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Poetry-Slam im Windböenbeat

Schönberg Poetry-Slam im Windböenbeat

„Und das in Schönberg!“ Ein Kompliment aus dem Publikum, das am Mittwoch eine besondere Premiere erlebte. Der erste Schönberger Poetry-Slam, der auf Initiative des Kulturbeirats das Programm Schönberg kulturell bereicherte, begeisterte rund 200 Zuhörer.

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Poetry-Slammer Wehwalt Koslovsky aus Berlin bot einen großartigen Vortrag.

Quelle: Astrid Schmidt

Schönberg. Rundherum gab es viel Anerkennung und stehende Ovationen. Klar, dass es nach diesem Riesenerfolg noch weitere Dichterwettbewerbe in Schönberg geben wird. Das Publikum, größtenteils Neulinge in Sachen Poetry-Slam, wie Moderator Björn Högsdal gleich zu Beginn ermittelte, war von der ersten Minute an im Bann der acht Dichter. Für eine humorvolle wie temporeiche Einstimmung sorgte Högsdal gleich selbst – zählt er doch zu den Urgesteinen der Szene. Mental gut aufgewärmt hieß es dann Zuhören, Verinnerlichen und Bewerten. Mit dem Applausometer. Da waren Klatschen, Klopfen, Stampfen, Pfeifen, Johlen und Bravo-Rufe angesagt – je mehr und je länger, desto besser. In vier Runden traten jeweils zwei Dichter gegeneinander an, um die Finalisten zu ermitteln. Da war schon Konzentration gefragt. Das Gefühl für die Texte musste quasi konserviert werden, um dann entscheiden zu können. Die Beiträge, allesamt aus der eigenen Feder der Akteure, durften nicht länger sein als sechs Minuten, konnten frei vorgetragen oder abgelesen werden. Erlaubt ist quasi, was dem Dichter einfällt.

 Der freie Vortrag, soviel wurde deutlich, wirkte sich auf das Ergebnis aus. So konnte der Kieler Stefan Schwab seine Wut auf die Surfer und die Atomkraft-Lobby zwar eindrucksvoll beschreiben, aber die Mimik blieb den meisten Zuhörern durch sein Manuskript verborgen. Der Berliner Wehwalt Koslovsky bediente sich des Klassikers Die Glocke von Friedrich Schiller. Das Lied von der Pocke wurde zur „mikrobiologischen Betrachtung der Körperhygiene“, in dem der Poetry-Slammer die Qual von Pickeln im Gesicht und ihre Vernichtungsbemühungen beschrieb. Der Berliner brillierte nicht nur durch gekonnte Wortspielereien, sondern vor allem durch Ausdruck und Bühnenpräsenz. Die leisen Töne schlug Hille Norden an, humorvoll und wortgewaltig erzählte Lennart Hamann von der Liebe in der U-Bahn, den Unterricht in der Berufsschule spießte Hinnerk Köhn mit schauspielerischem Talent gekonnt auf. Victoria Helene Bergemann, die mit Selbstironie und wunderbarem Wortwitz Überalterung, Landflucht und Heimatgefühl zum Thema machte, und Mona Harry mit ihrem gefühlvollen Sommertext vom „inneren Windböenbeat“ gingen als weibliches Siegerduo aus dem Wettstreit hervor. Sie ließen im Finale Koslovsky und Hamann hinter sich.

 Doch Gewinner waren nach diesen temporeichen und absolut kurzweiligen zweieinhalb Stunden vor allem die Zuhörer. „Ich freue mich so, dass es so viele junge Menschen gibt, die so ihre Liebe zur deutschen Sprache zeigen“, sagte Almut Weiß aus Lütjenburg. Sie hatte die Karte von ihrer Tochter Inken Weiß geschenkt bekommen und war restlos begeistert. Auch Anke Ströbel aus Schönberg zeigte sich beeindruckt. „Eine klasse Veranstaltung. Hoffentlich gibt’s das noch einmal wieder“, meinte Jörn Andersen aus Wendtorf.

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