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Wankendorferin kämpft um alten Bahnhof

Offener Brief Wankendorferin kämpft um alten Bahnhof

Der geplante Verkauf des Wankendorfer Bahnhofes oder gar dessen Abriss ist seit einigen Tagen Gesprächsthema. Traute Leschke setzt sich dafür ein, dass die Gemeinde ihre Entscheidung zurücknimmt. Ihre Zukunftsvision: Ein Kulturkreis, der dem Bahnhof wieder eine zentrale Bedeutung verschafft.

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Traute Leschke will sich nicht damit abfinden, dass das Wankendorfer Bahnhofsgebäude abgerissen werden könnte. Die 78-Jährige saß 34 Jahre lang in der Gemeindevertretung und hat ihren politischen Nachfolgern einen offenen Brief geschrieben.

Quelle: Peter Thoms

Wankendorf. Wankendorf. Auch wenn schon lange kein Zug mehr am Wankendorfer Bahnhof gehalten hat, herrscht im Gebäude regelmäßig Leben: Menschen vieler Nationen treffen sich dort im Flüchtlingscafé, VHS-Gesprächskreise und Vorträge werden gut besucht, unter dem Dach ist eine Wohnung, und dann ist das noch das kleine Heimatmuseum mit Exponaten und Bildern aus der Wankendorfer Geschichte. Der Beschluss der Gemeindevertretung, das sanierungsbedürftige Gebäude zu verkaufen oder gar abzureißen, lässt bei vielen Wankendorfern die Alarmglocken schrillen. So zum Beispiel bei Traute Leschke. Die 78-Jährige war 34 Jahre lang Gemeindevertreterin, ist seit 49 Jahren die Vorsitzende des DRK-Ortsverbandes, und hat mit einem offenen Brief an die Gemeindevertretung den Kampf um den Erhalt des Bahnhofes in Gemeindebesitz aufgenommen.

Sie erinnert sich noch gut an die Zeiten mit einem „richtigen“ Bahnhof: „Zwölf Jahre lang bin ich zum Arbeitsplatz nach Neumünster gependelt“. Auch wenn der letzte Zug schon vor langer Zeit abgefahren ist, schaut Traute Leschke regelmäßig im Bahnhof vorbei: Einmal die Woche zum Beispiel sitzt sie mit bis zu elf weiteren VHS-Mitgliedern beim Englischstammtisch zusammen: Eine Stunde lang wird dann ausschließlich Englisch gesprochen – über Gott und die Welt.

Aktuelles Thema ist natürlich die Zukunft des Bahnhofs. Gemeinsam mit Sabine Reitzenstein und Marlies Emmert kommt Traute Leschke beim Stammtisch zu dem Schluss, dass sich in einem Wankendorf ohne Bahnhof deutlich weniger Gewerbe angesiedelt hätte, und es die Gemeinde nie und nimmer geschafft hätte, ländlicher Zentralort zu werden – mittlerweile ja sogar ein Zentralort mit Autobahnanbindung.

In dem offenen Brief an die Gemeindevertretung, die den Verkaufs- bezeihungsweise Abrissbeschluss einstimmig gefällt hatte, wird Traute Leschke wehmütig: „Als Schlüsseltante bin ich beim Englischstammtisch immer frühzeitig da und leiste mir das Vergnügen, die Bilder und Postkarten und die gesammelten Gegenstände aus 700 Jahren Wankendorfer Vergangenheit zu betrachten. Nach dem Englisch-Talk bin ich immer traurig‚ dass um das Gebäude herum Stille herrscht. Das war ab 1959 total anders. Da war das Bahnhofsareal das Wirtschaftszentrum von Wankendorf. Es gab den DEA-Bahnhof, an dem Tag und Nacht die Ölzüge ankamen, es gab das Bahnhofshotel und die Spar- und Darlehnskasse, die sich aus einem Stubenladen zu einem Zentrum für Landwirtschaft und Kunden der Finanzwirtschaft entwickelte – einschließlich des Baus der ersten Getreidesilos.“ Weiter erinnert Traute Leschke an die Firma Otto Delfs Söhne, einen Landhandelsbetrieb von überregionaler Bedeutung, an die Firma Giese, die Bauteile bis nach Ägypten lieferte. Für den DRK-Kindergarten goss die Firma die kleinsten Bauteile, die sie jemals gefertigt hatte: Stützen zum Halten des Daches – natürlich kostenlos.

„Der alte Bahnhof ist ein Stück Kultur unseres Dorfs, das in den vergangenen Jahren nicht ausreichend gepflegt wurde“, kritisiert Traute Leschke die aktuelle Situation. „Der Gedanke, dass eines der wenigen alten Gebäude mit kulturellem Hintergrund abgerissen werden könnte, lässt mich erschauern!“

In dem offenen Brief hat die langjährige Kommunalpolitikerin auch einen Lösungsvorschlag: „Für die Sanierung könnte ein in der heutigen Zeit zinsgünstiges Darlehen aufgenommen und mit den Mieteinnahmen zurückgezahlt werden“. Als Zukunftsvision sieht die 78-Jährige einen von der Gemeindevertretung gegründeten Kulturkreis, der dem historischen Bahnhof wieder eine zentrale Bedeutung verschaffen könne. „Der Abriss eines der letzten alten Gebäude in Wankendorf mit seinen vielen Geschichten rundherum ist für mich ein Gedanke, den ich nicht weiter denken möchte“, schließt sie den offenen Brief, und hofft auf Unterstützung der Gemeindevertretung.

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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