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Wutkeulen bereiten Freude

Preetzer Werkstätten Wutkeulen bereiten Freude

Gut 430 Menschen mit Behinderung arbeiten in den Preetzer Werkstätten in verschiedenen Standorten im Gewerbegebiet Wakendorf. Sie sind „Dienstleister für die Wirtschaft“ und setzen zudem in Handarbeit eigene Ideen um. Ihre Druckerpresse und die Wutkeulen etwa finden Abnehmer in ganz Europa. Seitdem die Werkstätten einen Internetshop haben, boomt der Verkauf.

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Axel Schwark (Bereichsleiter Arbeit) und Schneidermeisterin Sabine Florian mit Wutkeulen, die auch schon bei einer TV-Produktion eingesetzt worden sind.

Quelle: Claudia Josefus-Szellas

Preetz. „Unsere Eigenprodukte wie Vogelhäuser, Bollerwagen, Zelte und Windmühlen sind ursprünglich mal entstanden, um Kapazitätslücken kreativ zu füllen“, erläutert Axel Schwark, Bereichsleiter Arbeit bei den Preetzer Werkstätten. In einem Laden werden diese Eigenprodukte auch vor Ort angeboten.

 „Vor über 15 Jahren haben hier wir eine Druckerpresse zu Ausbildungszwecken gebaut“, so Schwark weiter. Das Jahrhunderte alte Prinzip dieser Presse wurde schon beim ersten Bibeldruck eingesetzt. „Lange interessierte sich keiner dafür“, erinnert sich Schwark. Dank eigenem Ebay-Shop und Internetladen wurden auch die Druckermaschinen, die es in verschiedenen Größen und Ausführungen gibt, absolute Renner.

 „Ich kann Ihnen leider keine fertige zeigen“, begrüßt uns der Gruppenleiter und Schlossermeister Rolf Rahn. „Die letzte ist heute gerade raus, nun müssen wir neu produzieren.“ Etwa 380 dieser Stahlkonstruktionen, die „massiv gebaut und für die Ewigkeit sind“, wie Schwark sagt, sind verkauft worden. Österreich, Großbritannien, Irland, Spanien, Norwegen und viele andere Länder haben in Preetz geordert.

 „In vielen Künstlerforen wird über unsere Konstruktion berichtet. Sie ist als kleine Druckerpresse für Hobbykünstler gut geeignet und mit knapp 400 Euro bezahlbar“, so Rahn. Zusammen mit zwei Schlossern und 20 Menschen mit Behinderung wird hier per Auftrag die Tiefdruckpresse in Handarbeit hergestellt. „Bei Bedarf gibt es einen Austauschsatz, sodass man zudem Hochdruckverfahren einsetzen kann“, sagt er. Gut 20 Stunden dauert der Bau des kleinen Exemplars.

 Er zeigt ein Bild der Künstlerin Thekla Fuchs, „Die Höhle des Hephaistos“, das mit dem in Preetz gefertigten Gerät gedruckt wurde. „Sie hat es uns für die Werkstatt als Dankeschön geschenkt. Hephaistos war der Gott des Feuers und der Metallschmiede. Auch der Künstler Bernd Lohmann aus Soltau setzt unsere Pressen ein. Er hatte von der Arbeit gehört, kam her, schaute sich das an, und seitdem nutzt er sie.“ Rahn ist stolz auf seine Mitarbeiter und den unerwarteten Erfolg.

 „Seitdem wir unsere Waren im Internet anbieten, haben sich die Verkaufszahlen verdoppelt“, erklärt der pädagogische Leiter Thomas Rinke. Das komme den Arbeitenden zugute: „2014 konnten wir ein 13., 14. und 15. Gehalt auszahlen. Das ist natürlich eine tolle Motivation, zu sehen, dass das, was hier gefertigt wird, einen so großen Zuspruch hat.“

 267 kleine und 88 große Wutkeulen etwa entstanden in der Näherei der Preetzer Werkstätten. Und werden sogar Filmstars: „Für die ARD-Produktion ,Zeit der Reife’ haben wir 20 Exemplare hergestellt“, berichtet Schneidermeisterin Sabine Florian.

 Vor allem die Schweizer wüssten die Wutkeulen zu schätzen – zu Therapiezwecken: „Im Programm ,Wilde Rosen’ werden die Preetzer Wutkeulen eingesetzt, um Agressionen abzubauen“, weiß Sabine Florian.

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Claudia Josefus-Szellas

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