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Kummerkasten und Kümmerin

Schulsozialarbeit Kummerkasten und Kümmerin

Ein Mädchen stört immer wieder den Unterricht. Ein Junge sorgt sich um seinen schwer erkrankten Vater. Ein anderer verweigert seit Monaten den Unterricht, weil er Angst vor der Schule hat. Das sind Fälle für die Schulsozialarbeiterin Inga Martensen. Seit zehn Jahren arbeitet sie im Schulzentrum Lütjenburg.

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„Willst du reden oder willst du boxen?“: Eine Frage, die Schulsozialarbeiterin Inga Martensen ihren Schützlingen manchmal stellt. Im Lütjenburger Schulzentrum hängt ein Sandsack, an dem Schüler Dampf ablassen können.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Den Begriff „Schule schwänzen“ lehnt Inga Martensen ab. Schwänzen sei etwas, was man früher gemacht habe. „Schulangst“ treffe es heute besser. Etwa zehn Fällen pro Jahr sieht sich die Sozialpädagogin in Lütjenburg gegenüber. Die Schulsozialarbeiterin spricht mit Schülern, Lehrern und macht Hausbesuche bei den Eltern. Sie sucht die Ursachen für die Angst. Das können Mobbing durch Mitschüler oder schwierige Familienverhältnisse sein. Oft gibt es mehrere Ansätze: „Es ist nie nur ein Problem. Es ist komplexer geworden, was die Kinder mitbringen.“

 Die Schulsozialarbeit in Lütjenburg, die vom SOS-Kinderdorf getragen wird, ist eine Unterstützung der Arbeit der Lehrer. Man musste aber erst zusammenfinden. Martensen fühlte sich am Anfang wie ein hübsch verpacktes Geschenk auf dem Tisch, das sich aber niemand traute auszupacken. Das ist Schnee von gestern.

 Die gestiegene Wertschätzung der Schulsozialarbeit drückt sich auch in den Räumlichkeiten aus. Anfangs saß Martensen in einem winzigen Büro, das sie sich zudem noch mit der Berufsberatung und einem Psychologen teilen musste. Heute ist ihr eigentliches Büro so groß wie ein Klassenzimmer und bunt eingerichtet. Kinder, die nur abschalten möchten, schickt sie in einen eigenen Ruheraum mit Kuscheldecke. Wer sich hingegen abreagieren möchte, darf an den Sandsack, der in einem Zimmer gegenüber angebracht ist. „Willst du boxen oder willst du reden“, fragt sie Jugendliche mit überschäumender Energie. Daneben gibt es einen Insel-Raum, in den im Unterricht auffällig gewordene Schüler kommen. Hier können sie unter Aufsicht von Lehrern und der Schulsozialarbeiterin ihre Aufgaben erledigen, basteln oder zeichnen. Aus aufmüpfigen Jungen oder Mädchen, die sich eben noch vor ihren Mitschülern aufspielten, werden hier ruhige Lernende.

 Martensen kümmert sich nicht nur um Schüler mit Schwächen, welcher Art auch immer. Sie pflegt den Kontakt mit den „Starken“, den Kindern, die sich als Streitschlichter oder Sanitäter einsetzen, ihre Klassen als Sprecher vertreten, die engagiert sind. „Ich brauche diese Schüler als Unterstützer.“ In Zahlen lassen sich die Erfolge der Stelle nicht messen. Es gibt aber Momente, da weiß Martensen, dass sich ihre Arbeit gelohnt hat. Jüngst diskutierte sie mit einem Schüler, der nicht zum Therapeuten wollte. Ihr Hinweis, dass er ja auch mir ihr spreche, konterte der Junge: „Mit dir kann man ja auch gut reden.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
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