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Osterkarree Raum für Gemeinschaft

Vor knapp eineinhalb Jahren eröffnete die Wankendorfer Baugenossenschaft den Nachbarschaftstreff Osterkarree im Plöner Ölmühlengebiet. Mittlerweile hat sich die Einrichtung als fester Bestandteil des Wohnquartiers etabliert und lockt sogar Besucher aus der ganzen Stadt und den Umlandgemeinden an.

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Völkerverständigung als Nachbarschaftshilfe im Osterkarree: Ingrid Howe (Mitte) und Christa Range kümmern sich um die Kinder Hamdan, Mohammad und Omar, während deren Eltern sich beim Flüchtlingsfrühstück mit anderen Asylbewerbern und Plönern austauschen.

Quelle: Dirk Schneider

Plön. „Der Großteil unserer Nutzer sind zwar schon Mieter der Wankendorfer, aber wir machen keine Einlasskontrollen und alle Veranstaltungen sind öffentlich – manche sind sogar international “, erklärt Osterkarree-Leiterin Annette Schwiebert.

 Ein Grund: Seit Herbst 2015 organisiert eine ehrenamtliche Schar von Helfern stets am letzten Sonnabend im Monat ein Willkommensfrühstück für Flüchtlinge. Und die kulinarische Runde, die anfangs vor allem der Unterstützung der Asylbewerber mit Spenden diente, habe sich mit dem gegenseitigen Kennenlernen zu einer intensiven Informationsbörse weiter entwickelt, freut sich Schwiebert. So trafen sich etwa 30 Plöner und 30 Flüchtlinge und Neuplöner aus Syrien, Afghanistan und dem Jemen, aber auch ein mazedonisches Asylbewerberpaar das eigentlich aus dem albanisch-serbischen Kosovo stammt, in der Spätfolge des Balkankriegs und der Neuordnung der Region enteignet und aus der Heimat vertrieben wurde. Sevdia und Iljas Alijas schilderten die Auswirkungen der verschärften Aufenthaltsgenehmigungen und ihre Sorge, dass durch einen Stimmungswandel in der deutschen Politik die Duldung möglicherweise aufgehoben werden könnte. Die Syrer Mohammed und Safaa Salal sind dabei, die Hintergründe und Erlebnisse ihrer Flucht zu verarbeiten. Die neugeborenen Zwillinge seien gerade zwei Tage alt gewesen, als Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat den jungen Vater mit Hinweis auf seine Familie erpressen und zwangsrekrutieren wollten. Der hastige Aufbruch ohne Abschied, um die Freunde nicht zu gefährden, die strapaziöse Wanderung auf der Balkanroute, die Lungenentzündung der geschwächten Mutter – die stichwortartige Aufzählung einer Übersetzerin bewegte die Zuhörer.

 Nebenan spielen die mittlerweile sieben Monate alten Zwillinge und weitere Kinder mit Ingrid Howe und Christa Range. „Wir haben heute Vormittag die Betreuung der Kleinen übernommen, damit sich die Eltern mal ungestört unterhalten können“, verrät Ingrid Howe.

 Ein ganz anderes, aber ebenso kommunikatives Projekt des Osterkarrees ist die Handarbeitsgruppe. Mittwochvormittags treffen sich bis zu zwölf Damen, um beim fröhlichen Klönschnack zu stricken oder zu häkeln. „Jeder bringt seine Sachen mit und dann geht’s los“, sagt Karin Bannenberg und lacht. „Ich stricke mir gerade eine weiße Weste.“ Renate Brack ist die Spezialistin für die „Feinhäkelei“ und fertigt kleine Amigurumi-Figuren an. Die putzigen Wollknäuele gestalte sie je nach Jahreszeit und Zweck als Pinguine oder Schneemänner, Weihnachtsengel oder Osterhasen. „Aktuell mache ich ein paar Mäuse, die sind gut geeignet um Geldgeschenke zu dekorieren“, präsentiert Renate Brack ein Wortspiel. Antje Schmidt strickt einen Schal mit Fallmaschen – „das ist ein etwas luftigeres Muster“ – während Annette Schwiebert in die Massenproduktion von Socken eingestiegen ist. „In dieser Runde habe ich gelernt, wie man die Fersen richtig strickt.“

 Das eigentlich Entscheidende sei allerdings die Gemeinschaft, die man im Osterkarree spüren und erleben könne, sind sich viele Nutzer der Einrichtung einig. „Für ein paar Stunden in der Woche ist dieser Raum mein Wohnzimmer“, erklärt Ellen Giese, die neben der Handarbeitsrunde auch viele weitere Veranstaltungen in der Einrichtung besucht. Und auch einige Flüchtlinge sind gut angekommen und fühlen sich im Nachbarschaftstreff schon ein Stückweit zu Hause.

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