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Das „Plöner Modell“ ist bundesweit erfolgreich

Schwentinental Das „Plöner Modell“ ist bundesweit erfolgreich

„Als meine Mutter starb, fiel mein Vater in ein tiefes Loch“, berichtet Ute Büchmann. Eine Situation, die die damalige Preetzer Frauenbeauftragte kaum auffangen konnte, da sie 400 Kilometer entfernt lebte.

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Ute Büchmann hat das Plöner Modell der Seniorenassistenz entwickelt.

Quelle: Andrea Seliger

Schwentinental. Und die typisch ist für viele Familien heute: Die erwachsenen Kinder können ihren Eltern im Alltag kaum oder gar nicht beistehen. Für Pflege und Haushalt sind Hilfen bereits etabliert. „Doch es gibt noch mehr als satt und sauber“, sagt Ute Büchmann.

 In einem von ihr entwickelten Pilotprojekt wurden 2006 erstmals 14 Frauen mit EU-Zuschüssen zu Seniorenassistentinnen ausgebildet, die genau diese Lücke schließen und individuelle soziale Teilhabe ermöglichen sollten. Das kann in der Praxis ganz unterschiedlich aussehen: „Ich hätte mir jemanden gewünscht, mit dem mein Vater über Politik diskutieren kann“, so Ute Büchmann, andere Senioren ließen sich vorlesen oder auf dem Gang zum Friedhof begleiten. Inzwischen haben sich bundesweit gut 900 Menschen, darunter etwa zehn Prozent Männer, nach Büchmanns Konzept zur Seniorenassistenz ausbilden lassen. Sie hat ihre Stelle im öffentlichen Dienst aufgegeben und leitet die „Büchmann Seminare KG“ mit Sitz im Gewerbe- und Technik-Zentrum Schwentinental. Nach dem ersten Geldgeber heißt das Konzept heute „Plöner Modell“ und ist urheberrechtlich geschützt. Eine der Seminar-Teilnehmerinnen, Kathrin Mauritz aus Duisburg, wurde inzwischen sogar mit dem Unternehmerinnenbrief Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

 „Wir haben lebenserfahrene Menschen, die aus allen beruflichen Bereichen kommen“, berichtet Ute Büchmann. Ursprünglich habe sie vor allem mit Wiedereinsteigerinnen nach der Familienpause gerechnet. Stattdessen kämen jedoch vor allem Umsteiger, die sogar noch feste Jobs hätten, beispielsweise die Bankkauffrau, die nicht mehr mit Zahlen zu tun haben wollte, sondern mit Menschen. Zur Ausbildung (120 Stunden Theorie) gehören Gesundheitsfragen ebenso wie Recht, Freizeitgestaltung und Kundengewinnung. Dauerhafte Unterstützung finden die Seniorenassistenten in einem bundesweiten Netzwerk.

 Viele hätten immer noch das Bild im Kopf, dass die Tochter oder Schwiegertochter für den Ernstfall bereitzustehen habe, so Büchmann. Dies entspreche aber nicht der heutigen Realität. Und Ehrenamt könnte solche Hilfen nur begrenzt leisten: „Das Ehrenamtsmodell funktioniert nicht, wenn dauerhaft viele Unterstützungsleistungen von derselben Person benötigt werden.“ Häufig seien es die Angehörigen die sich meldeten, weil sie wollten, dass es ihren Eltern gut geht – und die auch bereit seien, dafür einige wenige Stunden die Woche zu bezahlen. Einige Leistungen können auch über die Pflegekasse abgerechnet werden. Dies funktioniere in Nordrhein-Westfalen allerdings besser als in Schleswig-Holstein, da dort das Pflegestärkungsgesetz anders interpretiert und umgesetzt werde.sel

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