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Prüfer ohne Qualifikation

Spielplatz in Stakendorf Prüfer ohne Qualifikation

Bürgermeister Ernst Hansen war fassungslos, als er den Prüfbericht für den Spielplatz an der Peter-Plett-Arena in Händen hielt: Dem maroden Spielplatz, der bereits teilweise abgebaut war, bescheinigte die amtsweit tätige Prüffirma einen „guten Allgemeinzustand“.

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Bürgermeister Ernst Hansen an der Kletterwand von 1984: Die Prüffirma bescheinigt der maroden Anlage einen mangelfreien Zustand.

Quelle: Astrid Schmidt

Stakendorf. Die Gemeinde werde sich nicht länger an dem Rahmenvertrag des Amtes beteiligen, sondern eine eigenen Prüffirma beauftragen, kündigte Hansen an.

 1984 bauten die Stakendorfer mit ehrenamtlichem Einsatz auf rund 4000 Quadratmetern einen Spielplatz mit Kletterwand, Seilbahn, Rutsche, Schaukelanlage und Wippe. Vor zwei Jahren hatte der Tüv Nord bereits auf so gravierende Mängel wie fehlender Fallschutz bei den Geräten hingewiesen. Zudem waren das offene Geländer der Rutsche und die unverschlossenen Öffnungen im Gestänge des Recks bemängelt worden. Auch die strickleiterartigen Stufen der Kletterwand und die Holzklötze entsprachen nicht den Sicherheitsvorgaben.

 „Der Tüv Nord empfahl uns die Stilllegung“, sagt Hansen. Das hatte die Gemeinde dann vor, wollte die alten Geräte abbauen, neue wieder aufstellen. Umso mehr habe es ihn gewundert, dass im vergangenen Jahr im Rahmen der jährlichen Prüfung ein Protokoll samt Rechnung kam, in dem der Spielplatz als „normal“ bewertet wurde. „Das war für mich ein krasser Widerspruch. Außerdem habe ich von der Prüfung gar nichts mitbekommen. Ich hatte nie einen Prüfer gesehen“, erklärt Hansen.

 Daraufhin habe er im Amt Probstei darum gebeten, „dass sich künftig die Prüfer bei mir anmelden, damit ich bei der Prüfung dabei sein kann“, so Hansen weiter. Das geschah dann auch am 16. Juni. Der Inspekteur habe sich als „Zimmermann“ ausgewiesen und ihm im Gespräch erzählt, der habe die vorgeschriebene Qualifikation nicht, müsse aber 70 Spielplätze in der Woche abnehmen. Das konnte Hansen kaum glauben. Und noch ärgerlicher war er, als er jetzt das Protokoll (das wird für mehrere Gemeinden gesammelt an das Amt geschickt) sah. Ein Beispiel: Die Rutsche, offen und ohne Fallschutz, wird mit „keine Mängel vorhanden“ bewertet. Abschließend geht der Prüfer von einem „guten Allgemeinzustand der Anlage“ aus. Für Hansen ein Unding. Er weist auf die mit bloßem Auge sichtbaren morschen Stellen an Balken und die teilweise abgebauten Wipptiere hin.

 Amtsdirektor Sönke Körber zeigte sich auf Nachfrage überrascht von der Kritik aus Stakendorf. Bisher habe sich keine andere Gemeinde mit derartiger Kritik an ihn gewandt. Die Firma habe bei der gemeinsamen Ausschreibung 2013 die geforderten Normen (DIN EN 1176 sowie DIN SPEC 79161) erfüllt und als „günstigster Bieter“ den Zuschlag bekommen, berichtet der Amtsdirektor. Er habe die Firma aufgrund der Kritik aus Stakendorf angeschrieben und alle Zahlungen gestoppt. Die Firma habe inzwischen eingeräumt, dass der Inspekteur vom 16. Juni in der Tat die Qualifikation nicht hatte. Doch es habe ein zweiter, qualifizierter Inspekteur eine erneute Prüfung durchgeführt, quasi die Arbeit seines Kollegen kontrolliert.

 „Über vertragsrechtliche Konsequenzen denken wird zurzeit nach. Auch warten wir erst einmal ab, ob auch aus anderen Gemeinden Ähnliches berichtet wird“, so Körber. Es stehe jeder Gemeinde frei, sich an amtsweiten Ausschreibungen zu beteiligen oder selbst für eine Prüfung zu sorgen. „Eine Information ans Amt reicht aus“, erklärte der Amtsdirektor. Überdies mache für ihn das gemeinsame Ausschreiben solcher Leistungen Sinn: „Bisher zahlten die Gemeinden teilweise für die Prüfung 136 Euro, jetzt sind es 50 Euro.“

 Stakendorfs Bürgermeister Ernst Hansen sieht seine Haltung bestätigt: „Es geht nicht nur immer um billig, man muss auch auf die Qualität gucken, vor allem wenn es um die Sicherheit der Kinder geht.“

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