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Mit Gebrüll in die Arena

Römerlager in Lütjenburg Mit Gebrüll in die Arena

Wenn Kampfrichter André Tippner alias Taurus mit seiner gewaltigen Stimme losbrüllt, dann sind alle Zuschauer auf einen Schlag hellwach: „Gladiatores ad arenam“ (lateinisch: Gladiatoren in die Arena). Und gleich stapfen sechs römische Kämpfer auf das Schlachtfeld neben der Lütjenburger Turmhügelburg.

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Der Gladiator Cerberus (Alex Kulisch, links) versucht, mit seinem Dreizack das Bein von Pullus (Daniel Rosenblender) zu treffen. Sein Netz hatte Cerberus in diesem Kampf schon eingebüßt.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Nach einer halben Stunde Schaukampf wissen die Besucher: Ein Gladiatorenleben vor 1800 Jahren währte länger als angenommen. Und die Schwert- und Dreizackträger heutiger Zeit dürfen sich nicht sicher sein, heil aus der Arena zu steigen.

Alex Kulisch nennt sich Cerberus, wenn er zum Gladiatorenkampf geht. Das macht er an diesem Wochenende auf dem großen Römerlager in Lütjenburg, das parallel zum Mittelalterlager aufgebaut ist. Der Ergotherapeut tritt in der Kluft eines Retiarius auf, der mit einem Netz, kurzem Schwert und einem Armschutz bewaffnet ist. Der Gegner heißt in diesem Fall Daniel Rosenblender. Der nennt sich zwar nur Pullus (Hühnchen), ist aber als Provokator mit Großschild und Schwert deutlich im Vorteil. Nach dem Kommando „Pugnate“ (Kämpft) bekommt Cerberus ein ums andere Mal das Schwert seines Gegners zu schmecken, der im Zivilberuf Vertriebsingenieur ist. Am Ende bittet Taurus die über 100 Zuschauer um die Entscheidung. Soll Cerberus leben oder sterben? Da die meisten Menschen „Vitam“ rufen, bleibt er verschont.

 Es war auch früher eher die Regel, dass die Gladiatoren lebendig blieben, weiß Taurus alias André Tippner. Gladiatoren waren Profi-Sportler, deren einjährige Ausbildung und Verpflegung viel Geld kostete. Nicht, dass die Römer etwas gegen Blut und Tod gehabt hätten, aber die Wirtschaftlichkeit ging vor. „Man stelle sich einmal vor, der FC Bayern München verliert das erste Saisonspiel in der Bundesliga und alle Spieler würden hingerichtet. Das kann sich keiner leisten“, erklärt er dem Publikum. Nur etwa bei jedem zehnten Kampf kam damals ein Gladiator ums Leben.

 Die Hobby-Kämpfer gehen nicht zimperlich miteinander um. Die Schwerter klatschen auf die Schilde. Das Hauen und Stechen endet erst nach einem Körpertreffer. Der ist nicht immer harmlos. Ein Teil eines Dreizacks rutscht im letzten Kampf des Tages durch eine kleine Helmöffnung, durch die ein Provokator schaut. Auch wenn die Spitzen mit runden Teilen entschärft sind, gibt es eine Platzwunde über dem Auge, die ziemlich blutet. Doch der Kämpfer zieht lächelnd mit Blutstropfen auf der Brust an seinem Publikum vorbei. Auch heutige Gladiatoren sind offenbar hart im Nehmen.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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