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Zerkarien trüben Badespaß

Plön Zerkarien trüben Badespaß

„Geschätzt 50 standen vor der Tür. Urlauber und Einheimische gemischt, auch Erwachsene.“ Apotheker Frank Niemann aus Plön hatte Sonntag Notdienst. Die Hilfesuchenden einte eines: das große Jucken nach dem erfrischenden Baden im See.

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Über den Entwicklungszyklus und die Zusammenhänge des Vorkommens von Zerkarien informiert dieses Schild das ganze Jahr über in Ascheberg.

Quelle: Sandra Brinkmann

Plön. Verantwortlich für diese Badedermatitis sind Zerkarien. Eine Häufung von Fällen, immer mal wieder bei sommerlichen Schönwetterperioden. Eine nervige Angelegenheit für den Betroffenen, aber gesundheitlich meist unbedenklich.

 Zerkarien dringen in die Haut des Badenden ein und lösen dort eine allergische Reaktion aus. Das ist kein neues Problem unserer Zeit. Die Erkrankung wurde bereits in der 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts beschrieben, weiß Dr. Martin Kalbe, Parasitologe am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön. Auch für die Holsteinische Schweiz beispielsweise gibt es frühe Belege für eine Zerkarien-Dermatitis. Heute kommt die Erkrankung weltweit, insbesondere in Nordamerika und Mitteleuropa vor.

 Zerkarien verlassen bei Wassertemperaturen von rund 20 Grad ihren Zwischenwirt. Allgemein geht man von einem Beginn der Hauptschwärmzeit im Frühsommer und einem zweiten Höhepunkt im Spätsommer aus. Der Zeitpunkt hängt aber vom Wetter ab. Beim ersten Kontakt mit den Larven entsteht beim Menschen nur eine geringe Reaktion. Erst beim zweiten Mal, wenn das Immunsystem den Eindringling erkennt, kommt es zu einer stärkeren Abwehrreaktion, informiert der Nabu Schleswig-Holstein. Die kann nach wenigen Minuten, aber auch erst nach bis zu zwei Tagen entstehen, sagt Apotheker Niemann. In der Regel endet das große Jucken nach ein paar Tagen komplikationslos. Die Quaddeln heilen ab. Das dauert zwischen zehn bis 20 Tagen, so das Landesamt für Gesundheit in seiner Broschüre „Badedermatitis durch Zerkarien“.

 Wenn die Dermatitis zugeschlagen hat, stillen Salben den Juckreiz. Bei stärkerem Befall können auch Antihistaminika Linderung verschaffen. Aufkratzen sollte man die Quaddeln nicht, um Sekundärinfektionen mit Bakterien zu vermeiden. Nur in Ausnahmefällen, bei starker allergischer Reaktion, ist ein Arztbesuch vonnöten.

 Kann man vorbeugen? Es gibt Tipps, wie man den Plagegeistern ein wenig aus dem Weg geht (Bericht unten). Apotheken bieten kombinierte Sonnen/-Quallenschutzcremes an „Sie enthalten einen Wirkstoff, der die Zerkarien abtötet. Außerdem soll der Film auf der Haut vor dem Eindringen schützen“, so Niemann. Die gute Wirksamkeit wurde auch in einem Forschungsprojekt an der Universität Erlangen bestätigt. Allerdings ist die Lotion, die man vor dem Baden auf dem ganzen Körper aufträgt, zum Preis von rund 16 Euro für 120 Milliliter kein preiswerter Spaß.

 Die zweite, einzig wirksame und günstigere Variante, auf die Biologen hinweisen: Niclosamid (Wirkstoff gegen Wurmerkrankungen), eingebracht in einer geringen Konzentration in herkömmliche Sonnencremes. „Das haben wir auch bis vor zwei Jahren so angemischt und in Plön verkauft“, so Niemann auf Nachfrage. Dann habe sich aber die Rechtsgrundlage geändert. Man durfte nicht mehr im Vorrat herstellen, wurde auf Industriestandards verpflichtet. Einzelherstellung mache die Sache aber teurer als das Quallenmittel. Von Versuchen, die Rezeptur selbst anzumischen, rät der Apotheker ab.

 Aufgrund des komplizierten Entwicklungszyklus’ ist eine Vorhersage oder „Messung“ eines gehäuften Zerkarien-Vorkommens nicht möglich, halten Landes- und Kreisamt für Gesundheit fest. Wind kann die Lage in den Buchten auch schnell ändern. Das bedeutet, dass das gehäufte Auftreten von Zerkarien behördlicherseits immer erst dann festgestellt wird, wenn mehrere Fälle von Badedermatitis gemeldet sind. Sobald das Plöner Amt für Gesundheit von Betroffenen oder örtlichen Behörden solche Informationen erhält, wird den Badestellenbetreibern das Aufstellen von Warnschildern empfohlen. „Wir haben aktuell Meldungen vom Suhrer See, Großen Plöner See und Selenter See“, so Mitarbeiter Horst Freitag auf Nachfrage. An ihn können sich Bürger unter Tel. 04522/743526 wenden.

 An einigen Badestellen, beispielsweise an der Plöner Fegetasche und am Schiffsanleger in Ascheberg, stehen ganzjährig Schilder, die über Zerkarien und Entwicklungskreisläufe aufklären.

 Badeverbote sind an die Warnschilder-Empfehlung des Gesundheitsamtes im Akutfall übrigens nicht geknüpft. Der Grund: Zerkarien sind eben nur eines – fürchterlich lästig, aber gesundheitlich unbedenklich.

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Ein Artikel von
Sandra Brinkmann
Redaktion Ostholsteiner Zeitung

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