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Ein Stein gab den Anstoß

Preetzer Forscher Ein Stein gab den Anstoß

Mit einem Findling auf Hof Hörnsee haben sich Barbara und Jens Meyer aus Preetz vor acht Jahren viel Arbeit eingebrockt. Der Stein entpuppte sich als eine archäologische Besonderheit: Seitdem dokumentieren die Meyers europaweit bis ins nördlichste Skandinavien Schalensteine.

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Dieser Stein brachte für Jens und Barbara Meyer aus Preetz vor sieben Jahren alles ins Rollen: „Seine Schälchen sind durch den Schnee gut zu erkennen.“

Quelle: Nadine Schättler

Preetz. Sie erkennen die kleinen Schälchen sofort. Wenn es Zweifel gibt, fühlen sie in den Vertiefungen mit ihren Fingern nach. „Die vom Menschen eingearbeiteten Schalen sind glatt und etwa ein bis zwei Zentimeter tief“, sagt Barbara Meyer. Natürliche Vertiefungen seien sehr viel unregelmäßiger und gröber. Das Ehepaar Meyer (beide 78) ist im Laufe der Jahre zu einem Experten-Team für Schalensteine geworden. Im November haben sie in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt sogar ein Buch herausgegeben, in dem mehrere hundert Schalensteine in Schleswig-Holstein gelistet sind. „Wir haben wirklich jeden gefragt, in Büchern gelesen, in Ämtern und Museen recherchiert“, erzählen die umtriebigen Senioren von ihrer steinigen Suche.

 Mehr als sieben Jahre haben sie dafür gebraucht. „Unser Vorgehen war völlig ziellos: Hier ein Herumstochern und da ein Herumstochern“, erklärt Jens Meyer. Unzählige Schleswig-Holsteiner haben die Preetzer dabei kennengelernt, in deren Stuben gesessen und ihre Wälder durchstreift. Einziger Anhaltspunkt blieb oft ein einfacher Hinweis. „Manchmal haben wir uns stundenlang im Kreis gedreht, bis wir den Stein endlich gefunden haben.“ So etwa im Sachsenwald, wo der Schalenstein als Teil eines Brückenbauwerks nur durch Tasten und mit einem darunter gehaltenen Spiegel zum Vorschein kam. Oder im Pinneberger Stadtwald, in dem keiner einen besonderen Felsbrocken zu kennen schien. Bis ihnen ein vierjähriges Mädchen vor die Füße lief, das genau Bescheid wusste.

 Den Stein ins Rollen brachte vor acht Jahren ein Nachbar, der von einem besonderen Findling auf Hof Hörnsee in der Gemeinde Pohnsdorf erzählte. Jens Meyer schaute sich den Felsbrocken an und erinnerte sich an den Schalenstein in der Preetzer Klosterkirche unter dem Orgelaufgang. Der Hörnseer Stein hatte die gleichen Vertiefungen. „Ich bin dann nach Schleswig zum Archäologischen Landesamt und habe gefragt, ob man den Stein kaufen kann“, erzählt Meyer. Heute liegt das pfundschwere Denkmal in seinem Vorgarten und ist zugleich der Ursprung einer jahrelangen wissenschaftlichen Recherche, für die Barbara und Jens Meyer im vergangenen November sogar mit der Goldenen Schaufel des Landes geehrt wurden. Doch viel wichtiger als die öffentliche Anerkennung ist dem Ehepaar wissenschaftliche Aufklärung. Ihr ganzes Leben haben sich der Versicherungskaufmann und die technische Zeichnerin mit der regionalen Geschichte befasst. Auf den Spuren der Wikinger reisten sie etwa bis nach Grönland. „Wir brauchen immer etwas zu tun: für den Kopf und für die Beine“, sagt Barbara Meyer. In diesem Jahr haben sie sich wieder Großes vorgenommen. Sie wollen nach Italien fahren, dort soll es in einer bestimmten Po-Region Felszeichnungen geben. Ob Schälchen eingearbeitet sind, interessiert sie ganz besonders, auch wenn sie selbst uneinig über deren Bedeutung sind. „Vielleicht haben sich die Menschen damals wirklich nichts dabei gedacht und nur aus Langeweile die Schalen eingearbeitet“, scherzt Jens Meyer angesichts einer erschlagenden Fülle von nicht belegten Theorien. Langeweile ist für den Pensionär eigentlich ein Fremdwort. Doch bevor die aufkommt, hat er neue Ideen: Die Entdeckung von Rillen im Gestein hat bei den Meyers den nächsten Stein ins Rollen gebracht.

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