krebse und Spinnentiere. In anderen Schälchen kribbelten Hundert- und Tausendfüßler herum. Doch haben die Spinnenläufer tatsächlich so viele Beinchen, wollte die elfjährige Anastasia wissen und begann mit der Leiterin des Geolabors Kathrin Schöps mit der Zählung. „Mehr als 30 sehe ich nicht“, staunt die Plöner Schülerin. „Eigentlich müsste man die Tiere umbenennen.“

Wie entstehen Entzündungen?

Wissenschaft und Forschung treffen Kunst und Kommunikation hieß es am Stand des Exzellenzclusters Entzündungsforschung. Um die Arbeit und Ergebnisse des Forschungsverbundes „Inflammation at Interfaces“ weniger kryptisch darzustellen, erklärte die Schauspielern Jule Nero in Alltagssprache und illustrierenden Comics, die von der Muthesius-Kunsthochschule gestaltet wurden, welche Prozesse bei der Verdauung in Magen und Darm ablaufen oder wie Entzündungen entstehen.

DNA einer Tomate

An der MPI-Station isoliert der ebenfalls elfjährige Alexander die DNA einer Tomate und macht die Erbgutstränge in einer flüssigen Lösung sichtbar. „Das macht Spaß, weil man das Ergebnis sofort sehen kann“, staunt der Hobbyforscher wie einfach man den Grundbaustein des Lebens aus einer einfachen Frucht herausarbeiten kann.

Im Aquarienraum der „MPI-Zentrale“ erläutert Forscherin Dr. Tina Henrich den Gästen wie Dennis Heidmann einige Aspekte der Grundlagenforschung mit den Stichlingen aus Deutschland und Kanada. So erfährt man, dass neben Fischchen aus Deutschland auch kanadische Flossentierchen von Vancouver-Island in den Bassins schwimmen. Die Einwanderer kommen allerdings nicht als lebende Fische sondern als befruchtete Eier über den großen Teich. Der Laich werde zudem vor dem Transport mit Antibiotika und Antipilzmittel behandelt, um das Einschleppen von Fischparasiten zu verhindern.

Hausmaus im Maushaus

Etwas niedlicher war der Blick ins Maushaus, wo Christine Pfeiffe allerlei Wissenwertes über die Hausmaus berichtete. Die tierischen Bewohner des Schauraums reagierten auf den Trubel sehr gelassen.

Hier sehen Sie Bilder von der Nacht der Wissenschaft im Max-Planck-Institut in Plön.

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Teleskop statt Tafelkreide in Preetz

Einen Pausenflur, auf dem man so schnell rennen darf, wie man kann, den erlebten viele Kinder (und Erwachsene) Freitagabend in der ehemaligen Wilhelminenschule. Bei dem Experiment „Zu schnell geflitzt und schon geblitzt“ mit einem Doppler-Radar der Christian-Albrechts-Universität in Kiel staunten einige Besucher nicht schlecht über ihre eigene Geschwindigkeit: Bei 17,7 Stundenkilometern verschwand ein Läufer aus Heikendorf zwar nicht vom Radar, sauste jedoch glatt am Beweisfoto vorbei. Raus aus dem Flur, durch die Eingangstür der historischen Schule hinaus ins Freie und direkt vor das große Spiegel-Teleskop auf dem Pausenhof. Dieses richtete Hanspeter Reinicke von der Sternwarte der Fachhochschule Kiel gerade auf den sanft über den Preetzer Häusern scheinenden Halbmond aus: „Der Saturn ist wesentlich interessanter. Aber man muss ihn erst mal finden“, meinte Reinicke und kniff die Augen zusammen. „Es kann sein, dass er nicht hoch genug über dem Horizont steht.“ Die meisten Besucher störte das nicht. Sie staunten über die graue Kraterlandschaft durch eine 135-fache Vergrößerung: „Man glaubt gar nicht, dass der Mond so viele Krater hat“, erklärte Patrick Moldenhauer aus Schönkirchen, der sich mit seinen Kindern Laura (5), Lina (8) und Lasse (7) um das Teleskop scharte. „Letztes Jahr waren wir zur Nacht der Wissenschaft in Kiel. Aber hier in Preetz finden wir es persönlicher und familiärer.“

E-Mobilität auf dem Pausenhof

Den Flitzer aus dem Pausenflur zog es von den Himmelsbeobachtungen auf dem Schulhof gleich weiter zum Mountain-Board des Kompetenzzentrums E-Mobilität der Fachhochschule Kiel, wo sich Jakob Emmermann (11) aus Preetz ausprobierte. „Das ist ganz schön schwierig“, behauptete er mit Blick auf eine Smartphone-App, die ihn unter den wachsamen Augen von Professor Jochen Immel mit maximal 7 Stundenkilometern über die Schulzufahrt chauffierte. „Das ist das Begeisterungsobjekt für unsere zukünftigen Studierenden“, erklärte der Hochschullehrer, der selbst gerne auf dem Mountain-Board unterwegs ist. „Am Wochenende fahre ich damit zum Bäcker.“ 

Magnetismus spürbar machen

Richtig knifflig wurde es beim Experimentieren mit Enno Lage aus der Arbeitsgemeinschaft „Nanoskalige magnetische Werkstoffe“ vom Institut für Materialwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität Kiel. In der Schulmensa demonstrierte er anhand einer präparierten Pappkiste, wie Magnetismus spürbar wird. Dazu durften die Besucher mit einem Lineal, an dessen Ende ein Magnet angebracht war, über die Kiste spuren. „Auch für Computer ist es schwierig, eine Wechselwirkung zu messen“, so Lage. Noch viel schwieriger wurde es, die komplexen Methoden der Forschenden auf diesem Gebiet wirklich zu verstehen. „Die Öffentlichkeitsarbeit bringt uns als routinierte Wissenschaftler dazu, unsere Methoden der Wissensvermittlung zu erweitern, um möglichst viele Interessierte ein Aha-Erlebnis erfahren zu lassen“, erklärte Lage.

Von Dirk Schneider und Nadine Schättler

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