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Altersarmut: Engelen-Kefer sieht Verteilungskonflikt

Giekau Altersarmut: Engelen-Kefer sieht Verteilungskonflikt

Die ehemalige DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer ist bekannt als streitbare Kämpferin gegen soziale Ungerechtigkeit. In Giekau sprach die 73-jährige Professorin vor knapp 100 Mitgliedern des Kreisverbandes Plön im Sozialverband Deutschland (SoVD) zum Thema Altersarmut.

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Ursula Engelen-Kefer sprach in Giekau vor rund 100 interessierten Zuhörern.

Quelle: Orly Röhlk

Giekau. Landesvorsitzender Wolfgang Schneider hatte sie zur Herbsttagung eingeladen. Engelen-Kefer lebt in Berlin und kommt nach eigenem Bekunden immer wieder gern nach Kalifornien (Gemeinde Schönberg) in die Pension Seemöwe, um von dort ausgedehnte Strandspaziergänge zu unternehmen. In Giekau referierte sie über eine Stunde frei ohne Manuskript, mehrfach von Beifall unterbrochen, und machte sich stark für die aktuelle SoVD-Kampagne „Lieber nicht arm dran“.

„Wer lebenslang Beiträge bezahlt hat, muss eine anständige, Lebensstandard sichernde Grundlage haben“, verwies sie auf Daten des statistischen Landesamtes. Demnach seien 20.000 Menschen in Schleswig-Holstein in der Armutsfalle und verfügten über eine Rente von weniger als 773 Euro im Monat. Betroffen seien insbesondere Frauen, da sie häufig keinen sozial- und rentenversicherungspflichtigen Minijobs nachgehen und aus familiären Gründen unterbrochene Erwerbsbiografien haben. Viele Rentner seien auf Grundsicherung angewiesen, scheuten aber den Gang zum Sozialamt, damit nicht Einkommen ihrer Kinder herangezogen werden.

Tatsächliche Armut viel höher

Die tatsächliche Altersarmut schätzt Engelen-Kefer doppelt so hoch wie die Statistik. Sie nannte die Zahl von 14,5 Millionen Hartz-IV-Empfängern, darunter vier Millionen Kinder. „Sie haben ein Recht darauf, dass der Sozialstaat, den wir mitfinanziert haben, allen Personen ein auskömmliches Leben ermöglicht“, forderte sie Verteilungsgerechtigkeit. Die Riesterreform 2001 habe eine verheerende Entwicklung eingeleitet. „Nichts gegen private Absicherung, aber es ist nicht akzeptabel, dass sie mit der gesetzlichen Altersrente verrechnet wird. Viele haben nicht die Möglichkeit, einen Teil des Einkommens für die private Altersvorsorge abzuzweigen.“

Um eine alterssichernde Rente zu erreichen, müsse der gesetzliche Mindestlohn auf 11,60 Euro angehoben werden. Alle Beschäftigungsverhältnisse müssten sozialversicherungspflichtig sein, sieht Engelen-Kefer den Gesetzgeber in der Pflicht. Die Rentenreform werde 2017 im Wahlkampf Thema bleiben, „und wir werden uns einmischen. Die Finanzbranche hat Hunderte von Millionen Euro verbrannt, und wir müssen das alles bezahlen. Das ist kein Generationenkonflikt, das ist ein Verteilungskonflikt.“

Nach Schneiders Worten sei der SoVD wie ein Seismograph für das gesellschaftliche Problem. Der Verband zählt 8500 Mitglieder im Kreis, „so viele wie noch nie“. 145.000 seien es landesweit.

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