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Rechtsextremes Weltbild im Visier

Preetz Rechtsextremes Weltbild im Visier

Eine bemerkenswerte Ausstellung im Preetzer Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) lädt seit Mittwoch Jugendliche und Erwachsene dazu ein, sich mit dem Thema „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ zu befassen.

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Stefan Rochow (Dritter von rechts), der aus der rechten Szene ausgestiegen ist, war ein gefragter Gesprächspartner bei der Eröffnung der Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“, die die Lehrer Lisa Berek (Mitte) und Michael Howe (Dritter von links) nach Preetz geholt haben.

Quelle: Anne Gothsch

Preetz. Ein aktuelleres politisches Thema kann es derzeit nicht geben, denn nahezu täglich wird in den Medien über rechtsextreme Äußerungen oder gar Straftaten mit rechtsradikalem Hintergrund berichtet. In den begleitenden Vorträgen zur Eröffnung der Ausstellung, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung entwickelt wurde, machte Tim Gijsemans vom Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus (Beranet SH) deutlich, wie weitverbreitet rechtes Gedankengut selbst in der Mitte unserer Gesellschaft ist. So hätten zwar laut Statistik „nur“ 5,6 Prozent der Deutschen ein eindeutiges rechtsextremes Weltbild, doch antisemitische, rassistische oder fremdenfeindliche Einstellungen seien in allen Schichten der sogenannten demokratischen Mitte zu finden. Das fange bei abwertenden Äußerungen über Homosexuelle, Behinderte, Migranten oder Wohnungslose an und höre bei dem Ergebnis einer Umfrage noch lange nicht auf, nach der beispielsweise 76 Prozent der Befragten dafür plädiert hätten, bei Asylverfahren keinerlei Milde walten zu lassen.

 Gijsemans nannte auch konkrete Zahlen für Schleswig-Holstein: So gehörten derzeit 1070 Bürger rechtsextremistischen Gruppierungen an, davon würden 550 als gewaltbereit eingeschätzt. 2015 habe es 439 Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund gegeben, wobei sich diese Zahl nur auf die Fälle beziehe, die auf organisierte Rechte zurückzuführen waren. Dass es rechtsextreme Gruppierungen und Aktivitäten auch im Kreis Plön, in Eutin und Neumünster gibt, ist auf einer der Ausstellungstafeln mit Beispielen unterlegt.

 Viel zu kurz kamen leider die Ausführungen von Stefan Rochow, der als einstiger NPD-Funktionär und heutiger Leiter der Organisation Exit-Nord, die Menschen beim Ausstieg aus der rechtsextremen Szene unterstützt, eigentlich der interessanteste Gesprächspartner war. Der gebürtige Greifswalder, Jahrgang 1976, hätte aus persönlichem Erleben noch detaillierter berichten können, warum er sich nicht nur für rechtsextremes Gedankengut interessiert, sondern als NPD-Landtagsabgeordneter in Sachsen auch maßgeblich engagiert hat, wie sein persönliches Umfeld darauf reagierte und wie er nach 15 aktiven Jahren die völlige politische Kehrtwende geschafft hat. Doch in der halben Stunde Redezeit konnte der Journalist vieles nur anreißen.

 Die Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung ist auf Initiative der Geschichtslehrerin Lisa Berek und der Klasse 9c nach Preetz gekommen und kann noch bis 10. Juni jeweils von 9 bis 15 Uhr im FSG besichtigt werden. Die fachkundige Führung übernehmen Schüler der 9c, die dafür in einem Workshop extra geschult wurden. Schülergruppen anderer Schulen sollten sich anmelden, Tel. 04342/714920.

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