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Die Last der Schlichter nimmt zu

Schiedsleute Die Last der Schlichter nimmt zu

Der Geruch vom Grill des Nachbarn nervt, der Baum hängt ständig über seine Grenze und der Lärmpegel ist oftmals viel zu laut – alles Probleme, bei denen es schnell zum Streit kommt. Sind diese im Gespräch nicht lösbar, kann ein Schiedsmann vermitteln, bevor ein Gerichtsverfahren nötig ist. Jedoch lassen sich immer weniger Ehrenamtler hierfür finden.

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Manfred Schiller ist Schiedsmann in Preetz.

Quelle: Claudia Josefus-Szellas

Preetz. Ein Aktiver ist Manfred Schiller. Er ist seit fünf Jahren in Preetz im Einsatz. Sein Posten wird nach dieser Zeit ausgeschrieben. „Die Amtsperiode ist beendet, und dann muss die Gemeinde neu wählen lassen“, berichtet Schiller. Das ist jedoch nicht immer einfach, wie man an dem Beispiel Schwentinental sieht: Dort ist die Frist für Bewerbungen bereits verstrichen, ohne dass es einen Interessenten gibt. „Wir suchen für die Ortsteile Raisdorf und Klausdorf jeweils Schiedsleute“, so David Ohle aus der Verwaltung. Zum Juli endet hier die Zeit der zwei Amtierenden.

 Schiller weiß, weshalb es schwer ist, Menschen für diese Arbeit zu gewinnen: „Vom Prinzip muss man erst einmal 60 Stunden Lehrgänge machen, bevor man anfangen kann.“ Denn zum Rüstzeug des Schiedsmannes gehören rechtliche Grundlagen. Diese werden in Lehrgängen etwa für Zivilrecht, Strafrecht, Nachbarschaftsrechts und Mediation vermittelt. „Auch vor dem Papierkram und dem Protokollieren schrecken viele zurück.“

 Für Schiller ist das Amt eine Passion: „Wenn ich in Preetz am Markt im Café sitze, dann vergeht kein Tag, an dem ich nicht auf Streitigkeiten angesprochen werde und Menschen um meine Hilfe bitten.“ Der Pensionär berichtet aus der Praxis: „Gut fünf große Fälle, wo meist schon Anwälte involviert sind, habe ich pro Jahr.“ Etwa 50 Arbeitsstunden würden hierbei anfallen. Rund 40 Streitigkeiten unter Nachbarn versuche er jährlich zu schlichten. „Es ist nicht immer einfach, aber es macht viel Spaß, wenn man einen Konsens zwischen zwei Parteien hinbekommt.“

 Erwirkt der Schiedsmann eine Einigung, wird diese protokolliert und hat 30 Jahre Rechtsgültigkeit. Das Prozedere läuft wie folgt: „Die geschädigte Person stellt einen Antrag auf Anberaumung einer Schlichtungsverhandlung. Die Schiedsperson, in deren Bezirk die Gegenpartei wohnt, ist für den Fall zuständig“, erläutert Schiller. Der Schiedsmann lädt hiernach zum Gespräch: „Entweder im nicht-öffentlichen Raum bei der Gemeinde, in einer Gaststätte oder bei sich zu Hause. Ein persönliches Erscheinen ist Pflicht.“ 80 Prozent aller Nachbarschaftsprobleme seien mit einer Einigung beendet. Gleiches gelte für Körperverletzung oder Beleidigungen.

 Diplom-Rechtspfleger Michael Schneider vom Amtsgericht Plön überprüft alle zwei Jahre, ob die Schiedspersonen ihre Kurse belegt haben und wie die Protokollbücher geführt sind. „Die Parteien sind in der Regel sehr dankbar, wenn ein Streit geschlichtet worden ist.“ Wer sich nicht vor Gericht sehen muss, der spare zudem viel Geld, wenn er den Schlichter davor schalte.

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Claudia Josefus-Szellas

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