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Zinnkeller schließt nach 49 Jahren

Plöner Stadtgeschichte Zinnkeller schließt nach 49 Jahren

Plöns dienstältestes Gastronomenpaar geht in den Ruhestand. Gisela und Ulrich Scheunemann schließen heute den „Zinnkeller“. Damit endet die Geschichte des etwas anderen Restaurants am Plöner Marktplatz.

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Früher wurden das Bier in Zinnbechern und der Schnaps auf Zinnlöffeln serviert, erinnern sich Gisela und Ulrich Scheunemann an die Anfänge des Zinnkellers.

Quelle: Dirk Schneider

Plön. Im Gespräch mit KN-online erinnern sich die beiden Gastwirte an einige Anekdoten aus dem über 40-jährigen Arbeitsleben in dem „Lokal unter Tage“.

 „Ich habe hier am 1. Mai 1969 als Küchenchef angefangen, vier Jahre später wurde ich Geschäftsführer, am 15. August 1979 habe ich den ganzen Laden übernommen“, erzählt Ulrich Scheunemann. Ein Grund: „Mitte der 70er-Jahre fing Gisela im Service an, 1977 haben wir geheiratet und wollten uns eine gemeinsame wirtschaftliche Existenz aufbauen.“ Und das habe sehr gut funktioniert: „Wir sind ein eingespieltes Team – damals wie heute.“

 Der Name Zinnkeller beruhe nach Aussage des Vorbesitzers auf der alten Plöner Tradition, verdiente Bürger mit einem Zinnkrug auszuzeichnen. Diesen Brauch habe man aufgenommen und das Bier in Zinnbechern und den Schnaps auf Zinnlöffeln ausgeschenkt. „Von den ursprünglich 150 Bechern existieren noch drei, von den 50 Löffeln keiner mehr, das waren beliebte Souvenirs, die gerne mitgenommen wurden“, so Scheunemann. Wegen des teuren Schwunds einerseits und aus hygienischen Gründen andererseits habe man schon vor einiger Zeit auf Gläser umgestellt.

 In den 46 Jahren von Scheunemanns „Dienstzeit“ fanden auch viele prominente Gäste den Weg in den Keller, wie ein Blick in das Gästebuch beweist. Neben Autogrammen von den Verteidigungsministern Gerhard Stoltenberg (CDU) und Georg Leber (SPD), dem Verkehrsminister Lauritz Lauritzen (SPD) und dem Kanzlerkandidaten Franz-Joseph Strauß (CSU), finden sich auch Bilder von Dieter Hallervorden und Bundestrainer Berti Vogts, der Anfang der 90er-Jahre aus einem Trainingslager mit der Nationalmannschaft in Malente den Weg nach Plön gefunden habe. Ein weiteres Highlight sei die Party des SV Schalke 04 gewesen, die nach der legendären 2:1-Niederlage gegen den TSV Plön zwar etwas verhalten begonnen, dann aber viel Fahrt aufgenommen habe. „Die dritte Halbzeit hat Schalke deutlich gewonnen“, lacht Scheunemann.

 „Während der Dreharbeiten für die TV-Serie Kleinstadtbahnhof war Gustav Knuth unser Stammgast.“ Eines Tages habe der Volksschauspieler ganz bescheiden angefragt: „Ich habe ja jetzt die Speisekarte einmal komplett durch, können Sie vielleicht mal ein paar Pfannkuchen machen?“, so Scheunemann weiter. „Ehrensache, dass dieser Wunsch am nächsten Tag erfüllt wurde.“ Und auch Filmpartnerin Heidi Kabel habe sich als sehr bodenständig erwiesen.

 Ein weiteres Kapitel sei mit der Disco-Ära verknüpft: „Im dritten Stock war damals das Tanzlokal Bella Vista. Vor dessen Besuch haben viele Paare bei uns etwas gegessen, etwas getrunken und sind mit dem Aufzug nach oben gefahren. Manche sind dann sehr schnell wieder gekommen, weil für die Herren Anzug- und Krawattenzwang bestand.“ Das restriktive Konzept des Bella Vista hatte sich aber schnell überlebt, was Scheunemann nicht wundert: „Man muss auf die Wünsche der Gäste eingehen, das war jedenfalls unser Rezept.“ Und die Wünsche für die Zukunft? „Wir freuen uns darauf, die Adventszeit und das Weihnachtsfest mit unseren drei Kindern und fünf Enkeln verbringen zu können. Das ist unser schönstes Geschenk“, so Ehepaar Scheunemann. „Und dann wollen wir viele Ausflüge machen, Schleswig-Holstein besser kennenlernen und auf Reisen gehen.“

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