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Ein Schmuckstück für die Niederstraße

Lütjenburg Ein Schmuckstück für die Niederstraße

Es war Liebe auf den ersten Blick. Bei einem Spaziergang in der Niederstraße in Lütjenburg entdeckte der Architekt Klaus Niemann ein abbruchreifes Haus. Löcher im Fachwerk. Die Wände von Pflanzen überwuchert. Schäbig. Nun entsteht das denkmalgeschützte Gebäude neu.

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Margrit und Klaus Niemann vor ihrem Haus in der Lütjenburger Niederstraße: Das Ehepaar lässt das 200 Jahre alte Gebäude stilecht sanieren.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Klaus Niemann und seine Frau Margrit lieben alte Dinge. Das Haus Nummer 3 aus dem Jahr 1828 passt zu ihrem Lebensstil und in ihre Lebenszeit. Das 78 und 71 Jahre alte Paar wohnte bisher bei Altenholz in einem Haus mit großem Grundstück. Alles sehr ländlich einsam. Im Alter wollten sie Arzt und Einkaufsmöglichkeiten zu Fuß erreichen. Alles in der Nähe haben. Die Niederstraße in Lütjenburg schätzen sie jetzt schon dafür.

In Absprache mit der Denkmalpflege setzen sie das Haus instand. Das Fachwerk liegt innen so weit wie möglich offen. Es ist nur dort verputzt, wo eine Innendämmung notwendig war. Den Backsteinen sieht man ihr Lebensalter an. Ein bisschen schrumpelig, starke Farben, verwaschene Oberfläche noch mit ein bisschen Putz und Farbe darauf. „Schön ruppig. Wände, wie man sie in Venedig findet“, beschreibt Klaus Niemann die Struktur. Was andere möglichst schnell übertünchen würden, das pflegen die Niemanns gerade als Stilelement auf ihren 140 Quadratmetern Wohnfläche. Die Holzfenster natürlich mit Sprossen. Ein Tischler arbeitet derzeit die historische Eingangstür auf, die bald wieder eingesetzt wird. Im Bad ist ein uralter Wandschrank aus groben Brettern gezimmert. Auch der bleibt.

Die gesamte Haustechnik bis zum letzten Kabel und Wasserrohr ist neu und auf modernstem Stand. „Das Haus hält damit noch weitere 100 Jahre.“ Auf der Vorderseite des Hauses lassen sich noch Schriftzeichen an der Wand erkennen, die auf die Läden hinweisen, die hier in den vergangenen 200 Jahren untergebracht waren. Die verblichenen Buchstaben sind mit einer Chemikalie fixiert, damit sie nicht weiter abblättern. Die uralte Werbung gehört mit zum Denkmal. Margrit Niemann, die als junge Frau in Lütjenburg lebte, kannte sogar den Inhaber von Tabak Hein noch persönlich.

Begeistert ist der Architekt Niemann vom Keller, der einen Fußboden aus alten Backsteinen hat. Die Wände sind aus großen Natursteinen gemauert. „Leider ist die Zeit der Partykeller vorbei. Aber das wäre einer.“ Die besondere Atmosphäre des Hauses lockte auch einen der bekanntesten Lütjenburger an: Rocko Schamoni. Viele Szenen aus seinem verfilmten Roman Dorfpunks entstanden in der Niederstraße 3. Die Niemanns vermuten, dass für die Filmaufnahmen manche Zwischenwände weichen mussten, die sie zum Teil wieder aufmauern ließen. Aber ein bisschen stolz, dass ihr Haus in dem Film vorkommt, sind sie schon.

Ende September ziehen die beiden ein. Auch wenn es bis dahin hier und da immer noch nach Baustelle aussieht. Aber es reicht dem Ehepaar. Der frühere Laden verwandelt sich dann später in ein offenes Atelier, in dem die ehemalige Lehrerin und Kunststudentin Margrit Niemann ihre Bilder, kleinen Objekte und Skulpturen zeigt. Besucher, die ihr bei der Arbeit zuschauen wollen, sind ausdrücklich willkommen.

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Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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