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Über 20 Jahre vorbildliche Entwicklungshilfe

Sahel e.V. Über 20 Jahre vorbildliche Entwicklungshilfe

An diesem Wochenende treffen sich im Seehof bei Plön 88 Mitglieder des Vereins Sahel. Die Entwicklungshelfer sind seit über 20 Jahren in Burkina Faso auf Initiative der Plönerin Katrin Rohde tätig. Sie zeigen eine Zusammenarbeit, wie sie besser nicht funktionieren könnte.

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Kathrin Rohde, ehemalige Buchhändlerin aus Plön und Preetz, hat mit dem Verein Ampo im westafrikanischen Burkina Faso ein soziales Zentrum errichtet, das weltweit seinesgleichen sucht. Gemeinsam mit Dénis Yameogo, dem Leiter der Krankenstationen, war sie zur Jahresversammlung des Vereins Sahel, der die Ampo-Arbeit finanziell trägt, angereist.

Quelle: Peter Thoms

Plön. Der Verein Sahel e.V. wurde 1988 gegründet, die Hilfsorganisation Ampo (Association Managré Nooma pour la Protection des Orphelins) 1995. Der Verein in Deutschland (mittlerweile mit Ablegern in Dänemark, England und der Schweiz), die Hilfsorganisation im westafrikanischen Burkina Faso. Der Verein in einem der reichsten Länder der Welt, die Hilfsorganisation in einem der ärmsten und am wenigsten entwickelten Staaten der Erde. Größer können Unterschiede eigentlich nicht sein, aber dank der Beharrlichkeit und Überzeugungskraft von Katrin Rohde aus Plön sind Sahel und Ampo zu einer Einheit geworden, die als ein Vorbild für jegliche Entwicklungshilfearbeit auf der Welt dienen kann.

Inmitten der Millionenstadt Ouagadougou ist im Laufe der Jahre ein soziales Zentrum entstanden, das nichts mehr mit dem gemein hat, was Katrin Rohde eigentlich plante: „Als ich meine Buchhandlungen in Plön und Preetz verkauft hatte und nach Burkina Faso ging, wollte ich mich um acht, neun Straßenjungen kümmern und ansonsten ein einfaches Leben in Afrika führen,“ erinnert sie sich an die Anfänge. „Ich wollte Liebe und Zuwendung vorleben, damit die jungen Menschen diese Erfahrungen weitergeben können.“ Die hohe Kindersterblichkeit (dort erlebt jedes fünfte Kind den sechsten Geburtstag nicht) und die Idee, den afrikanischen Kindern und Jugendlichen eine Zukunft im eigenen Land zu ermöglichen, ließen Katrin Rohde nicht ruhen: Nach und nach bekam das erste Waisenhaus Gesellschaft: das Haus Mia-Alma zum Beispiel, wo junge Frauen und Mädchen in verzweifelter Lage untergebracht sind und eine Ausbildung absolvieren können, oder das Haus Linda, wo man sich intensiv um unterernährte Babies und deren Mütter kümmert. Krankenstationen, wo Patienten gegen eine symbolische Bezahlung von 15 Cent behandelt werden, eine Landwirtschaftsschule, und selbst ein Restaurant gehören zur Ampo-Infrastruktur.

Mittlerweile auch politisch angekommen

Wer von Ampo unter die Fittiche genommen wird, habe allerbeste Chancen auf schulische und berufliche Ausbildung und müsste sich daher nicht auf die gefährliche Flucht in ein vermeintlich besseres Land fern der Heimat einlassen, so Katrin Rohde: „Wir werden nicht müde, unsere Schützlinge darüber aufzuklären, dass das Geld in Europa eben doch nicht auf der Straße liegt.“

Eine Entwicklung, die inzwischen auch auf höchster Ebene registriert wird. „Nach einer Revolution und zwei Militärputschen ist in dem Land inzwischen Ruhe eingekehrt“, so Katrin Rohde, „und der erste frei gewählte Präsident Roch Marc Christian Kaboré nimmt uns wahr – vor Kurzem erst wurden zehn Schafe und eine große Menge Zucker als Geschenk des Präsidenten bei uns abgegeben.“

Am Wochenende wird in Plön die Bilanz der über 20 Jahre dauernden Erfolgsgeschichte gezogen. Katrin Rohde hat dabei weit angereiste Mitstreiter an ihrer Seite: Andrea Reikat, die Projektkoordinatrin vor Ort in Burkina Faso sowie Dénis Yameogo, der Leiter der Ampo-Krankenstationen und einer der sechs Direktoren des Projekts. Die beiden sind wie 148 weitere Mitarbeiter in Burkina Faso Garanten dafür, dass jeder Spende, die der Verein Sahel einwirbt, auch wirklich bei dem Projekt Ampo ankommen: „Die Mitarbeiter arbeiten alle mit Seele – das ist wichtiger als ein Diplom“. 

Tagung zeigt Entwicklungen

Der Verein Sahel, der gemeinsam mit Ampo für den Erfolg steht, ist eher familiärer Natur: 88 Mitglieder sind es bundesweit, von denen rund die Hälfte zur dreitägigen Tagung in den Seehof bei Plön gekommen sind. „Nur“ 88 Mitglieder, die noch nicht einmal Mitgliedsbeiträge entrichten, wie Babette Otto von der Sahel-Geschäftsstelle in Plön einräumt, die aber mit übergroßem Engagement dafür sorgen, dass Katrin Rohdes Traum noch lange nicht ausgeträumt ist. Die Ampo-Gründerin selbst ist den größten Teil des Jahres in ganz Deutschland unterwegs, um in Vorträgen für ihre Sache zu werden, während „ihre“ Mitglieder am gleichen Strang ziehen: Die einen wünschen sich statt Geschenken zum Geburtstag Spenden für Sahel, die anderen begeistern Schüler und Kulturträger zu Benefizveranstaltungen zugunsten von Sahel/Ampo. Ein konkretes Beispiel für wohltätiges Engagement liefert zum Beispiel Ute Leifert aus Wanne-Eickel, die ebenfalls nach Plön gekommen war: Die Ärztin im Ruhestand konnte ehemalige Kollegen überreden, drei jungen Frauen die Ausbildung zur Hebamme zu finanzieren. Die dafür erforderlichen 15.000 Euro kamen schnell zusammen, und Ampo-Mitarbeiter stellen sicher, dass das Geld dort auch angekommen ist  – Entwicklungshilfe, wie sie besser nicht funktionieren kann.

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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Plön
Foto: Gemeinsam mit den Läufern der Sexta a überreichten die Schülervertreter des Gymnasiums Schloss Plön (von rechts) Timo Menzel, Alvar Bohrmann, Charlotte Butting und Alina Kelbing einen symbolischen Scheck über 8608,34 Euro für den Hilfsverein Sahel an dessen Mitarbeiterin Babette Otto.

4956 Kilometer bewältigten die Schüler des Gymnasiums Schloss Plön an ihrem sozialen Lauftag und sammelten mit dieser Leistung 8608,34 Euro ein.

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