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Hohwachter Original geht in Rente

Rolf-Dieter Peters Hohwachter Original geht in Rente

Die Ostsee plätschert sanft. Die Sonne scheint ein wenig. Windstille. So einen Arbeitsplatz wünscht sich jeder. 56 Jahre lang saß Rolf-Dieter Peters am Strand von Hohwacht und vermietete Strandkörbe. Nun macht die Ostsee-Legende aus gesundheitlichen Gründen Schluss.

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Seit 56 Jahren vermietete Rolf-Dieter Peters Strandkörbe in Hohwacht. Nun geht der 74-Jährige in den Ruhestand.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Hohwacht. Dunkle, markante Stimme. Ein braun gebranntes Gesicht. Ein grauer Bart. Fast könnte man den 74-Jährigen für einen Seemann halten. Doch sein Platz ist 20 Meter vom Meer entfernt. 10.000 Tage habe er wohl hier gesessen, rechnet er nach. Im Frühjahr die Strandkörbe auf den Rücken gewuchtet und an ihren Platz gestellt. Im Herbst die ganze Prozedur noch einmal, nur umgekehrt. Er könne immer noch einen Strandkorb tragen, aber nur wenn er ihn vom Lkw hebt. Vom Boden hoch? Nee, das schafft er nicht mehr. Die linke Schulter ist kaputt und auch das linke Becken. Als ein Freund, der bei der Vermietung aushilft, im Frühjahr überraschend stirbt, fällt Peters seine Entscheidung: Er verkauft seinen Betrieb mit zuletzt 106 Strandkörben. Neuer Eigentümer ist der Gastronom Matthias Schuschies aus Hohwacht.

Eigentlich will Rolf-Dieter Peters Kfz-Mechaniker werden. Mit eigener Tankstelle und Werkstatt an der Fehmarnsund-Bücke. Das ist alles schon geregelt. Dann trifft ein Schicksalsschlag die Familie. Sein Vater erkrankt schwer und er muss das Geschäft mit den Strandkörben übernehmen. Korbflechten im Winter statt Zündkerzen wechseln. Von 9 bis 20 Uhr steht er von da an seinen Kunden zur Verfügung. Auf den drei Kilometern vom Sportboothafen Lippe bis zur Steilküste bei Alt-Hohwacht darf sich jeder Gast seinen Lieblingsplatz aussuchen. Peters parkt den Strandkorb wie gewünscht mit Trecker und Anhänger um. Kundenservice. Der ist ihm immer ganz wichtig gewesen. In der Pension schlafe der Gast nur, am Strand sei er hellwach. „Und da muss er sich wohlfühlen.“

Er freut sich auf Angeltouren mit seinem Motorboot

Wenn am 1. Oktober der letzte Strandkorb eingeholt ist, ist Schluss. Peters freut sich auf sein Motorboot, das in der Vergangenheit kaum aus dem Hafen Lippe herausgekommen ist. Nun soll es regelmäßig auf die Ostsee zum Angeln gehen. Und bei seiner Tochter, die in Lippe Räucherfisch verkauft, will er helfen. Und natürlich die Jagd. Und seine alten Stammkunden am Strand werde er auch besuchen. Das erwarten die. So richtig in Ruhestand geht Peters wohl nicht.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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