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Essen auf Rädern: Ein Stück Lebensqualität

Preetzer Arbeiter-Samariter-Bund Essen auf Rädern: Ein Stück Lebensqualität

Viele ältere Menschen wollen oder können nicht mehr selbst kochen. Für sie bietet der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Preetz seit 20 Jahren „Essen auf Rädern“ an. „Wir beliefern den gesamten Kreis Plön“, berichtet Koordinatorin Andrea Spill. Jeden Morgen starten mehrere Fahrer vom Hof.

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Zeit für einen kleinen Klönschnack: Sönke Peters bringt Herbert Welge das Essen.

Quelle: Silke Rönnau

Preetz. Es wird heiß in dem kleinen Raum, als Hans-Ewald Kauz die Türen des Konvektors öffnet. Er ist seit 7.30 Uhr bei der Arbeit, um die Mahlzeiten vorzubereiten. Das Essen wird von einer Großküche mit hauseigener Metzgerei auf bis zu 80 Prozent vorgegart und dann schockgefroren, beim ASB wird es fertig zubereitet. „So bleiben alle Vitamine erhalten“, sagt Andrea Spill. Ab 9 Uhr trudeln die Fahrer ein und halten draußen im Hof noch einen Klönschnack, während Kauz die einzelnen Aluschalen herauszieht und in die mit einer Heizplatte ausgestatteten Warmhaltekisten legt. Dann trägt jeder Fahrer seine Kiste zum Auto.

Die Mahlzeiten müssten mindestens 65 Grad heiß sein, das werde regelmäßig überprüft, betont Andrea Spill. Einige Kunden würden aber auch mit tiefgefrorenen Speisen beliefert, weil sie erst am Abend essen oder einen Vorrat anlegen wollen. „Wir haben unsere Stammkunden, einer ist sogar von Anfang an dabei, aber die meisten kommen erst im hohen Alter“, erzählt sie. Dabei sei das „Essen auf Rädern“ für viele ein Stück Lebensqualität. Ausgefallen sei eine Tour noch nie, auch nicht bei schlechtem Wetter. „Aber in einem Winter war eine Fahrerin mit ihrem Wagen in einer Schneewehe steckengeblieben und musste vom ADAC herausgezogen werden.“

Die Fahrer bringen das Essen oft nicht nur bis zur Haustür, sondern kommen auf Wunsch auch herein, öffnen die Folie, schneiden das Fleisch klein, nehmen auch mal den Müll mit runter und stecken Briefe in den Postkasten. „In abgelegenen Dörfern sind wir manchmal die Einzigen, die am Tag vorbeikommen.“ Das gebe auch den Angehörigen, die weiter entfernt wohnten, ein Gefühl der Sicherheit. Denn wenn jemand die Tür nicht aufmache, fahre man nicht einfach weg, sondern versuche anzurufen oder informiere die Polizei. „Wir haben mal jemanden nach zwei Tagen im Keller gefunden, er war dort hingefallen“, erzählt Andrea Spill. Von vielen habe man auch einen Schlüssel, weil sie bettlägerig seien oder im Rollstuhl säßen.

Inge Brügmann ist seit 17 Jahren für den ASB unterwegs. „Es ist eine Arbeit, die Freude bringt“, sagt sie. Auch Albert Karlson freut sich über die engen Kontakte. Er packe auch mal mit an: „Ich habe mal mit einem Kollegen eine abgefallene Kleiderschranktür wieder angebaut.“ Ein anderes Mal klagte eine Frau, dass ihre Waschmaschine nicht läuft. Ein schneller Blick, und schon hatte er den Stecker wieder in die Steckdose geschoben. Doch durch die engere Bindung sei man auch traurig, wenn man sehe, wie manche abbauen. „Da hat man schon mal Tränen in den Augen“, meint er.

Manche haben absolute Lieblingsgerichte. Einer bestelle nur, wenn es Hähnchenkeule mit Rotkohl und Kartoffelpüree gebe. Ein anderer esse nur süße Speisen wie Milchreis oder Pfannkuchen. „Ganz oft kennen wir schon die Vorlieben und helfen, den Plan auszufüllen“, so Andrea Spill, zumal viele auch schon Probleme mit dem Lesen hätten. Ausgesucht werde das Essen für 14 Tage. Eine vertragliche Bindung gebe es nicht, und man könne noch bis 8.30 Uhr am gleichen Morgen bestellen oder abbestellen. „Manchmal kommt ja Besuch oder ein Arzttermin dazwischen.“ Auf Wunsch gibt es noch einen Nachtisch für 30 Cent dazu.

Sönke Peters startet seine Tour durch Preetz und das Preetzer Umland bis nach Wankendorf. Er sehe manchmal leider auch nicht so schöne Dinge, erzählt er. Ein älterer Herr komme oft nur mit Windel bekleidet an die Tür. Peters hält an einem Mehrfamilienhaus und holt zwei Portionen aus dem Kofferraum, um zwei ältere Damen zu beliefern. Eine Station weiter wartet Ursula Fischbock (79). Ein Lieblingsgericht habe sie nicht, meint sie. „Obwohl, gestern gab es Braten mit Rotkohl, und Rotkohl mag ich schon gern.“ Beim nächsten Stopp wird er fröhlich begrüßt. Herbert Welge steht mit seinem Rollator im Garten, als der ASB-Mitarbeiter ankommt. „Ich bin zufrieden mit dem Essen“, lobt der 80-Jährige. „Für mich selbst zu kochen, das lohnt nicht.“

Fünf Gerichte stehen zur Auswahl

Der ASB bietet „Essen auf Rädern“ fast flächendeckend in Schleswig-Holstein an. Im Kreis Plön werden an sieben Tagen in der Woche – auch an Feiertagen – 140 bis 150 Mahlzeiten zu den 160 Kunden gebracht. Rund 20 Mitarbeiter starten täglich zu sieben Touren mit einer durchschnittlichen Länge von 75 Kilometern.

Gewählt werden kann aus einer Liste mit fünf Gerichten pro Tag. Da bei älteren Menschen Lebensmittelunverträglichkeiten zunehmen, wird auch gluten- und laktosefreies Essen angeboten. Alle Mahlzeiten werden ohne Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker oder künstliche Farbstoffe zubereitet. Auch Sonderwünsche wie pürierte Menüs werden erfüllt.

Kontakt: ASB-Regionalverband Plön, Stützpunkt Preetz, Wakendorfer Straße 9, Tel. 04342/889898, www.asb.de

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

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