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Schreiben gegen den Krebs

Dirk Ehrke aus Dannau Schreiben gegen den Krebs

Die Ärzte geben für Dirk Ehrke (52) keine Prognose ab, wie lange er noch lebt. Eine sehr seltene Krebsart hat seine Leber und den Darm befallen. Seit vier Monaten führt der Dannauer eine Art Tagebuch und Ratgeber bei Facebook. 570 Menschen verfolgen die Seite „Dirk und dann kam der Krebs“.

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Dirk Ehrke spielt mit dem Hund „Jack“, der seinen Namen Captain Jack Sparrow („Fluch der Karibik“) verdankt, der ebenfalls dunkel umrandete Augen hatte.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Dannau. Den gelernten Gärtner plagen im Juli vergangenen Jahres heftige Nierenschmerzen. Nach vier Wochen steht die Ursache dafür fest. Ein großer Tumor drückt auf den Harnleiter. Eine Diagnose, die Ehrke, seine Frau und seine zwei Söhne (13 und 16 Jahre) wie ein Hammerschlag trifft. Es folgen sechs Chemo-Blöcke mit Übelkeit und Haarausfall. Immerhin: Der Tumor und die Metastasen sind kleiner geworden. Der Krebs ist zwar nicht besiegt, aber gebremst. Mehr können die Ärzte nicht tun. „Das kann aber schnell umschlagen und wieder wachsen.“

 Ehrke informiert sich intensiv über Krebs, liest auf Blogs im Internet von Betroffenen. Zum Jahreswechsel beginnt er selbst zu schreiben, sich mitzuteilen, andere zu informieren. Jeden Tag sitzt er mehrere Stunden an seinem Tablet. „Das Bloggen tut mir gut.“ Es ist auch eine Therapie für ihn. Da er körperlich geschwächt ist durch den Krebs, findet er so zu einer Aufgabe. Für viele Betroffene und Angehörige ist er zu einem Ratgeber geworden. Sie stellen ihm Fragen nach dem Krebs. Ehrke versucht, Mut zu machen, offen zu antworten. „Krebs ist kein Todesurteil, das morgen vollstreckt wird. Das Leben kann noch lange gehen.“

 Die Krankheit akzeptieren und das Beste daraus machen, so lautet seine Botschaft. „Es gelingt mir irgendwie, die Leute aufzubauen und ihnen Mut zu machen“, berichtet er über seine Kontakte im Internet. Das gibt ihm ein Gefühl, dass er auch in seiner Situation anderen helfen kann. Ein gutes Gefühl. Für sich hat er ein Bild gefunden, das ihm Mut macht: Ein Boxer, der schon vor einem Kampf zu sich sagt, dass er verlieren wird, der wird auch verlieren. Man muss kämpfen.

 So eine Kämpferin ist Viola Helms, die Ehrke für ihre Haltung bewundert. Die junge Frau schreibt ebenfalls auf Facebook und war schon im Fernsehen zu sehen. Sie wird noch in diesem Jahr sterben, sagen die Ärzte. „Und dabei strahlt sie immer noch so viel Positives aus.“

 Auch umgekehrt erfährt er Aufmunterung. Eine seiner Leserinnen schickte ihm ein Foto von einer Kerze, die sie in einem Andachtsraum im Vatikan in Rom aufgestellt hat. Extra für Dirk Ehrke. „Ich habe geheult, als ich das gelesen habe.“

 Von den rund 100 Krebs-Bloggern in Deutschland, die er kennt, sind vier in den vergangenen Monaten verstorben. Er trauert mit. Für ein junges Mädchen namens Nessy fährt er an den nahen Ostseestrand und macht eine Aufnahme einer Trauerkerze. Das Meer und der Himmel im Hintergrund. Das habe sie so geliebt. Das Foto steht auf einer Sonderseite, die die Trauergemeinde im Internet für die verstorbene Nessy eingerichtet hat.

 Aus seiner Erfahrung heraus ist Krebs im Norden noch ein Tabu-Thema. Freunde und selbst Angehörige scheuten den Kontakt zu den Betroffenen und blieben weg. Eine Erfahrung, die auch er machen musste. Den genauen Grund dafür kennt er nicht. Er vermutet, dass es eine Mischung aus Unerfahrenheit im Umgang mit Krebskranken und Angst, etwas Falsches zu machen oder zu sagen, sei. „Das ist aber das Schlimmste, was man machen kann.“ Er wünscht sich, dass die Menschen die Kontakte nicht abbrechen und ganz normal mit den Betroffenen umgehen. Ein Appell, den er immer wieder in seinen Texten wiederholt. Auch deswegen gehört das Schreiben über den Krebs jetzt zu seinem täglichen Leben, wann auch immer das zu Ende gehen mag.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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