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Vogelkundler erfasst Elstern-Bestand

Probsteierhagen Vogelkundler erfasst Elstern-Bestand

Elstern kennt fast jeder. Doch wenige wissen, dass sie weder nur schwarz-weiß noch diebisch sind und auch nicht andere Arten gefährden. Der Ornithologe Wilfried Knief weiß sehr viel über sie – und nach einer Kartierung der gesamten Probstei weiß er jetzt auch genau, wo es noch Elstern gibt.

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Erst aus der Nähe betrachtet wird deutlich, dass die Elster ein farbenprächtiger Vogel ist.

Quelle: Thorsten Runge

Probsteierhagen. Der Vogelkundler aus Probsteierhagen war stets mit dem Rad unterwegs. „Die Distanzen sind zu Fuß zu groß. Ich bin bestimmt 1000 Kilometer gefahren“, sagt Knief. Schließlich müssten die Nester nicht nur gefunden, sondern mehrfach kontrolliert werden. „Man lernt seine nähere Heimat besser kennen“, schildert er einen Nebeneffekt.

„Hier zeigt sich ganz gut, wohin die Elstern sich orientieren“, sagt Knief in dem großen Park mitten in Wendtorf. „Um den Park herum haben sich drei Elsterpaare angesiedelt. Die Bedingungen hier sind geradezu ideal“, erklärt Knief, während er nicht nur auf ein Nest in einem Baum schaut, sondern auch eine Elster in der Luft und eine auf dem Rasen erspäht.

Wegen der starken Veränderung der Landschaft haben diese Vögel sich schon vor Jahrzehnten immer mehr aus der Feldmark zurückgezogen. „Jetzt ist diese Landflucht abgeschlossen“, sagt Knief. Weil Elstern seitdem vermehrt in die Dörfer und Städte gezogen sind, sei der Eindruck einer Bestandszunahme entstanden. Inzwischen mehren sich aber die Anzeichen, dass auch im Siedlungsbereich der Bestand rückläufig ist. „Die Bestandsentwicklung und Verbreitung von Vogelarten wie der Elster lässt oft direkt Rückschlüsse auf Veränderungen und den Zustand unserer Landschaft zu und macht die Kartierung über die rein vogelkundlichen Erkenntnisse hinaus interessant“, betont Knief.

Die Bestandserfassung der Elstern war eine Idee von Bernd Koop, der das Projekt der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft für den Kreis Plön organisiert hat. Knief hat die Probstei übernommen und jetzt den Abschlussbericht fertig. Demnach gibt es in der Probstei 60 Brutpaare. Die meisten zählte er in Schönberg (14), Laboe (sieben) und Stakendorf (fünf) sowie in Brodersdorf, Köhn und Wendtorf (jeweils vier). Da es eine Erfassung in dieser Form bisher nicht gab, fehlen exakte Vergleichsdaten. „Ich glaube nicht, dass der Bestand abgenommen hat, er hat sich nur umverteilt“, meint Knief.

Außerhalb der Orte gibt es keine Paare mehr. Durch den fast flächendeckenden Anbau von Wintergetreide und Raps breite sich früh eine geschlossene Pflanzendecke aus, die den Vögeln die Nahrungssuche am Boden erschwere, erklärt Knief. Deshalb bekämen kurzgrasige Flächen eine existenzielle Bedeutung: „Kein Wunder also, dass die meisten Elstern in den größeren Ortschaften brüten, wo ihnen ständig kurz gehaltene private und öffentliche Grünflächen Nahrung bieten.“

Singvogel mit schlechtem Ruf

Die Elster gehört ebenso wie die Krähe zu den Singvögeln. Die Oberseite ihres lang gestuften Schwanzes glänzt wie ihre Flügeldecken je nach Lichteinfall grün, blau oder purpurfarben. Elstern sind vor allem bei vielen Gartenbesitzern als Nesträuber und Singvogelkiller unbeliebt. Eier und Jungvögel gehören zwar tatsächlich zu ihrer Nahrung, überwiegend besteht diese aber aus Regenwürmern, Insektenlarven und kleinen Wirbeltieren. Untersuchungen zufolge gefährden Elstern keine andere Vogelart. Im Gegenteil: Wo viele Elstern leben, sind auch andere Arten besonders häufig. Für den Ruf als „diebische Elster“ könnte ihre ausgeprägte Neugier gesorgt haben, doch Fotos von Silberlöffeln und Brillen in einem Elsternest haben sich als Fälschung herausgestellt.

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Ein Artikel von
Thomas Christiansen
Ostholsteiner Zeitung

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