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Rätselraten um den grünen Citroën

Großharrie Rätselraten um den grünen Citroën

Seit sechs Wochen ist Ernst-Hinrich Blöcker aus Großharrie am Rätseln: Auf seinem Hof steht ein fremder Wagen, vom Halter fehlt jede Spur. Doch von alleine wird das Auto wohl kaum dorthin gekommen sein. Will hier nur jemand seine Rostlaube loswerden oder ist dem Besitzer etwas passiert?

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Herrenloses Geisterauto: Ernst-Hinrich Blöcker will wissen, wo der Halter des grünen Citroëns ist.

Quelle: Sven Tietgen

Großharrie.  Ernst-Hinrich Blöcker kann nur spekulieren, denn die Polizei vor Ort interessiert sich nicht für sein Geisterauto. Trotz mehrmaligem Nachfragen des besorgten Landwirts lehnten die Beamten eine Untersuchung ab – und schlugen sogar vor, das Auto auf Kosten Blöckers verschrotten zu lassen.

 Der grüne Citroën Xsara mit registriertem Kennzeichnen und gültigen Tüv stand eines Morgens nahe der Getreidewaage auf dem Hofgelände. Nach mehreren Tagen rief Ernst-Hinrich Blöcker bei der Polizeidienststelle in Wankendorf an. Dort hieß es, die Polizei könne nicht aktiv werden, da es sich um ein Privatgrundstück handelt und der Pkw nicht als gestohlen gemeldet ist. Der Landwirt solle doch bei der Zulassungsstelle nach der Anschrift fragen und den Halter per Einschreiben auffordern, das Auto zu entfernen. Das taten die Blöckers, allerdings ohne Erfolg: Der Adressat wohnte nicht mehr dort. Bei einem zweiten Anruf ermittelten Polizisten in Neumünster den neuen Wohnort des Halters, erneut sollte Blöcker ein Einschreiben versenden. Nachdem der Brief zurück kam, fuhr der 66-Jährige selbst zur Adresse, fand dort aber kein Namensschild vor. Er bekam es mit der Angst zu tun.

 „Wir haben gedacht, der Halter könnte tot im Getreidefeld liegen oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein. Wir fürchteten uns schon davor, zum Dreschen auf den Acker zu fahren“, erzählte Blöcker. Wiederholt rief er bei der Polizei an, eine Streife kam aber bis heute nicht auf den Hof. Dafür kam nach Angaben des Großharriers der Rat aus der Dienststube, den älteren Wagen zu verschrotten – auf eigene Kosten. Der Landwirt griff daraufhin zur Selbsthilfe, mit einem schweren Gabelstapler hob er das Fahrzeug weg von der Getreidewaage und setzte es behutsam an die Seite – der Platz an der Waage wurde für das Ernten gebraucht.

 Im Innenraum fand Blöcker Kleingeld, persönliche Dinge wie eine Lesebrille und eine handgeschriebene Liste mit Angelthemen. Im Kofferraum herrschte ein buntes Durcheinander aus Schuhen, Plastiktüten, einem Ball und Textilien. Ein halbes Jahr will Blöcker noch warten, dann soll der Pkw in Einzelteilen verkauft werden. „Man sagte mir zwar, ich bewege mich auf dünnem Eis, aber der Wagen soll hier auch nicht verrosten.“

 Die Polizei vermutet auf Nachfrage von KN-online Missverständnisse bei den Gesprächen zwischen Blöcker und den Beamten. „Da ist wohl einiges schief gelaufen in der Kommunikation“, sagte der Kieler Polizeisprecher Oliver Pohl. Aus seiner Sicht hätte der Betroffene nicht deutlich genug gemacht, dass auch ein Verbrechen oder ein Delikt vorliegen könnte. „Man muss deutlich einen Verdacht aussprechen, dann werden wir auch tätig, oder direkt bei der zuständigen Kripo anrufen“, führte Pohl weiter aus.

 Für Ernst-Hinrich Blöcker kommt das nicht in Frage: „Ich habe mehrfach telefoniert mit der Polizei und die Sache erzählt, das muss doch reichen.“

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