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Kaum Misstöne bei Flüchtlingsdebatte

Schill-Kaserne Kaum Misstöne bei Flüchtlingsdebatte

Rund 600 Menschen verfolgten am Donnerstag die Einwohnerversammlung zum Thema Flüchtlingsunterkunft in der Schill-Kaserne in Lütjenburg. Innenminister Stefan Studt und ein Dutzend Vertreter von Polizei, Ausländerbehörde und Rotem Kreuz stellten sich zweieinhalb Stunden den Fragen der Bürger.

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310 Lütjenburger fanden einen Platz auf einem Stuhl in der Mensa des Schulzentrums. In etwa noch einmal soviel verfolgten die Diskussion zum Thema Flüchtlingsunterkunft über zweieinhalb Stunden im Stehen.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Bis auf wenige Misstöne blieb die Stimmung sachlich und entspannt. Wer den Applaus für die Wortbeiträge als Gradmesser nimmt, stellt überwiegend Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung fest.

 Der Fahrplan für die Einrichtung der Unterkunft steht. Ende November, spätestens Anfang Dezember treffen die ersten Flüchtlinge in Lütjenburg ein. 600 sollen es in der ersten Phase sein. Im nächsten Jahr kommen weitere 400 Plätze hinzu. Lütjenburg ist für die Flüchtlinge nur eine Übergangsstation. Sie wechseln in der Regel nach einigen Wochen in Quartiere von Städten und Gemeinden.

 Innenminister Studt wollte sich nicht darauf festlegen, wie lange die Einrichtung in der Stadt mit ihren 5500 Einwohnern bestehen bleibt. „Die Welt ist so sehr in Unordnung geraten, dass ich das nicht mit absoluter Sicherheit sagen kann.“ Die Kaserne ist zunächst für fünf Jahre kostenfrei vom Bund angemietet worden.

 Bürgermeister Dirk Sohn sah sich immer wieder mit falschen Annahmen konfrontiert. Ein Bürger fragte, ob nun das Seniorenheim und der Landmaschinenhandel ihre Pläne wegen der Flüchtlinge zurückgezogen hätten und sich nicht auf dem Gelände ansiedeln wollten. Sohn: „An diesen Gerüchten ist nichts dran. Punkt.“ Auch die Behauptung eines erbosten Bürgers, die Mitarbeiter der Tafel müssten wegen der Flüchtlinge zwölf Stunden pro Tag arbeiten, wies eine Vertreterin der Einrichtung als falsch zurück.

 Heiko Hüttmann, ranghoher Polizist, der sich um den Aufbau der Unterkünfte kümmert, warnte vor überschäumenden Gerüchten in der Bevölkerung. So ging herum, dass ein Supermarkt unter Ladendiebstählen zu leiden habe und eine Frau in einer Unterkunft vergewaltigt worden sei. Hüttmann: „Das ist erstunken und erlogen.“ Er ermunterte die Bevölkerung, den Kontakt zur Polizei zu suchen. Die Behörde ist mit sechs Beamten im früheren Stabsgebäude präsent.

 Einige Male erzählten Frauen von ihrer Angst vor den vielen Männern unter den Flüchtlingen. Sie äußerten die Befürchtung, belästigt zu werden. Das wies Wilderich von Dalwigk vom DRK zurück. Seine Organisation übernimmt die Betreuung in Lütjenburg. Sehr viele Frauen arbeiteten in den Reihen des DRK problemlos in der Unterkunft Putlos. „Da ist noch nie etwas passiert.“ Im Gegenteil. Er nehme die Menschen als höflich und respektvoll war. „Die stehen auf, wenn eine Frau in den Raum kommt und setzen sich erst wieder hin, wenn sie Platz genommen hat.“

 Einige Bürger wollten wissen, wie man den Flüchtlingen helfen kann. Das DRK richtet eine Kleiderkammer in der Kaserne ein, wo vor allem Kleidung in den Größen S und M gespendet werden kann. Die Stadt ist in Gesprächen, um Angebote für die Flüchtlinge zu organisieren.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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Lütjenburg
Foto: Die Arbeiten für die Instandsetzung der Mannschaftsquartiere auf dem Gelände der früheren Schill-Kaserne haben begonnen.

Der Umbau der früheren Schill-Kaserne in Lütjenburg zu einer Flüchtlingsunterkunft hat begonnen. Bis zu 1000 Menschen sollen hier einen Platz finden. Bis Jahresende werden 600 Menschen erwartet.

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