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Ideen für Peking aus Preetz

Besuch im Naturkindergarten Ideen für Peking aus Preetz

Eine 18-köpfige Delegation aus China besucht einen der erfolgreichsten Naturkindergärten weltweit, um mehr über alternative Erziehung zu erfahren: die „Wühlmäuse“ in Preetz. Nun wird die Idee auch nach China getragen, wo es solche Einrichtungen nicht gibt.

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Zhang Zhen Zhen (links) und Dong Bo staunen, wie viel Spaß Mats (rechts) und Christian beim Essen haben.

Quelle: Signe Hoppe

Preetz. „Wir hatten zu Beginn kaum eine Vorstellung davon, was ein Naturkindergarten ist“, erzählt Wang Di. Der Dolmetscher besucht mit Kita-Trägern, Kita-Leitungen und Kommunalpolitikern aus Peking neben dem Bauernhofkindergarten Krummbek, auch das Pädiko Kinderdorf in Neumeimersdorf. Den Kontakt stellte die Vorsitzende des Bundesverbands der Natur- und Waldkindergärten, Ute Schulte Ostermann, her. Die Preetzer seien das Vorzeigeprojekt innerhalb der 1500 deutschen Waldkitas. Dass es keine Natur- oder Waldkindergärten in China gibt, liegt an einem anderen Verständnis von Pädagogik: „Unser frühpädagogisches System vermittelt bereits schulische Inhalte“, erklärt Wang Di, „die Lehrer lehren und die Kinder hören zu. Alles ist sehr präzise und durchgeplant. In 20-Minuten-Takten wird gemalt oder gesungen. Wenn gebastelt wird, basteln alle das Gleiche.“ Für Körperertüchtigung sei eine Stunde vorgesehen, freies Spiel gebe es kaum. „Bildung und Disziplin haben einen hohen Stellenwert“, so Wang weiter.

 Allmählich leiten die Chinesen eine Reform ihrer frühkindlichen Pädagogik ein. Durch das zunehmende Umweltbewusstsein entstehe ein Bedürfnis für Nachhaltigkeit und Entwicklung. Zudem verlange der wachsende Wohlstand nach mehr Betreuungsplätzen im Kita-Bereich, sagt Wang Di. „Wir wollen neue Standards festlegen und schauen in die Welt – nach modernen Konzepten“, erklärt Sun Yuan Yuan, Mitarbeiterin eines Pekinger Planungsbüros.

 Mit Handys, Filmkameras und Fotoapparaten dokumentierte die Delegation einen Vormittag lang die Aktivitäten der kleinen „Wühlmäuse“. Neele hält eine Deckelpfanne über das Feuer und macht Popcorn. Die Chinesen sind erstaunt – woher kann sie das? „Learning by doing“, erklärt Irmela Will, Vorsitzende des Wühlmäuse-Vereins. Hier gibt es keine kollektive Anleitung. Beim Frühstück pellt Christian eine Banane und lacht darüber gemeinsam mit Mats. Für Zhang Zhen Zhen und Dong Bo eine interessante Situation: „In China ist es still beim Essen. Hier sind die Kinder so fröhlich.“ Wang Di ist sicher, dass China in pädagogischen Fragen von Deutschland lernen kann. „Wir fangen mit einem kleinen Stück Natur an, einer Parkanlage oder einem renaturierten Gebiet am Rande Pekings“, sagt Wang Di. „Aber mit der Grundidee, das Kind in den Mittelpunkt zu stellen und nicht dessen Leistung.“

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Ein Artikel von
Signe Hoppe

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