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Pflege wird zum Kraftakt

Kreis Plön Pflege wird zum Kraftakt

Das 48-seitige Papier trägt die trockene Überschrift „Pflegebedarfsplanung für den Kreis Plön“. Die Analyse zweier Lübecker Wissenschaftler im Auftrag des Kreises hat es allerdings in sich. Bis zum Jahr 2025 steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen um fast 50 Prozent.

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Die Pflege alter Menschen wird in den nächsten zehn Jahren eine stark wachsende Aufgabe werden. Erstmals liegen relativ verlässliche Prognosen für den Kreis Plön vor.

Quelle: Angelika Warmuth

Plön. Benötigt werden bis dahin weitere 600 vollstationäre Plätze in Altenheimen und zusätzlich 600 Beschäftigte in der Altenpflege. Und das allein im Kreis Plön. Dabei sind gut ausgebildete Kräfte bereits jetzt Mangelware, berichtet Carsten Nemitz, der unter anderem Seniorenheime in Dersau und Ascheberg betreibt. Er weiß von Handgeldern bis zu 5000 Euro, die Mitarbeitern gezahlt werden, wenn sie in ein anderes Unternehmen wechseln. „Wir machen da nicht mit und versuchen, mit einer vernünftigen Ausbildung und Mitarbeiterzufriedenheit zu trumpfen.“ Er habe bereits vor 20 Jahren vor einem Mangel an Fachkräften in der Pflege gewarnt, sei damals aber nur belächelt worden. Nun sieht er seine Mahnungen voll bestätigt. Nemitz setzt in seinem Unternehmen auf Fortbildung, die er mit einer Art Meister-Bafög unterstützt, das später zurückgezahlt werden muss. Altenpflegehelfer möchte er damit motivieren, sich zu Altenpflegern weiterbilden zu lassen. Derzeit beschäftigt er in seinem Häusern 14 Auszubildende.

 60 bis 70 Altenpfleger (drei Jahre Lehre) und Altenpflegehelfer (ein Jahr Ausbildung) machen jedes Jahr ihren Abschluss am Bildungszentrum der Arbeiterwohlfahrt in Preetz. Sie ist die Berufsschule für Pflegeberufe, in der beispielsweise die Altenpfleger 19 Wochen neben ihrer Ausbildung in den Betrieben unterrichtet werden.

 Leiterin Irmgard Stremlau geht ungewöhnliche Wege, wenn es um die Suche nach Nachwuchs geht. Derzeit lotet sie Möglichkeiten aus, Pflegekräfte aus China in Deutschland einzusetzen. Skeptisch steht sie früheren Bemühungen gegenüber, zum Beispiel Krankenschwestern aus Spanien nach Deutschland zu holen und in der Altenpflege einzusetzen. Dabei habe man das unterschiedliche Pflegeverständnis außer Acht gelassen. Eine spanische Kraft habe studiert und auf Augenhöhe mit den Ärzten in ihrer Heimat gearbeitet.

 Eine Ganzkörperpflege der Patienten, hier in Deutschland üblich, sei für diesen Personenkreis unüblich. Sinnvoll sei es hingegen, Menschen aus anderen europäischen Ländern in Deutschland auszubilden.

 Stremlau sieht viel Bewegung in Sachen Altenpflege. Auch zum Guten. Die Zahl der Auszubildenden sei gestiegen. Der Gesetzgeber startet Qualitätsoffensiven. Demnächst verbessere sich auch die Finanzierung der Ausbildung. Bislang musste jedes Heim die Kosten für seine angehenden Altenpfleger aus eigener Kraft finanzieren. Die Folge: Unternehmen ohne Auszubildende konnten ihre Zimmer deutlich günstiger anbieten. Nun soll ein Umlageverfahren mehr Gerechtigkeit und vielleicht auch mehr Ausbildungsplätze schaffen. Ihre Pflegeschule könne dabei relativ problemlos die Zahl ihrer Plätze anheben.

 Der Sozialausschuss des Kreises diskutiert am Mittwoch, 3. Februar, um 18 Uhr im Plöner Kreishaus den Pflegebedarfsplan. Danach wächst die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit etwa 3700 auf 5300 im Jahr 2025. Etwa zwei Drittel dieser Menschen werden von Angehörigen gepflegt. In vollstationären Einrichtungen sind derzeit 1380 Plätze vorhanden, zu denen 600 hinzukommen sollen. In einer ambulanten Betreuung befinden sich aktuell rund 750 Personen. In zehn Jahren werden es laut Prognose 400 mehr sein.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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