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Kampf um die Kreishaus-Kastanie

Baumstreit Kampf um die Kreishaus-Kastanie

Ein tiefer Spalt klafft im Stamm. Seile und Eisenstange sichern das nicht mehr frische Geäst. Ein Baumdoktor bescheinigt der Kastanie Fäule und nachlassende Vitalität. Der Kreistag hält dennoch mit knapper Mehrheit an dem Markenzeichen des Plöner Kreishauses fest und lässt ihn nicht fällen.

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Die Kastanie vor dem Plöner Kreishaus ist ein Schmuckstück, wenn man ihre Krone aus der Ferne betrachtet. Nach einem Beschluss des Kreistags wird sie nun umfangreich zurückgeschnitten, um einen neuen Austrieb anzuregen. Ob der Baum wieder auflebt, wird erst in etwa drei Jahren zu erkennen sein.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Plön. Der Streit um den Baum entbrannte im Zuge der Erneuerung des „roten Platzes“ vor dem Haupteingang, so benannt wegen seiner roten Steine. Da die Kastanie es gar nicht mag, wenn man an ihre Wurzel kommt, muss der Bereich um den Baum von den Arbeiten ausgespart bleiben.

Gerd Dreßler (Grüne), der 2018 nicht mehr für den Kreistag kandidieren wird, kämpfte erbittert um den Erhalt der Kastanie, der er menschliche Züge zusprach. Sie habe ebenso Gebrechen wie ein Mensch in dieser Lebensphase auch. Sie präge das Bild des Kreishauses. Man müsse Respekt und Ehrfurcht vor der Natur haben. Gerade auch ein alter Baum habe einen hohen biologischen Wert.

Hans-Herbert Pohl (CDU) hielt Dreßler ein Gutachten entgegen, wonach der Baum nur noch eine Lebenszeit von fünf bis zehn Jahren habe. Er selbst habe beobachtet, dass die Krone nur noch wenige Blüten trägt. Pohl: „Der ist tot.“ Für das Geld für den anstehenden Pflegeschnitt der Kastanie würde er lieber 20 neue Bäume an anderer Stelle pflanzen. Klaus Blöcker (fraktionslos) fand einen drastischen Vergleich: „In dem Baum landet kein Vogel mehr, weil der Angst hat, dass der Ast unter ihm abbricht.“ Man sollte nicht mit einer „Bambi-Mentalität“ an die Natur herangehen. Schmerzlich sei es, einen Menschen zu verlieren, nicht einen todkranken Baum.

22 Vertreter von SPD, Grünen und FWG stimmten letztlich für den Ausbau des „roten Platzes“ und den Erhalt der Kastanie, 19 von CDU und FDP dagegen. Die UWG war in der Frage gespalten. Für die Sanierung des Bodenbelags und des Kanalnetzes sind Kosten von 361000 Euro veranschlagt. Die Variante ohne Kastanie wäre 12000 Euro teurer geworden, weil mehr Erdarbeiten angestanden hätten. Die CDU vertrat zudem den Standpunkt, die Entscheidung über die Sanierung erst Ende des Jahres zu treffen. Sie konnte sich damit aber nicht durchsetzen.

Eine seltene einstimmige Mehrheit fand die Sanierung des Gymnasiums Schloss Plön samt Abriss des dortigen Fachgebäudes und Neubau an derselben Stelle. 8,5 Millionen Euro gab der Kreistag zunächst dafür frei. Die Arbeiten könnten schon 2017 beginnen und sich bis zu fünf Jahre hinziehen. Besonders störende Arbeiten sollen in den Ferien stattfinden. Dennoch müssen sich Schüler und Lehrer auf viel Baulärm einstellen.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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