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Haft und zeitweises Berufsverbot für Reitlehrer

Schülerin missbraucht Haft und zeitweises Berufsverbot für Reitlehrer

Wegen sexuellen Missbrauchs, gefährlicher Körperverletzung, Stalking und Betrug muss ein Reitlehrer aus dem Kreis Plön dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der heute 51-Jährige verging sich von 2009 bis 2011 mindestens zwölf Mal an einer damals noch nicht volljährigen Reitschülerin, urteilte das Plöner Amtsgericht am Mittwoch.

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Wegen sexuellen Missbrauchs, gefährlicher Körperverletzung, Stalking und Betrug muss ein Reitlehrer aus dem Kreis Plön dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Quelle: Arne Dedert/dpa

Plön. Die massiven Missbrauchs- und Betrugsvorwürfe gegen den ehemaligen Betreiber eines Pferdehofs bei Ascheberg (Kreis Plön) führten zu einem Mammutprozess. Seit Juni 2014 verhandelte das Schöffengericht. Gestern, am 68. Verhandlungstag, endlich das Urteil: dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe wegen 13 Sexualstraftaten, gefährlicher Körperverletzung, Nachstellung und Betrugs.

Nach der sechsstündigen (!) Urteilsbegründung ließ der Vorsitzende Volker Gillerke den Angeklagten auf der Stelle festnehmen – offenbar überraschend: Der große, massige Mann weigerte sich, Handfesseln anlegen zu lassen, und wurde laut. Der Richter forderte Verstärkung an. Der verschuldete 51-Jährige, der laut Urteil auch eine falsche eidesstattliche Versicherung abgelegt hatte, fügte sich unter Protest.

Zwei minderjährigen Schülerinnen, die er durch Psychoterror zu sexuellen Handlungen gedrängt hatte, muss der selbsternannte Reitlehrer jetzt 20.000 beziehungsweise 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Tatorte waren sein Reiterhof und die Wohnung des jüngeren Sex-Opfers in Kiel. In der Bewertung der Taten folgte das Gericht der Anklage, die jedoch vier Jahre Haft gefordert hatte. Im Februar 2009 hatte der gelernte Fleischer, der entgegen seiner Behauptungen keine Qualifikation als Reitlehrer besaß, der 16-Jährigen einen Stallplatz für ihr Pferd und Reitunterricht angeboten. Mit der Behauptung, er müsse sie für einen geschmeidigeren Sitz im Sattel an der Hüfte massieren, nahm er Tuchfühlung auf.

Gleichzeitig band der Angeklagte das Mädchen immer weiter in Tätigkeiten auf seinem Reiterhof ein. Während die Eltern ihr Kind in guter Obhut wähnten, ließ es sich nach zwei Monaten erstmals auf Sex mit dem fast 30 Jahre älteren Mann ein. Als die Schülerin auf Distanz gehen wollte, drohte der Angeklagte, ihr Pferd verkaufen zu lassen.

Aus Angst soll sich die Nebenklägerin regelmäßig auf Geschlechtsverkehr eingelassen haben. Das Schöffengericht zählte zwölf Fälle des Missbrauchs Schutzbefohlener. Laut Urteil hatte der Täter im Herbst 2011 zudem eine jüngere Reitschülerin (16) in ihrer Kieler Wohnung zu bizarren Sexspielen zu dritt genötigt. Dabei habe er die schutzlose Lage der mit 55 Kilo hoffnungslos unterlegenen Jugendlichen ausgenutzt, warf ihm der Vorsitzende vor.

Im August 2012 wurde die ältere Nebenklägerin von ihrer Mutter vom Hof geholt. Wegen Gefahr eines Racheakts – der Angeklagte soll einen Hells Angel zu einem Anschlag aufgefordert haben – kam die heute 23-Jährige ins Zeugenschutzprogramm. Zuletzt hatte sie sich nach einem heftigen Streit ins Badezimmer geflüchtet. Der Angeklagte brach die Tür auf, schlug mit einem Plastikschuhlöffel auf sie ein, bis er zerbrach – für das Gericht ein Fall von gefährlicher Körperverletzung. Trotz Kontaktverbots stellte der Angeklagte ihr weiter nach, lauerte ihr auf, schickte ihr Bekannte auf den Hals, bombardierte sie mit Telefonanrufen und Emails. Er beauftragte er eine Hamburger Detektei mit ihrer Beschattung, deren Rechnung über rund 9000 Euro er bis heute nicht bezahlte.

Noch schwerer wog der Betrug an einem Investor, der dem Angeklagten 250.000 Euro zur Verfügung stellte. Der Geldgeber glaubte damals an die Behauptung des Hochstaplers, die EU habe 25 Millionen für sein geplantes Reit- und Messezentrum mit 300 Ferienwohnungen in Niedersachsen locker gemacht.

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