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Pferdezäune als Wildfalle

Kreis Plön Pferdezäune als Wildfalle

Als Jörg Graf von Platen-Hallermund vor wenigen Tagen durch sein Jagdrevier streift, steigt ihm plötzlich ein höllischer Verwesungsgeruch in die Nase. Er entdeckt in einem Graben einen toten Damhirsch, der sich in Litzen eines Pferdezauns verfangen hat und verendet ist. 50 bis 100 Tiere kommen nach Schätzung der Kreisjägerschaft Plön pro Jahr auf diese Weise kreisweit ums Leben.

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Ein Damhirsch verendete an einem Pferdezaun in Blekendorf. Die Litze erdrosselte das Tier, das verzweifelt um sein Leben gekämpft haben muss.

Quelle: Jörg Graf von Platten-Hallermund

Blekendorf. Es ist kein leichter Tod, den das Tier in der Blekendorfer Feldmark ereilte. Von Platen-Hallermund macht rund um den Fundort zertretenes Gras aus. Der junge Hirsch muss wild gekämpft haben in seinen letzten Stunden. In der Flanke des Tieres klafft ein Loch, aus dem die Gedärme heraushängen. Der Jäger schätzt, dass die Wunde von einem spitzen Zaunpfahl herrührt, auf den der Damhirsch in seinem Kampf gegen die Pferdelitze gestürzt ist. Das Jungtier ist vermutlich letztlich aber erstickt, weil eine Lasche des Kunstzaunes sich deutlich sichtbar fest um den Hals gewickelt hat.

 Die Gefahr ist zumindest an dieser Stelle gebannt. Der Pächter der Weide entsorgte nach einem Gespräch mit von Platen-Hallermund sämtliche Litzen. Sie lagen schon seit Jahren achtlos in der Natur herum, nachdem die Wiese seit Jahren nicht mehr von Pferden beweidet, sondern nur noch gemäht wird.

 Hans-Werner Blöcker, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, betreibt unter Pferdebesitzern seit Jahren Aufklärung. Genützt hat es nicht viel. Vor allem an die nicht organisierten Tierhalter kommt er selten heran. Blöcker schätzt, dass sich in jedem Revier mit Reh- oder Damwild mindestens einmal im Jahr ein Tier verfängt und stirbt. Gerade im Herbst, wenn die Damhirsche mit dem Fegen ihres Geweihes beginnen, häufen sich die Fälle. Die Tiere suchen sich ein raues Gebüsch, um daran die dünne Haut auf ihrem neuen Geweih abzustreifen. Die Pferdelitzen entsprechen offenbar genau diesem Muster. Doch einmal verfangen und um die eigene Achse gedreht, ziehen sich die Plastikbänder im Geweih fest zu. Die Tiere beginnen in dieser Phase mit enormer Kraft wild zu toben, berichtet Blöcker. Einmal ist es ihm und weiteren Jägern gelungen, einen Hirsch zu befreien, der erst wenige Stunden unfreiwillig gefangen war. Sie warfen ihm eine Decke über den Kopf und schnitten die Litzen durch. Wenn nicht nach kurzer Zeit Hilfe kommt, ist es um das Tier geschehen. „Es ist so ermattet, dass man es nur mit einem Fangschuss erlösen kann.“ Wenn die Litze das Tier nicht erdrosselt, kann der Todeskampf zwei, drei Tage dauern, berichtet Blöcker.

 Dabei ist eine Lösung aus der Sicht des Jäger-Kreisvorsitzenden ganz einfach. Die Pferdebesitzer und Weidenpächter müssten nur im Herbst die Litzen aus ihren Halterungen nehmen, auf die Erde legen und im Frühjahr wieder anbringen. „Mit nur 15 Minuten Arbeit kann man verhindern, dass Hirsche elendig verenden.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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