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Sie arbeitet für die Kita-Gebühren

Schönkirchner Mutter in Not Sie arbeitet für die Kita-Gebühren

Bis vor Kurzem hatte Annika Grote (37) aus Schönkirchen noch einen gut bezahlten Job im Gesundheitsmanagement in Eutin. Doch während der Elternzeit mit ihrem zweiten Kind Mattis (acht Monate) wurde ihr klar: Das rechnet sich alles nicht. Und kündigte.

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Für Annika Grote (37) aus Schönkirchen rechnet sich der Job an ihrem heimischen Arbeitsplatz durch die hohen Betreuungskosten ihrer Kinder kaum.

Quelle: Nadine Schättler

Schönkirchen. Jetzt arbeitet sie von ihrem Arbeitsplatz zu Hause als Mitinhaberin eines Pflegediensts in Hannover auf 450- Euro-Basis. Davon bekommt sie abzüglich Pflichtversicherung und Rente 409 Euro ausgezahlt. Für die Betreuung ihrer Kinder in einem gemeindlichen und einem privaten Kindergarten in Schönkirchen zahlt sie jeden Monat insgesamt 420,50 Euro und hat trotzdem für keines der Kinder einen Vollzeitplatz. Das bedeutet, das sie ihre große Tochter Antonia (3 Jahre) jeden Tag um 12.15 Uhr abholen muss. Danach wird zu Hause Mittag gegessen. „Das würde uns sonst nochmal 55 Euro pro Monat kosten“, sagt Annika. Schon jetzt sei ihre Arbeit für Ehemann Carsten ein Zuschussgeschäft, als Entwicklungs-Ingenieur ist er der Hauptverdiener der Familie. Für Annika selbst ist ihr Beruf zu einer Art Hobby geworden. „Es geht nur darum, im Thema zu bleiben.“

Mit den geplanten Erhöhungen der Elternbeiträge in Schönkirchen wird sich die Situation von Annika nochmal verschlechtern. Sie rechnet damit, dass sie rund 50 Euro mehr, insgesamt 470 Euro für die Betreuung zahlen muss. Ohne Mittagessen, ohne Vollzeitplatz. Würde sie das Rund-um-Sorglos-Paket bis 15 Uhr buchen, käme sie schnell auf 700 Euro pro Monat für ihre beiden Kinder. Das ist fast das Doppelte von dem, was sie jetzt verdient. „Für jede Mutter ist das Abwägen ihrer Berufstätigkeit ein Drahtseilakt.“ Besonders im Niedriglohnsektor, weiß Annika aus ihrer Erfahrung als Arbeitgeberin, lohnt sich der Job oft gar nicht. Dennoch hat sie Verständnis dafür, dass Eltern für die Qualität der Kinderbetreuung etwas zahlen müssen. „Aber es hat Grenzen.“ Und: Es sollte auch auch an strukturellen Defiziten gearbeitet werden. Annika Grote würde sich beispielsweise mehr Arbeitnehmerfreundlichkeit und Flexibilität in den gemeindlichen Einrichtungen wünschen. Wenn sie nämlich ihrer Tochter zum Mittag etwas von Zuhause zu essen mitgeben dürfte, hätte sie bei gleich bleibenden Betreuungskosten eine dreiviertel Stunde pro Tag mehr Zeit zum Arbeiten.

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Nadine Schättler

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